Crash Kurs – der richtige Zeitpunkt ab- bzw. aufzuspringen

Betrachten die Anleger die Performance Zahlen vom Januar ’22, reiben sich wohl viele verwundert die Augen. Der Monat gehört im langjährigen Schnitt doch meist zur Kategorie der besseren und positiven Börsenmonate. Insbesondere die US-Technologie-Börse Nasdaq brach diesen Monat ein, riss die Weltbörsen mit sich, und beendete den Januar auf weit tieferen Levels, eine Korrektur zwischenzeitlich von rund 17%. Einzelne Aktien, wie zum Beispiel Netflix, verloren innerhalb von wenigen Tagen 40% oder sogar noch mehr an Wert.

Nachdem der Index am ersten Handelstag des Jahres noch zulegte und nahe seines Allzeithochs schloss, setzten bereits am zweiten Handelstag Verkäufe ein. Befürchtungen über eine rasche Zinswende brachten die, für ein solches Ereignis notwendige Unsicherheit hervor. Mit den aktuell hohen Inflationszahlen, welche doch eher als vorübergehend einzustufen sind, war plötzlich die Angst einer raschen Zinswende bzw. sogar die Gefahr eines potenziellen Zinsschocks allgegenwärtig. Die Veröffentlichung des Sitzungs-Protokolls der US-Notenbank Fed, liess erahnen, dass der Markt mit 3 bis 4 Zinserhöhungen in den USA für dieses Jahr rechnen kann. Ein Zeichen für institutionelle Anleger, sich zumindest von einem Teil der doch langsam hoch bewerteten Technologie Aktien zu trennen.

Und als nach einigen Tagen mit negativen Vorzeichen die 200-Tage Linie vom Nasdaq durchbrochen wurde, gab es für die Verkäufer fast schon kein Halten mehr. Die Durschnitts-Linie gilt als starkes Support-Level, ein technischer Indikator für den längerfristigen Verlauf des Marktes. Befindet sich der Index über dem Level, gehen Investoren von einem erfreulichen, positiven Trend aus. Durchbricht der Index diese Marke, kann dies als Zeichen einer Korrektur und für weitere potenzielle Kursverluste gewertet werden.

Dass die Zins-Thematik zwar für gewisse Unruhe und Nervosität sorgen könnte war absehbar, dass dies kurzfristig eine so heftige Abwärtsspirale einläuten könnte, war doch eher überraschend.

 

Chronologie der Korrektur

Beobachtete man genau an den einzelnen Handelstage den Verlauf der Indizes, insbesondere jenen der Technologie-Börse Nasdaq, las und interpretierte die z.T. heftigen Bewegungen, liessen sich jeweils die Schlüsse ziehen, in welchem Korrekturstadium sich der Markt gerade befindet.

Der Januar ’22 lässt sich schon fast für ein lehrbuchmässiges Korrektur-Prozedere verwenden. Dies möchte ich anhand der folgenden 10 Punkten erläutern:

Damit sich jedoch überhaupt ein solches Szenario entwickeln kann, brauch es gewisse Voraussetzungen:

Viele Anleger setzen über eine länger anhaltende Zeitspanne auf das gleiche Pferd, investieren im selben Sektor, kaufen dieselben Aktien, und schaffen somit über eine längere Zeitperiode den sog. Crowded Trade bzw. eine hohe Bewertung der Unternehmen im Vergleich zu ihren Unternehmensergebnissen.

Die Aktien der Technologie Giganten waren seit Jahren gefragt und wurden durch die seit 2020 vorherrschende Corona-Pandemie in der Nachfrage noch weiter befeuert. Fast schon garantierte positive Performance Zahlen lockten immer noch mehr Investoren und dann auch Kleinanleger an, in diese Werte zu investieren. Daraus resultiert eine vergleichsweise hohe (Über-)Bewertung.

  1. Unsicherheit

Aufkommende Unsicherheit ist grundsätzlich keine gute Voraussetzung für positive Aktienkurse.

Die Inflationsängste und eine angeblich markante Zinswende in den USA schreckten die Investoren auf. Die wachstumsorientierten Titel leiden bei steigenden Zinsen am stärksten. Die projizierten Gewinne der Unternehmen werden mit einem höheren Zins abdiskontiert, womit sie vergleichsweise weniger wert sind. Auf die Bewertungs-Modelle der wachstumsstarken Technologie-Unternehmen trifft dieser Effekt besonders zu.

  1. Institutionelle Anleger

Es sind meist die institutionellen Anleger die in einer solchen Phase beginnen, wenige Prozente ihrer Portfolios umzuschichten. Es sind kleine Anteile des Portfolios, welche jedoch grössere Beträge bzw. Volumen ausmachen.

Gleich nach Jahresbeginn haben mit diesen Aussichten die institutionellen Anleger begonnen, sich zumindest von einem Teil ihrer Tech-Aktien zu verabschieden. Dies geschieht meist über aktiv gemanagte Fonds oder passive Investment-Bausteine wie die ETFs.

Zu beobachten war diese Aktivität am Nasdaq im Abfallen der Kurse über die letzten 1 bis 1 ½ Handelsstunden. Ein Zeichen, dass diese Vehikel Positionen reduzieren müssen, veranlasst durch Rücknahmen/Verkäufen von Fondsanteilen.

  1. Short Seller

Leerverkäufer, sog. Short Seller, entwickeln ebenfalls ein solches Szenario in ihrer Anlagestrategie, wittern ihre Chance und beginnen mit Wetten auf fallende Kurse abzuschliessen. Sie verkaufen Aktien, welche sie gar nicht besitzen, um sie dann später zu einem tieferen Kurs wieder zurück zu kaufen. Durch deren Verkauf geht der Trend von fallenden Aktienpreisen weiter.

  1. Volatilität

Mit den fallenden Kursen beginnen Investoren ihre noch bestehenden Positionen auf weiter fallende Kurse mit Hilfe von Options-Strategien abzusichern. Dies beeinflusst den Volatilitätsindex, ein Grad für die Schwankungsintensität für einen gewissen Zeitraum, welcher in einem solchen Szenario rasch nach oben schnellt. In einem normalen Umfeld befindet sich der sog. VIX Index zwischen 10 und 15. Mit der Korrektur schnellte der VIX in wenigen Tagen von einem normalen Level auf knapp 39 hoch. Letztmals hatte der Volatilitätsindex ein solches Level während der Korrektur in der Corona Pandemie im März 2020 erreicht.

