Folgt die Herabstufung der USA

Derzeit überraschend besser ausfallende US-Konjunkturdaten täuschen über die angespannte Situation hinweg, was bereits am Wochenende oder in den folgenden Tagen danach auf die Marktteilnehmer zukommen könnte. Einigen sich die Demokraten von US-Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht noch in letzter Minute, treten die Ende Dezember verschobenen zwangsmässigen Ausgabenkürzungen in Höhe von USD 85 Milliarden in Kraft. Damit wären nahezu alle Bundesbehörden in diesem Haushaltsjahr, das bis Ende September läuft, gezwungen ihre Budgets bis zu acht Prozent zu kürzen. Die automatischen Kürzungen, als „Sequester“ bekannt, wurden im Sommer 2011 vom Kongress beschlossen. Sie sollen insgesamt USD 1.2 Billionen in zehn Jahren einsparen. Der „Sequester“ ist aber ein Teil des gesamten Haushaltstreits. Kurzfristig müssen weiter Hürden genommen werden: bis zum 27. ist ein zeitlich befristeter Budgetplan zu verlängern, damit der Bund seine Rechnungen auch weiter bezahlen kann; bis zum 19. Mai muss die Schuldengrenze erhöht werden, da sonst der Staatsbankrott droht.

Ökonomen warnen, dass die Einschnitte die US-Konjunktur und jene anderer Länder schwer schaden könnten. Insgesamt stünden bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Auswirkungen wären jedoch nicht schlagartig spürbar. Obama meinte, es sei keine Klippe, sondern ein „Abwärtstaumel“.

Die Situation erinnert an Ende Juli Anfang August  2011, als die Politiker in den USA sich erst in letzter Minute auf die Erhöhung des Schuldendachs einigten. Wenige Tage später folgte der Verlust des Top-Ratings der USA. Bereits haben die Rating-Agenturen mehrmals eindringlich vor einer erneuten Herabstufung der Bonität gewarnt.
Nachdem die Rating-Agentur Standard & Pools (S&P) von den USA angeklagt wurde, stehen die drei grössten Rating-Agenturen S&P, Moody’s und Fitch in besonderem Spannungsfeld, wenn nicht sogar in einem gewissen Interessenkonflikt. Entschliessen sie sich für eine Herabstufung, schaden sie ihrem „eigenen“ Land und ziehen damit den Unmut der ganzen Nation auf sich. Behalten sie ihre aktuellen Einstufungen bei, gehen sie das Risiko von möglichen weiteren Klagen zu einem späteren Zeitpunkt ein, wie dies eben im Fall von S&P aus den eigenen Reihen widerfahren ist.

Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung auf einen Kompromiss im Budgetstreit sank kontinuierlich. Seit dem Hinauszögern des Entscheids um zwei Monate änderte sich nichts an den weit auseinander liegenden Ansichten beider Parteien. Auch ein letzter Ausweg einer erneuten Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt lässt keine Hoffnung auf eine grössere Chance in einer Annäherung und finalen Lösung aufkommen.
Mit einer Herabstufung der Bonität der USA kann bereits ab morgen Freitag nach Marktschliessung gerechnet werden. Bisher kamen sämtliche wichtige Ankündigungen der Rating-Agenturen aufs Wochenende hin. Die Märkte dürften diese Nachrichten kaum in positiver Form aufnehmen.

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