Crash Kurs – der richtige Zeitpunkt ab- bzw. aufzuspringen

Betrachten die Anleger die Performance Zahlen vom Januar ’22, reiben sich wohl viele verwundert die Augen. Der Monat gehört im langjährigen Schnitt doch meist zur Kategorie der besseren und positiven Börsenmonate. Insbesondere die US-Technologie-Börse Nasdaq brach diesen Monat ein, riss die Weltbörsen mit sich, und beendete den Januar auf weit tieferen Levels, eine Korrektur zwischenzeitlich von rund 17%. Einzelne Aktien, wie zum Beispiel Netflix, verloren innerhalb von wenigen Tagen 40% oder sogar noch mehr an Wert.

Nachdem der Index am ersten Handelstag des Jahres noch zulegte und nahe seines Allzeithochs schloss, setzten bereits am zweiten Handelstag Verkäufe ein. Befürchtungen über eine rasche Zinswende brachten die, für ein solches Ereignis notwendige Unsicherheit hervor. Mit den aktuell hohen Inflationszahlen, welche doch eher als vorübergehend einzustufen sind, war plötzlich die Angst einer raschen Zinswende bzw. sogar die Gefahr eines potenziellen Zinsschocks allgegenwärtig. Die Veröffentlichung des Sitzungs-Protokolls der US-Notenbank Fed, liess erahnen, dass der Markt mit 3 bis 4 Zinserhöhungen in den USA für dieses Jahr rechnen kann. Ein Zeichen für institutionelle Anleger, sich zumindest von einem Teil der doch langsam hoch bewerteten Technologie Aktien zu trennen.

Und als nach einigen Tagen mit negativen Vorzeichen die 200-Tage Linie vom Nasdaq durchbrochen wurde, gab es für die Verkäufer fast schon kein Halten mehr. Die Durschnitts-Linie gilt als starkes Support-Level, ein technischer Indikator für den längerfristigen Verlauf des Marktes. Befindet sich der Index über dem Level, gehen Investoren von einem erfreulichen, positiven Trend aus. Durchbricht der Index diese Marke, kann dies als Zeichen einer Korrektur und für weitere potenzielle Kursverluste gewertet werden.

Dass die Zins-Thematik zwar für gewisse Unruhe und Nervosität sorgen könnte war absehbar, dass dies kurzfristig eine so heftige Abwärtsspirale einläuten könnte, war doch eher überraschend.

 

Chronologie der Korrektur

Beobachtete man genau an den einzelnen Handelstage den Verlauf der Indizes, insbesondere jenen der Technologie-Börse Nasdaq, las und interpretierte die z.T. heftigen Bewegungen, liessen sich jeweils die Schlüsse ziehen, in welchem Korrekturstadium sich der Markt gerade befindet.

Der Januar ’22 lässt sich schon fast für ein lehrbuchmässiges Korrektur-Prozedere verwenden. Dies möchte ich anhand der folgenden 10 Punkten erläutern:

Damit sich jedoch überhaupt ein solches Szenario entwickeln kann, brauch es gewisse Voraussetzungen:

Viele Anleger setzen über eine länger anhaltende Zeitspanne auf das gleiche Pferd, investieren im selben Sektor, kaufen dieselben Aktien, und schaffen somit über eine längere Zeitperiode den sog. Crowded Trade bzw. eine hohe Bewertung der Unternehmen im Vergleich zu ihren Unternehmensergebnissen.

Die Aktien der Technologie Giganten waren seit Jahren gefragt und wurden durch die seit 2020 vorherrschende Corona-Pandemie in der Nachfrage noch weiter befeuert. Fast schon garantierte positive Performance Zahlen lockten immer noch mehr Investoren und dann auch Kleinanleger an, in diese Werte zu investieren. Daraus resultiert eine vergleichsweise hohe (Über-)Bewertung.

  1. Unsicherheit

Aufkommende Unsicherheit ist grundsätzlich keine gute Voraussetzung für positive Aktienkurse.

Die Inflationsängste und eine angeblich markante Zinswende in den USA schreckten die Investoren auf. Die wachstumsorientierten Titel leiden bei steigenden Zinsen am stärksten. Die projizierten Gewinne der Unternehmen werden mit einem höheren Zins abdiskontiert, womit sie vergleichsweise weniger wert sind. Auf die Bewertungs-Modelle der wachstumsstarken Technologie-Unternehmen trifft dieser Effekt besonders zu.

  1. Institutionelle Anleger

Es sind meist die institutionellen Anleger die in einer solchen Phase beginnen, wenige Prozente ihrer Portfolios umzuschichten. Es sind kleine Anteile des Portfolios, welche jedoch grössere Beträge bzw. Volumen ausmachen.