  1. Technische Support-Levels

Die Thematik von technischen Indikatoren, welche Investoren für ihre Investment-Entscheide beiziehen, habe ich bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 aufgegriffen.

In einem Korrektur-Szenario ist die 200-Tage Durchschnittslinie von immenser Bedeutung, da sie bei Investoren so viel Beachtung findet. Fällt der Index bzw. Kurs darunter, gilt der Aufwärtstrend als gebrochen. Ein weiterer Abverkauf setzt höchstwahrscheinlich ein, durch all jene Investoren, die anhand dieser technischen Indikatoren ihre Portfolios aufsetzen und Investment-Entscheide fällen.

Der Abverkauf wird sodann durch einen weiteren Faktor grundlegend verstärkt. In den USA wird je nach Markt-Segment an der Börse zwischen 70 bis 80% der Handelsvolumen durch Hochfrequenz-Handel oder sog. High Frequency Trading ausgelöst. Es sind somit Computer, die anhand von programmierten Algorithmen innerhalb von Millisekunden entscheiden Positionen zu kaufen oder abzustossen. Während eines solchen Szenarios wie nun im Januar, kann der Markt über Stunden oder Tage mit weiteren sowie einer ansteigenden Anzahl an Verkaufsorders geflutet werden. Daraus resultierten in Vergangenheit auch schon sog. Flash-Crashes, ein heftiger Markteinbruch innert wenigen Minuten, wie zum Beispiel am 6. Mai 2010, als die US-Leitindizes innert 6 Minuten fast 6% einbrachen und der Dow Jones Index zeitweise sogar mehr als 9% verlor.

  1. Margin Calls

Sind diese technischen Levels durchbrochen, bedeutet dies sehr oft einen weiteren Druck und zumindest kurzzeitig den Fortgang der negativen Kursentwicklung. Der nächste heftige Abschlag wird durch sog. Margin Calls ausgelöst. Nach einer Korrektur von 10-15% werden Anleger gezwungen, welche mit Fremdkapital spekulieren, ihre Positionen zu reduzieren, koste es was es wolle. Ein sog. Forced Selling setzt ein. Der Index sinkt in einem solchen Fall kurz nach der Eröffnung ins schier Bodenlose, so wohl geschehen und zu beobachten am Montag, den 24. Januar. Der Nasdaq Index verlor im Tagesverlauf zeitweise fast 6%, was bisher auch den Tiefpunkt innerhalb der bisherigen Korrektur markierte. Nachdem die Transaktionen der Margin Calls abgeschlossen sind, ist eine Gegenbewegung zu beobachten. Noch gleichentags setzte eine enorme Gegenbewegung ein. Der Nasdaq 100 Index bewegte sich an diesem Tag in einem Spektrum von -5.8%, nach einer kräftigen Erholung zwischenzeitlich sogar leicht Plus, bevor dieser dann knapp ein halbes Prozent tiefer aus dem Handel ging.

  1. Staunen / irrational

An solchen Tagen mit solchen heftigen Bewegungen sitzt selbst manch Börsianer vor dem Bildschirm und schaut sich fast ungläubig die Kursentwicklungen und die Farben von tief rot bis hin zu grün, an. Worte wie, «das kann doch gar nicht sein», «völlig irrational» gehen durch die Köpfe. Die Kursbewegungen gleichen über die nächsten Tage einer Achterbahn, aufspringen oder abspringen?

  1. Spekulanten / Day Trader

Mit den hohen Ausschlägen der Kurse innerhalb eines Tagesverlaufs, wittern die Trader, sog. Day Trader, die Gelegenheit für kurzfristige Spekulationen und betreten das Parkett für eine gewisse Zeit. Ein Auf und Ab folgt über die nächsten Tage, abrupte Kurswechsel sind zu beobachten, oft verbunden mit dem Erreichen von Levels, vorgegeben durch technische Indikatoren.

  1. Prüfen der sog. Lows

Die Trader versuchen den Markt in der einen oder anderen Richtung zu testen, ob ein Ausbruch nach oben oder weiter nach unten erfolgt. Sehr oft ist dann zu beobachten, dass die während Vortagen erreichten Tiefststände nochmals getestet werden. Die Schwankungsanfälligkeit und die Volatilität beginnen abzunehmen resp. zu sinken. Darauf verlassen die Day Trader nach und nach das Spielfeld, bleiben jedoch auf der Hut im weiteren Verlauf.

  1. Technischer Rebound

Am Freitag, den 28. Januar schien der Markt den am 24. Januar erreichte Tiefstwert nochmals zu testen. Da der Index beim Test der Lows kein noch tieferer Wert erzielte, d.h. Käufer dagegen hielten, wurde dies durch die Investoren positiv gewertet. Daraus resultierte und setzte schlussendlich der sog. Technische Rebound ein, welcher bis heute Dienstag, den 1. Februar, anhält.

 

„Mein“ Portfolio

In gewissen Stadien der Korrektur ergeben sich jeweils neue Chancen sich für mittel- bis längerfristige Anlagemöglichkeiten zu positionieren. Genau DEN richtigen Zeitpunkt, das sog. Low, erwischt selbst ein professioneller Anleger äusserst selten bis kaum.

Abhängig von der Allokation und Risikoneigung lassen sich genau solche Szenarien gezielt nutzen, schrittweise bzw. über mehrere Transaktionen, verteilt über mehrere Tage hinweg, sein Exposure aufzubauen oder zu erhöhen. Voraussetzung ist natürlich eine gewisse Cash Reserve zu haben, welche investiert werden kann. Kennt man die einzelnen Phasen einer Korrektur und lassen sich diese konkret beobachten, ist ein gutes Timing möglich. Damit lässt sich ein besseres Einstiegslevel erzielen.

Innerhalb der Korrekturphase gibt es aber auch Momente, die man einfach von der Seitenlinie beobachten sollte und das Spielfeld den kurzfristig agierenden Trader überlassen bis wieder Klarheit herrscht über die Richtung und der Markt wieder beginnt in rationalen Bahnen zu verlaufen.

Eine gewisse Korrektur bei den Technologiewerten ist nachvollziehbar, der Zeitpunkt einer solchen Korrektur kaum voraussehbar, die Dimension dieser Korrektur eher irrational und schlussendlich technisch getrieben.

Wie bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 hingewiesen, bleibt das Potenzial bei den Technologiewerten intakt, insbesondere nach der jüngsten Korrektur. Die während den letzten Tagen publizierten Unternehmens-Ergebnisse von Microsoft, Apple, Google etc. waren stark und sind positiv zu werten.

Die Inflationsängste scheinen mir übertrieben. Die Inflationszahlen könnten nun ihren Höhepunkt erreicht haben. Sollten es trotzdem noch 4 Zinserhöhungen in den USA innerhalb von diesem Jahr geben, bewegen wir uns weiterhin auf einem längerfristig sehr tiefen Niveau. Es ist noch ein weiter Weg bis zur sog. Zinsnormalisierung in den USA geschweige denn in Europa, der Schweiz und Japan. Somit dürfte sich ein Potenzial auf steigende Kurse bei Technologie Aktien trotz steigender Zinsen ergeben.

 

Newsletter – Informationen in Zukunft

Mit meinem Artikel möchte ich u.a. aufzeigen, dass eine solche ausserordentliche Markt-Situation auch viele Chancen bietet. Ziel von ETFMandate ist es u.a. Sie in Zukunft äusserst zeitnah über solche Anlagechancen zu informieren.

Abonnieren Sie deshalb am besten sogleich den Newsletter und Sie werden zu gegebenem Zeitpunkt über weitere Neuerungen und Erweiterungen sowie die Möglichkeit solche Informationen zu Anlage-Themen in Zukunft zu erhalten, erfahren.

Zeit sich von Apple, Amazon & Co’s zu trennen vs. «Buy the Dip»

Nach der ersten Handelswoche im neuen Jahr rieben sich die Marktakteure die Augen. Anstatt wie üblich während dieser Phase des Jahres auf Grün, standen die Indexvorzeichen am Ende der Woche überraschenderweise auf negativ. Der kurzfristige Trend scheint sich nun in die zweite Handelswoche hinein fortzusetzen.
Bei den Leitindizes hat der Technologie schwergewichtige Nasdaq Composite mit einem Minus von 3.6% innerhalb der ersten Woche am stärksten nachgegeben. Dies, nachdem an den ersten beiden Handelstagen in den USA noch Levels auf neuen Allzeithochs erzielt wurden.

Apple – wertvollstes Unternehmen

Gleich am zweiten Handelstag liess die Meldung aus New York aufhorchen, dass Apple im vorbörslichen Handel mit dem Kurs pro Aktie von über USD 182.88 als erstes Unternehmen weltweit einen Wert von über USD 3 Billionen Marktkapitalisierung erreicht hat. Erst im August 2020 hat der iPhone-Riese die 2 Billionen Dollar Grenze geknackt. Zwei Jahre vorher gelang es Apple als ersten Konzern eine 13-stellige Bewertung zu erreichen. Alleine im vergangenen Jahr legten Apples Aktien um knapp 34% zu. Nach einem solch raschen und markanten Anstieg, stuft auf den ersten Blick manch einer die Bewertung als doch eher hoch ein.

Obwohl die letzten Quartale unter Chipmangel und weltweiten Lieferkettenproblemen standen, verdiente Apple im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr enorme USD 94.7 Milliarden und steigerte das Ergebnis damit zum Vorjahr um rund 65%. Alleine im vierten Quartal meldete Apple einen Nettoumsatz von USD 83.4 Milliarden, ein Plus von 30% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn fiel im selben Zeitraum satte 62% höher im Vergleich zum Vorjahr aus.

Das Unternehmen sitzt aktuell auf einem Cash-Bestand von über USD 100 Milliarden. Strategisch stehen dem Konzern somit sämtliche Optionen offen. Sei es mit neuen Wachstumsinitiativen, strategischen Zukäufen oder Aktienrückkaufprogrammen und Dividenden um für Aktionäre neue Werte zu schaffen.

Inflations- und Zinssorgen

Es gibt Investoren, die mit grösseren Summen kurzfristig Wetten auf bestimmte Kursziele eingehen, um dann sogleich beim Erreichen dieser Werte ihre Positionen zu schliessen und die Gewinne einzufahren. So geschehen beim Erreichen der 3 Billionen Marke von Apple, worauf noch am selben Tag Gewinnmitnahmen beim Titel einsetzten. Ende der Woche schloss die Aktie knapp 6% unter diesem Wert.

Gleichzeitig sorgten die veröffentlichten Protokolle der zuletzt im Dezember stattgefunden Fed Sitzung für aufkommend Inflations- und Zinssorgen und damit für weiteren allgemeinen Abgabedruck bei den Technologiewerten. Die wachstumsorientierten Titel leiden in einem solchen Umfeld am stärksten. Die projizierten Gewinne der Unternehmen werden mit einem höheren Zins abdiskontiert, womit sie vergleichsweise weniger wert sind. Auf die Bewertungs-Modelle der wachstumsstarken Technologie-Unternehmen trifft dieser Effekt besonders zu. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe, der sog. Treasury, schoss innert Wochenfrist von 1.51% auf vorübergehende 1.8% hoch.

Es darf angenommen werden, dass beide Effekte, sowohl die erhöhte Inflation sowie die Zinssorgen eher von kurzfristiger Natur sein werden. Die amerikanische Zentralbank Fed kauft weiterhin Anleihen, auch wenn in reduziertem Tempo bzw. Menge. Trotz Beginn dieses sog. Taperings, fliesst in dieser Phase weiterhin Liquidität in den Markt. Und auch wenn der Markt derzeit noch von 3 Zinserhöhungen innerhalb des Jahres 2022 ausgeht, und das Fed diese tatsächlich vollziehen sollte, werden sich die Zinsen weiterhin in einem historischen tiefen Rahmen bewegen und die Liquidität im System weiterhin massiv bleiben.

«Mein» Portfolio

Das genaue Ende eines solch kurzfristigen Trends der zugespitzten Inflations- und Zinssorgen, der die Anleger aus den vermeintlich teuren sog. Wachstumswerten treibt, ist schwierig zu prognostizieren. Je extremer die Vorgaben von negativer Performance, wie dies heute nach der Eröffnung der Fall ist, desto eher eröffnet dies kurzfristig auch Chancen für den Einstieg. Der sog. Buy the Dip kann für den Aufbau von weiterem Exposure in Technologiewerte genutzt werden, um dann von einer möglichen Gegenbewegung, sog. Rebound zu profitieren. Bietet sich dem Anleger genügend Cash-Reserve und belaufen sich die Transaktionskosten im Rahmen, kann der Aufbau auch über zwei drei Schritt erfolgen, sollten die Kurse noch weiter nachgeben.