Gleich nach Jahresbeginn haben mit diesen Aussichten die institutionellen Anleger begonnen, sich zumindest von einem Teil ihrer Tech-Aktien zu verabschieden. Dies geschieht meist über aktiv gemanagte Fonds oder passive Investment-Bausteine wie die ETFs.

Zu beobachten war diese Aktivität am Nasdaq im Abfallen der Kurse über die letzten 1 bis 1 ½ Handelsstunden. Ein Zeichen, dass diese Vehikel Positionen reduzieren müssen, veranlasst durch Rücknahmen/Verkäufen von Fondsanteilen.

  1. Short Seller

Leerverkäufer, sog. Short Seller, entwickeln ebenfalls ein solches Szenario in ihrer Anlagestrategie, wittern ihre Chance und beginnen mit Wetten auf fallende Kurse abzuschliessen. Sie verkaufen Aktien, welche sie gar nicht besitzen, um sie dann später zu einem tieferen Kurs wieder zurück zu kaufen. Durch deren Verkauf geht der Trend von fallenden Aktienpreisen weiter.

  1. Volatilität

Mit den fallenden Kursen beginnen Investoren ihre noch bestehenden Positionen auf weiter fallende Kurse mit Hilfe von Options-Strategien abzusichern. Dies beeinflusst den Volatilitätsindex, ein Grad für die Schwankungsintensität für einen gewissen Zeitraum, welcher in einem solchen Szenario rasch nach oben schnellt. In einem normalen Umfeld befindet sich der sog. VIX Index zwischen 10 und 15. Mit der Korrektur schnellte der VIX in wenigen Tagen von einem normalen Level auf knapp 39 hoch. Letztmals hatte der Volatilitätsindex ein solches Level während der Korrektur in der Corona Pandemie im März 2020 erreicht.

  1. Technische Support-Levels

Die Thematik von technischen Indikatoren, welche Investoren für ihre Investment-Entscheide beiziehen, habe ich bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 aufgegriffen.

In einem Korrektur-Szenario ist die 200-Tage Durchschnittslinie von immenser Bedeutung, da sie bei Investoren so viel Beachtung findet. Fällt der Index bzw. Kurs darunter, gilt der Aufwärtstrend als gebrochen. Ein weiterer Abverkauf setzt höchstwahrscheinlich ein, durch all jene Investoren, die anhand dieser technischen Indikatoren ihre Portfolios aufsetzen und Investment-Entscheide fällen.

Der Abverkauf wird sodann durch einen weiteren Faktor grundlegend verstärkt. In den USA wird je nach Markt-Segment an der Börse zwischen 70 bis 80% der Handelsvolumen durch Hochfrequenz-Handel oder sog. High Frequency Trading ausgelöst. Es sind somit Computer, die anhand von programmierten Algorithmen innerhalb von Millisekunden entscheiden Positionen zu kaufen oder abzustossen. Während eines solchen Szenarios wie nun im Januar, kann der Markt über Stunden oder Tage mit weiteren sowie einer ansteigenden Anzahl an Verkaufsorders geflutet werden. Daraus resultierten in Vergangenheit auch schon sog. Flash-Crashes, ein heftiger Markteinbruch innert wenigen Minuten, wie zum Beispiel am 6. Mai 2010, als die US-Leitindizes innert 6 Minuten fast 6% einbrachen und der Dow Jones Index zeitweise sogar mehr als 9% verlor.

  1. Margin Calls

Sind diese technischen Levels durchbrochen, bedeutet dies sehr oft einen weiteren Druck und zumindest kurzzeitig den Fortgang der negativen Kursentwicklung. Der nächste heftige Abschlag wird durch sog. Margin Calls ausgelöst. Nach einer Korrektur von 10-15% werden Anleger gezwungen, welche mit Fremdkapital spekulieren, ihre Positionen zu reduzieren, koste es was es wolle. Ein sog. Forced Selling setzt ein. Der Index sinkt in einem solchen Fall kurz nach der Eröffnung ins schier Bodenlose, so wohl geschehen und zu beobachten am Montag, den 24. Januar. Der Nasdaq Index verlor im Tagesverlauf zeitweise fast 6%, was bisher auch den Tiefpunkt innerhalb der bisherigen Korrektur markierte. Nachdem die Transaktionen der Margin Calls abgeschlossen sind, ist eine Gegenbewegung zu beobachten. Noch gleichentags setzte eine enorme Gegenbewegung ein. Der Nasdaq 100 Index bewegte sich an diesem Tag in einem Spektrum von -5.8%, nach einer kräftigen Erholung zwischenzeitlich sogar leicht Plus, bevor dieser dann knapp ein halbes Prozent tiefer aus dem Handel ging.