Das Beispiel von Apple zeigt, wie gut der Innovationszyklus und die Cash-Maschinerie der grossen Technologiekonzerne funktioniert. Wie bei Apple besteht bei den weiteren grossen US-Technologiekonzernen eine rege Nachfrage nach ihren Leistungen, weshalb auch weiterhin ein, für Unternehmen dieser Grösse, überraschend starkes Wachstum ausweisen dürften. Damit lässt sich schlussendlich im Vergleich auch eine höhere Bewertung rechtfertigen.

Ziehen wir nebst der Bewertung die Chart-technischen Faktoren hinzu. Der Nasdaq befindet sich seit geraumer Zeit in einem positiven Trend. Solange der Index über der 200-Tage-Durchschnittslinie bleibt, sollte dies für weitere Unterstützung sorgen. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass wir im heutigen Umfeld diese Marke aktuell noch testen werden. Hält der Index diese Marke am Schluss des Tages, ist dies als Zeichen der Stärke und als Möglichkeit für einen weiteren positiven Verlauf zu deuten. Umgekehrt könnte vorübergehend noch weiterer Abgabedruck folgen, ausgelöst durch die Trader, deren Anlagestrategie sich auf die technischen Signale stützen.

Das Umfeld mit erhöhter Volatilität und somit mit grösseren Ausschlägen sowohl nach unten wie auch nach oben kann durchaus für einen gewissen Zeitraum fortbestehen. Insbesondere da der Technologie-Sektor zu den sog. Crowded Trades gehört, bleibt er kurzfristig anfällig für grössere, negative Ausschläge, welche Anleger für sich jedoch als Chance nutzen können.

ETF auf Nasdaq

Der Aktienverlauf von Amazon über die letzten eineinhalb Jahre zeigt, dass nicht alle Big Techs im Gleichschritt über denselben Zeitraum zulegen konnten. Die Aktie des Online-Giganten tendierte in dieser Periode eher seitwärts. Als Anleger kann es effizienter sein, statt einzelne Technologiewerte zu kaufen, in den ETF auf den entsprechenden Index, Nasdaq, zu investieren und somit einem Klumpenrisiko im Portfolio vorzubeugen. Ist ein Anleger bereits in einzelnen Werten investiert, kann sich ein Switch in einen diversifizierten Index lohnen, um so die Risiken zu reduzieren.

Apple zählt zu den grossen Tech-Giganten in den USA, welche im Nasdaq 100 Index enthalten sind. Die 7 grössten Werte, dazu zählen nebst Apple, Amazon, Microsoft Netflix, Alphabet (Google), Tesla auch Nvidia, und vereinen knapp 50% der Indexgewichtung auf sich. Mit einer einzigen Transaktion gewinnt der Anleger Zugang, sog. Exposure, zum weiterhin attraktiv einzustufenden Technologie-Sektor mit einer bedeutenden Beteiligung an den grossen Technologiekonzernen. Gleichzeitig profitiert er von sämtlichen Vorteilen eines solchen Investmentvehikels.

Die bedeutenden Vorteile von ETFs und viele weitere Themen innerhalb der Anlagethematik werde ich auf ETFMandate im Laufe der Zeit aufzeigen.

Korrektur voraus? Folgt bald der grosse „Ever“-Schock?

Im Jahr 2021 sorgten, nebst dem allgegenwärtigen Thema der Corona-Pandemie, unter anderem die Ereignisse rund um die beiden „Ever’s“ kurzzeitig für Unruhen an den internationalen Finanzmärkten.
Just zum Jahresstart taucht einer dieser Ever’s mit potenzieller Brisanz wieder in den Schlagzeilen auf. Gerade aktuell, zum ersten Handelstag an den internationalen Finanzmärkten im Jahre 2022, melden die Medien vor wenigen Stunden, dass die Aktien von Evergrande an der Börse in Hong Kong erneut vom Handel ausgesetzt wurden. Der Grund ist bisher noch nicht bekannt. Das Unternehmen wird wohl in Kürze Informationen publizieren. Vorerst reagierten die Finanzmärkte nicht oder gelassen auf die News, wobei einige Börsen heute noch Feiertagsbedingt geschlossen sind.

„Ever“ wie Evergrande und China

Bereits im Oktober 2021 waren die Titel vom Handel ausgesetzt als der Immobilien-Riese Evergrande für einen der „Ever“-Schocks sorgte. Das hochverschuldete, in China angesiedelte Unternehmen kam in Zahlungsschwierigkeiten und scheint nicht in der Lage zu sein sämtliche zugesagten Häuser und Wohnungen fertigzustellen. Die Schulden des Bauentwicklers belaufen sich auf rund USD 300 Milliarden. Davon stammen rund USD 19 Milliarden Schulden aus ausländischen Anleihen. Im Dezember konnte das Unternehmen eine Zinszahlung von USD 82.5 Millionen nicht begleichen.
Ob der Immobilien-Riese Evergrande sich jemals aus der Schlinge ziehen kann, ist höchst ungewiss. Das Unternehmen ist abhängig von seinen Investoren, ob sie sich bereit erklären, gewisse Verluste zu tragen, nötigenfalls das Unternehmen mit einer grossen Menge an frischem Kapital auszustatten, notfalls vielleicht sogar gestützt durch den chinesischen Staat um einen potenziellen Kollaps des gesamten Immobiliensektors zu verhindern. Zusammen mit Evergrande könnten nämlich auch weitere Immobilien Unternehmen in Schieflage geraten, ausgelöst durch das schwindende Vertrauen der Investoren. Das Risiko eines Spillover Effekts auf das ganze Finanz- und Bankensystems und somit auf die ganze chinesische Wirtschaft gilt es zu vermeiden. Der Immobilien-Sektor generiert immerhin rund einen Viertel des chinesischen Bruttoinlandproduktes. Wäre die Regierung dazu bereit den ohnehin überhitzten Immobilien-Sektor zu stützen oder allenfalls die negativen Konsequenzen zu tragen?

Unabhängig des weiteren Ausgangs von Evergrande bleibt China aus verschiedenen Gründen vorerst eine gewisse Blackbox. Zum einen, ist es der Immobilien-Sektor, der wie die Aktualität aufzeigt, auch dieses Jahr gewisse Risiken für diese Region birgt. Zum anderen erfolgten während der letzten Monate immer wieder überraschend Eingriffe der chinesischen Regierung bei Unternehmen mit einer gewissen Grösse und Marktmacht wie zum Beispiel bei Alibaba. Jack Ma, der Gründer dieses Unternehmens, verschwand nach Kritik der chinesischen Regierung urplötzlich und tauchte erst Wochen danach wieder auf.
Mit einem solchen Vorgehen setzt die Regierung das Vertrauen der Investoren immer wieder aufs Neue auf den Prüfstein. Darunter leiden insgesamt die Aktienkurse chinesischer Unternehmen deutlich. Insbesondere auch jene, die an ausländischen Börsen wie zum Beispiel in den USA kotiert sind, aufgrund aufkommender Gerüchte einer möglichen Dekotierung an diesen Märkten gelisteter Unternehmen.

„Ever“ wie Ever Given

Für den zweiten „Ever“-Schock im letzten Jahr sorgte eines der weltweit grössten Frachtschiffe. Das mit fast 20’000 Containern beladene Schiff Ever Given blockierte im März 2021 für 6 Tage den Suezkanal und sorgte somit für einen Unterbruch der Lieferketten, insbesondere von Ost nach West. Für die europäische Wirtschaft und Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihre Liefer- und Produktionsprozesse bis zum äussersten optimierten, um so eine kostspielige Lagerhaltung zu umgehen, ein kurzfristig kleiner Schock und eine Herausforderung, die sonst schon durch die Pandemie angespannten Lieferengpässe zu managen. In Europa gingen manche Produkte aus, in China fehlten die leeren Container für eine Wiederbeladung. Nachfrageüberhang, höhere Frachtkosten ausgelöst durch fehlende Kapazitäten und höhere Energiepreise, ein guter Nährboden für ein inflationäres Umfeld.

Ende des Superzyklus?

Nicht nur das «Ever» haben diese beiden Ereignisse gemeinsam. Beide Events tauchten plötzlich und unerwartet auf. Es sind solche Events, die bei den Investoren die entscheidende Frage aufwerfen, ob dies nun das Ende des vor gut einem Jahrzehnt begonnen wirtschaftlichen Superzyklus einleiten könnte.
Die Folge, ein rasches Hochschnellen des Pulses und Nervosität bei Investoren aufgrund dieser Unsicherheiten. Dies ist normalerweise kein guter Nährboden für positive Aktienkurse. Hedge Funds wissen gezielt mit solchen Situationen umzugehen, verstärken mit ihren Wetten auf sinkende Märkte den Abgabedruck, weshalb wir in solchen Szenarien kurzfristig starke Ausschläge sowohl der Aktienkurse nach unten wie auch bei der Volatilität beobachten können. Zuletzt war das wirtschaftliche Umfeld und Finanzsystem stabil genug einen solchen kleineren Schock aufzufangen. In der Folge reagierten die Märkte rasch mit einer Gegenbewegung. Kurze Zeit danach erreichten gewisse Indizes immer wieder neue Höchstmarken.

Eine weitere gewichtige Rolle spielen die Zentralbanken, welche unter anderem mit ihren geldpolitischen Entscheiden und Massnahme zur Stabilisierung der Wirtschaft, diesen Superzyklus der letzten Jahre einleiteten und über die Jahre unterstützten. Die Herausforderung ist es nun, die über das letzte Jahrzehnt eingeschossene Liquidität langsam und ohne grosse Nebengeräusche aus den Märkten abzuziehen, um so einerseits eine mögliche Überhitzung des Systems, andererseits einen kapitalen Absturz der Märkte zu vermeiden. Die Lösungsansätze sind vorhanden, jedoch deren Umsetzung und Zeitplan ungewiss. Die amerikanische Zentralbank Fed hat erste Massnahmen in diese Richtung beschlossen und kommuniziert. Die Europäische Zentralbank EZB und weitere Zentralbanken werden hier noch zuwarten.
Diese Ausgangslage birgt natürlich einige Risiken, und könnte stets von neuem für Unsicherheiten sorgen und somit neue Nervosität bei Investoren auslösen.

Eine weitere Herausforderung in diesem Jahr werden die Lieferengpässe bleiben, welche für weiterhin, jedoch vorübergehend für inflationären Druck sorgen. Unternehmen mussten aufgrund fehlender Teile ihre Produktionen drosseln und Kunden mit der Auslieferung ihrer Produkte vertrösten. Automobilhersteller zum Beispiel leiden seit einigen Monaten bereits unter dem weiterhin vorherrschenden Chipmangel. Unternehmen beginnen deshalb ihre «just in time» Produktionsprozesse umzustellen und wie früher gewisse Produktkomponente in ihren Lagern aufzustocken. Damit wollen sie solche Einschränkungen in ihrem Businesszweig in Zukunft aus dem Weg schaffen. Dies sorgt jedoch zusätzlich für einen kurzfristig anhaltenden Nachfrage-Überhang und erhöht überdies den Druck auf die aktuell vorherrschenden Lieferengpässe.

„Mein“ Portfolio

Je nach Ausgangspositionierung in einem Portfolio eines Anlegers, können abhängig von Ereignissen, Newsflows etc. Massahmen und Änderungen in der Positionierung vorgenommen werden, stets der entsprechenden Situation angepasst. Gibt es Anzeichen einer kurzfristig aufkommenden Unsicherheit, ist eine Reduktion der Risiken, meist Verkauf von Aktien, nicht unbedingt der geeignetste Weg für einen langfristig gute Performance.
Solche und viele weitere Themen der Anlagethematik werde ich im Laufe der Zeit hier aufzeigen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es nicht nur das eine, richtige Portfolio gibt. Dieses ist stets an den Bedürfnissen des Anlegers und aktuellen Ereignisse auszurichten.