  1. Staunen / irrational

An solchen Tagen mit solchen heftigen Bewegungen sitzt selbst manch Börsianer vor dem Bildschirm und schaut sich fast ungläubig die Kursentwicklungen und die Farben von tief rot bis hin zu grün, an. Worte wie, «das kann doch gar nicht sein», «völlig irrational» gehen durch die Köpfe. Die Kursbewegungen gleichen über die nächsten Tage einer Achterbahn, aufspringen oder abspringen?

  1. Spekulanten / Day Trader

Mit den hohen Ausschlägen der Kurse innerhalb eines Tagesverlaufs, wittern die Trader, sog. Day Trader, die Gelegenheit für kurzfristige Spekulationen und betreten das Parkett für eine gewisse Zeit. Ein Auf und Ab folgt über die nächsten Tage, abrupte Kurswechsel sind zu beobachten, oft verbunden mit dem Erreichen von Levels, vorgegeben durch technische Indikatoren.

  1. Prüfen der sog. Lows

Die Trader versuchen den Markt in der einen oder anderen Richtung zu testen, ob ein Ausbruch nach oben oder weiter nach unten erfolgt. Sehr oft ist dann zu beobachten, dass die während Vortagen erreichten Tiefststände nochmals getestet werden. Die Schwankungsanfälligkeit und die Volatilität beginnen abzunehmen resp. zu sinken. Darauf verlassen die Day Trader nach und nach das Spielfeld, bleiben jedoch auf der Hut im weiteren Verlauf.

  1. Technischer Rebound

Am Freitag, den 28. Januar schien der Markt den am 24. Januar erreichte Tiefstwert nochmals zu testen. Da der Index beim Test der Lows kein noch tieferer Wert erzielte, d.h. Käufer dagegen hielten, wurde dies durch die Investoren positiv gewertet. Daraus resultierte und setzte schlussendlich der sog. Technische Rebound ein, welcher bis heute Dienstag, den 1. Februar, anhält.

 

„Mein“ Portfolio

In gewissen Stadien der Korrektur ergeben sich jeweils neue Chancen sich für mittel- bis längerfristige Anlagemöglichkeiten zu positionieren. Genau DEN richtigen Zeitpunkt, das sog. Low, erwischt selbst ein professioneller Anleger äusserst selten bis kaum.

Abhängig von der Allokation und Risikoneigung lassen sich genau solche Szenarien gezielt nutzen, schrittweise bzw. über mehrere Transaktionen, verteilt über mehrere Tage hinweg, sein Exposure aufzubauen oder zu erhöhen. Voraussetzung ist natürlich eine gewisse Cash Reserve zu haben, welche investiert werden kann. Kennt man die einzelnen Phasen einer Korrektur und lassen sich diese konkret beobachten, ist ein gutes Timing möglich. Damit lässt sich ein besseres Einstiegslevel erzielen.

Innerhalb der Korrekturphase gibt es aber auch Momente, die man einfach von der Seitenlinie beobachten sollte und das Spielfeld den kurzfristig agierenden Trader überlassen bis wieder Klarheit herrscht über die Richtung und der Markt wieder beginnt in rationalen Bahnen zu verlaufen.

Eine gewisse Korrektur bei den Technologiewerten ist nachvollziehbar, der Zeitpunkt einer solchen Korrektur kaum voraussehbar, die Dimension dieser Korrektur eher irrational und schlussendlich technisch getrieben.

Wie bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 hingewiesen, bleibt das Potenzial bei den Technologiewerten intakt, insbesondere nach der jüngsten Korrektur. Die während den letzten Tagen publizierten Unternehmens-Ergebnisse von Microsoft, Apple, Google etc. waren stark und sind positiv zu werten.

Die Inflationsängste scheinen mir übertrieben. Die Inflationszahlen könnten nun ihren Höhepunkt erreicht haben. Sollten es trotzdem noch 4 Zinserhöhungen in den USA innerhalb von diesem Jahr geben, bewegen wir uns weiterhin auf einem längerfristig sehr tiefen Niveau. Es ist noch ein weiter Weg bis zur sog. Zinsnormalisierung in den USA geschweige denn in Europa, der Schweiz und Japan. Somit dürfte sich ein Potenzial auf steigende Kurse bei Technologie Aktien trotz steigender Zinsen ergeben.

 

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Mit meinem Artikel möchte ich u.a. aufzeigen, dass eine solche ausserordentliche Markt-Situation auch viele Chancen bietet. Ziel von ETFMandate ist es u.a. Sie in Zukunft äusserst zeitnah über solche Anlagechancen zu informieren.

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