Sollte Evergrande in Kürze Klarheit über den weiteren Ausgang schaffen und ist man in seinem Portfolio noch nicht in China investiert, könnte das derzeitige Umfeld für ein langfristige Positionierung genutzt werden, mit einer selektiv ersten Tranche als Einstieg. Chinesische Leitindizes gehörten im Jahr 2021 zu jenen mit der schlechtesten Performance. Obgenannte Ereignisse und Faktoren haben dafür gesorgt, dass Investoren ihr Exposure in dieser Region in Vergangenheit eher reduzierten.
Jedoch weist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt mit eine BIP von rund USD 15 Billionen und mit aktuell rund 5%, weiterhin einer der grössten Wachstumsraten auf. Davon profitiert ein Grossteil der chinesischen Unternehmen und somit auch ihre Aktionäre. Es gilt jedoch die zu beachten, dass gewisse Produktionsaufträge zukünftig weg von China in andere Regionen verlagert werden. Faktoren sind einerseits die über die Jahre hinweg gestiegenen Produktionskosten aufgrund steigender Löhne und Energiepreise. Andererseits könnten global aufgestellte Unternehmen bestrebt sein, ihre Abhängigkeit von China etwas zu reduzieren.
Viele dieser potenziell negativen Szenarien sind bereits heute in Kursen chinesischer Titel enthalten. Dies vermindert einerseits die Risiken von grösseren Rückschlägen und lässt andererseits Raum für positive Überraschungen.

Der Januar gehört grundsätzlich zu einem der besten Börsenmonaten. Auch für 2022 stehen die Zeichen grundsätzlich auf positive Performance für den ersten Börsenmonat des Jahres. Es gilt jedoch neu aufkommende und entscheidende News wie jene von Evergrande für eine weitere Beurteilung kurzfristig abzuwarten.
Nicht voraussehbare Ereignisse, die im grösseren Stil auf Makroökonomischer Ebene für eine neue Ausgangslage sorgen könnten, gilt es jeweils zu analysieren und die mögliche Reaktion der Investoren abzuschätzen, um danach die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechenden Investmententscheide zu fällen.

Erinnerungen an August 2011

Der am 3. Juni 2013 publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex der US-Industrie für den Monat Juni verheisst nichts gutes für die US-Konjunktur. Der Wert lag mit 49.0 Punkten überraschend deutlich unter der wichtigen 50er-Marke. Von Experten wurde ein Wert von 50.6 erwartet nach 50.7 Punkten im Vormonat. So tief war der Wert letztmals im August 2009. Damals allerdings kam der Index vom Tiefststand her im Januar und mündete in den Folgemonaten im Aufschwung, der bis zum Ausbruch der Euro-Krise anhielt.

Die Situation heute erinnert nicht etwa an August 2009 sondern eher an den Zeitpunkt vom 1. August 2011. Der damals publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex zeigte ebenfalls einen enttäuschenden Wert von 50.9 Punkten nach 55.3 Punkten im Vormonat. Erwartet wurde der Index bei 55.0 Zählern. Obwohl der Wert noch über 50 lag erachteten die Investoren nach den Höchstständen bei gewissen Indizes die Gewinne einzufahren und ihre Positionen im grossen Stil aufzulösen. Daraus resultierte der markante Einbruch der weltweiten Indizes.
Auch heute befinden sich Indizes wenige Tage von ihren Rekordhochs (z.B. Dow Jones Industrial, Dax) oder von Höchstständen nach einer Periode mit starker Performance (z.B. SMI, Nikkei) entfernt. Gleichzeitig verweilte auch damals die Volatilität auf tiefen Niveaus bis genau zu diesem Tag hin, als sie mit den negativen Nachrichten stark nach oben schnellte.

Anders als heute, stand die USA im August 2011 am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Erst in letzter Sekunde wurde die Schuldendecke angehoben. Diesen Event haben wir in diesem Jahr nun bereits hinter uns, indem die US-Regierung im vergangenen März diese vorübergehend ausgesetzt hat und dafür Budgetkürzungen in Kauf nehmen musste. Somit könnten gerade diese Budgetkürzungen nun für den Einbruch bei der Industrie verantwortlich sein.
Ein weiterer Unterschied besteht im sog. Sentiment-Index, ein Stimmungsindikator bei den Investoren. Waren  diese 2011 im Zusammenhang mit der Euro-Krise und der US-Schuldenproblematik extrem pessimistisch (bearish), zeigt das Stimmungsbarometer heute einen sehr hohen (bullishen) Wert an. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank trägt hierzu sehr viel bei. Dieser Indikator wird normalerweise als Contrarian-Indikator eingesetzt. Somit wäre der aktuelle Stand als Verkaufs-Signal zu werten.

Es ist nun wichtig zu beobachten, wie die Marktteilnehmer auf den negativen ISM-Einkaufsmanagerindex reagieren werden. Die Geldschwemme der Zentralbank brachte bisher viel für die Aktienmärkte, jedoch wenig und nicht genug, um der US-Wirtschaft den notwendigen Schwung zu verleihen. Für weiter steigende Aktienkurse wäre ein solider Aufschwung definitiv kausal. Deshalb scheint sich das Börsensprichwort „sell in May and go away“ zumindest in den letzten Tagen zu bewahrheiten. „But remember to come back in September!“ Um festzustellen ob dem so sein wird, müssen die Märkte natürlich weiterhin genau verfolgt und bei Bedarf kurzfristig die notwendigen Massnahmen getroffen und umgesetzt werden.

Bernanke’s Worte entscheidend für die Wirtschaft?

Die Aktienmärkte warten heute Nachmittag gespannt auf die Rede des US-Notenbankchef Ben Bernanke und auf die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls des letzten Fed-Meetings von Ende April/Anfang Mai. Beides wird Auskunft über den weiteren Verlauf der dritten Geldmengenlockerung (Quantitative Easing 3) geben.

Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013
Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013

Die globale Weltwirtschaft befindet sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008/09 wieder auf dem Wachstumspfad, wie die nebenstehende Grafik aufzeigt (Level oberhalb der Nulllinie = Wachstum). Nach anfänglich starkem Aufschwung reduzierte sich bis heute das Wachstumstempo leicht aber stetig.

Die Einkaufsmanager-Indizes (PMI), die als Frühindikatoren für den Wirtschaftsverlauf gelten (vgl. dazu Wissenswertes – Purchase Mangers‘ Index (PMI)), bewegen sich in einem vergleichbaren Trend.
Die durch die US-Notenbank Fed zwischen 2010 bis 2012 bekannt gegebenen monetären Lockerungen (sog. Quantitative Easing 1-3) führten jeweils zu einem klar erkennbaren Anstieg des PMI (letzte drei Wellen). Die Intensität für ein optimistisches Bild nahm jedoch bei der letzten Lockerung im Vergleich zu den ersten beiden Ankündigungen ab. Die Ernüchterung bei den Unternehmen folgte jeweils bereits wenige Monate darauf, was sich in einem fallenden PMI widerspiegelt.
Gleichzeitig gelang es der Weltwirtschaft nie ihre Wachstumsraten deutlich zu erhöhen. Im Gegenteil, das Weltbruttoindlandsprodukt (BIP) folgt seit dem Jahr 2010 der fallenden Trendlinie des PMI. Werden die zahlreichen Anstrengungen der verschiedenen Notenbanken (u.a. Fed, EZB, BoJ) zur Ankurbelung der Wirtschaft bei der Beurteilung herangezogen, fällt das Resultat ernüchternd aus. Die Frage ist natürlich berechtigt, wo stünde heute das globale BIP, hätten die Notenbanken nicht zu den drastischen Massnahmen gegriffen.

Klar ist, dass mit den Ankündigungen der Notenbanker das Vertrauen an die Finanzmärkte zurück kam und mit ihm die steigenden Aktienkurse. Dazu beigetragen haben sicher auch die soliden Bilanzen und die besser als erwartet ausgewiesenen Gewinne der Unternehmen. Den grössten Effekt jedoch brachten die enormen, von den Zentralbanken auf den Markt geschütteten Geldmengen. Folglich werden die heute veröffentlichten Details zur Strategie des Fed kurzfristig viel mehr für die Aktienmärkte als für die globale Wirtschaft  richtungsweisend sein.
Folgen nicht bald klare Impulse droht die globale Wirtschaft in eine Situation der Lethargie zu verfallen und die Unternehmen werden sich weiterhin mit neuen Investitionen zurückhalten. Aufgrund der dadurch fehlenden Umsatzsteigerungen einerseits und den in den letzen Jahren ausgereizten Bemühungen zur Kostensenkung andererseits, werden die angestrebten Gewinnwachstumsziele nicht zu erreichen sein. Folglich wird früher oder später diese Entwicklung auf die Aktienmärkte durchschlagen.
Für die Zentralbanken bleibt weiterhin die Herausforderung, die Wirtschaft wieder aus dieser fragilen Umgebung zu führen. Die Mittel hierzu sind jedoch auch für den US-Notenbankchef Ben Bernanke praktisch ausgereizt.

Technik vs. Makro – wer dominiert?

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden fast täglich neue Höchst- und Rekordstände von Indizes gemeldet. Seit dem Zwölfjahres Tief im März 2009 ist der S&P 500 um 146% gestiegen und weilt derzeit um die 1’670 Punkte. Getragen wurde der Aufschwung von Unternehmensgewinnen, die besser als erwartet ausgefallen sind. Die stärksten Impulse erwirkten jedoch die drei von der US Notenbank Fed lancierten Bond Kaufprogramme (Quantitative Easing 1-3), letzteres hält derzeit noch. Auch andere Indizes von Industrieländern wie z.B. der Dax markieren neue Höchststände während die meisten Börsen der Entwicklungsländer nicht in demselben Masse am Aufschwung partizipiert haben.

Makroökonomische Indikatoren
Neben dem Fed sorgte auch in Europa und Japan die Notenbanken für hohe Liquidität an den Märkten. Die EZB senkte den Leitzins auf ein Rekordtief von 0.50%. Seither wurden weltweit auch in anderen Ländern, u.a. in Australien, Israel, Indien und Südkorea, zum Teil überraschend die Zinsen als Folge von anhaltenden negativen Konjunkturnachrichten weiter gesenkt. Auffällig, dass sowohl zurückliegende makroökonomische Indikatoren als auch Früh-Indikatoren unter den Erwartungen lagen und sich somit eingetrübt haben. Gemäss ersten Rechnungen ist Europa im ersten Quartal um 0.2% geschrumpft. Selbst die Wirtschaft in Deutschland, der bisher starke Motor innerhalb der EU, kann sich je länger die Krise dauert, nicht mehr dem leichten Abwärtstrend entziehen. Mit dem schwächeren Start in das Jahr 2013 trübten sich auch die Früh-Indikatoren, die sog. Einkaufsmanager-Indizes (PMI) zuletzt weiter ein. Wie sich die Stimmung bei den Unternehmen weiter entwickelt, wird in den kommenden Tagen interessant zu beobachten sein. Insgesamt werden leicht bessere Levels für den Monat Mai im Vergleich zum Vormonat erwartet.

Technische Indikatoren
Unbeachtet dessen treiben gegenwärtig kurz- und mittelfristige technische Indikatoren die Indizes weiter nach oben. Kurzfristig hat z.B. der Dax 11 Tage in Folge positiv geschlossen (Stand 21.05.13). Der Stoxx Europe 600 verzeichnete bereits im Februar den neunten Monatsgewinn in Folge und damit die längste Gewinnserie seit dem Jahr 1997. Seither kamen zwei neue positive Monate hinzu. Dass ein solcher Trend lange anhalten kann zeigte der Einzeltitel Apple (vgl. langfristiger Chart von Apple). Seit Herbst 2008 wurde der Titel fast unaufhaltsam in die Höhe getrieben, bis dieser im Herbst 2012 die Marke von über USD 700 erreichte.

Entsteht einmal ein solcher Trend bzw. technisches Momentum, braucht es einiges an Widerstand um dieses auch wieder zu durchbrechen. Der Zeitpunkt ist oft nicht genau vorhersehbar, ausser es bietet sich ein unerwarteter Auslöser an. Wie das Beispiel von Apple zeigt, erfolgt dann eine solche Gegenbewegung rasch. Der Titel verlor ohne nennenswerte Ereignisse in einem kurzen Zeitabschnitt von sieben Monaten 50% seines Wertes. Die Bodenbildung scheint nun in diesen Wochen zu erfolgen.

Fazit
Generell unterstützt ein tiefes Zinsniveau die Investitionen in Aktien, da sonst weniger Risiko behaftete Anlagen wie Obligationen mit ihren Renditen weniger attraktiv erscheinen. Zumal sich  die Zinsen bereits über längere Zeit auf Rekordtiefs befinden und somit Obligationen im Investmentgrade-Bereich z.T. sogar negative Realrenditen aufweisen, sehen momentan viele Investoren Aktien trotz vielen unsicheren Faktoren (Schuldenkrise, globaler Konjunkturverlauf 2013, Rekordarbeitslosigkeit,  Ausblick der Unternehmer etc.) als einzige Anlageklasse.
Gerade die tiefen Zinsen weisen auf die schlechte Situation der Konjunktur hin. Die europäische Zentralbank hat beim Zinsniveau noch etwas Luft und senkte im Mai den Leitzins um ein Viertel-Prozent auf 0.5%. Dies in der Hoffnung die konjunkturelle Situation in Europa würde sich damit verbessern, nachdem die rekordtiefen Zinsen über die längere Zeitspanne bisher nicht den Aufschwung brachten.  In den USA und Europa zeigen die vergangenen Monate seit Ausbruch der Krise auf, dass im vorherrschenden Umfeld  der positive Effekt niedriger Zinsen auf die Konjunkturentwicklung marginal ist. Die Liquidität gelangt nicht bzw. zu wenig wie gewünscht und üblich in den Wirtschaftskreislauf in Form von Krediten an Unternehmen. Die Banken scheinen weiterhin risikoavers bei der Kreditvergabe und die Unternehmen selbst können sich direkt am Markt sehr günstig mit frischem Kapital eindecken.

Das technische Momentum kann nicht anhaltend sein und wird demnächst, zumindest vorübergehend, nachlassen. Indikatoren weisen auf einen überkauften Markt hin. Sollte der Trend brechen, müssen die Marktteilnehmer sich auf neue Argumente stützen, die ihre hohen Anteile an Aktien in ihren Portfolios rechtfertigen. Vielleicht wird ihnen dann wieder bewusst, wie es um die derzeitige Realwirtschaft steht und sie stossen zumindest einen Teil ihrer Aktienpositionen wieder ab.

„Don’t catch a falling knife“?

Nach mehrmaligem Testen brach Gold durch das technische Supportlevel zwischen 1500/25 und löste dadurch eine starke Welle von Verkaufaufträgen, sog. Stop Loss Orders aus. Innert kürzester Zeit wollten damit viele Investoren ihre Positionen reduzieren, was zu einem bisherigen Absinken des Goldpreises auf das Level von USD 1356 führte und damit nahe in die Zone des nächst grösseren technischen Supportlevels  zwischen 1300/50.

Hat sich in den letzten Tagen fundamental wirklich derart vieles geändert, dass eine derart starke Reduktion gerechtfertigt ist? Einzig Stimmen aus dem letzten Fed Meeting liessen uns wissen, dass die Geldschwemme auch einmal ein Ende haben könnte, was kurzfristig Aktien aber auch Gold belasten würde. Die letzten Konjunkturdaten aus den USA und auch global zeichnen eher ein sich eintrübendes Bild, was die Anstrengungen des Fed und somit den Goldpreis eher stützen sollte. Zudem sind Realwerte wie Gold bei einem sich in später Zukunft abzeichnende Inflationsszenario ebenso gefragt.

Ein bekanntes Börsen-Sprichwort lautet, dass ein fallendes Messer nicht aufgefangen werden soll. Gilt dies nach dem Kursrutsch nun auch für Gold?
Nach dem unerwarteten starken Börsenstart in den ersten drei Monaten ist generell eine höhere Nervosität an den Märkten spürbar, was die höheren Ausschläge der Kurse während den letzten Tagen verdeutlichen. Gold bleibt ein Rohstoff mit knappen Angebot und weiterhin einer Nachfrage aus Konsum und ebenso bedeutender Nachfrage von Zentralbanken, was schlussendlich den Preis stützen sollte.
Nach der technischen Korrektur ist nun auch in den nächsten Stunden/Tagen mit einer technischen Gegenbewegung zu rechnen. In Portfolios mit einer kleinen Goldposition kann mit einem Zukauf evtl. der Einstandspreis reduziert werden, um von dieser Gegenbewegung profitieren zu können. Wobei nach einer ersten Verkaufswelle normalerweise mit einer zweiten  gerechnet werden muss. Wie gross diese Bewegungen ausfallen wird sich zeigen. Ein aktives Trading inkl. Stop Loss ist demnach vorausgesetzt.

Wann erfolgt die Korrektur?

Die Aktienrally hält seit Jahresbeginn fast unvermindert an. Es sind dies vor allem die Börsen der Industrieländer wie den USA, Japan und Grossbritannien, Australien, Neuseeland und die Schweiz, die bis zu zweistellige Performance-Zuwächse im bald ablaufenden ersten Quartal 2013 aufweisen. Die Schwellenländer hingegen machten bisher diese Bewegung nicht mit, im Gegenteil, sie zeigen z.T. zweistellige Verluste wie z.B. Brasilien oder Russland. Selbst der Hang Seng in China schafft es bisher nicht in den grünen Bereich, gilt China weiterhin als Wachstumsmotor für die globale Konjunktur. Die Unsicherheiten überwiegen.

Jene Investoren, die das Risiko in Kauf genommen haben und Ende letzten oder zu Beginn diesen Jahres eingestiegen sind, liessen sich vom günstigen Geld und von der Überlegung leiten, dass aufgrund von fehlenden Renditen die Aktien die einzige Anlagekategorie sei. In der Folge wurden die Anteile an Aktien in den Portfolios erhöht. Ein trügerisches Fazit, werden dadurch in unsicheren Zeiten, welche die tiefen Zinsen, die fallenden Rohstoffpreise und die erneut aufflammenden Krisen widerspiegeln, die Risiken in einem Portfolio erhöht.

Im Zeitraum von Januar bis Februar waren tatsächlich vermehrt Inflows in die Aktienmärkte zu verzeichnen. Die Volumen blieben aber im Vergleich weiterhin gering, heisst viele grosse Investoren blieben weiterhin an der Seitenlinie. Damit verpassten nicht nur sie das für alle überraschend starke bisherige Aktienrally. Nach der Endjahres-Rally im kürzlich abgelaufenen Jahr haben sich viele Investoren zurückgehalten, in der Überzeugung, dass aufgrund der weiterhin anstehenden Unsicherheiten, eine Korrektur folgen sollte. Doch diese Korrektur blieb für die Mehrheit überraschend, bisher aus.

Im Laufe diesen Monats sind vermehrt Stimmen im Markt zu vernehmen, dass eine solche Korrektur gänzlich ausbleiben wird. Aus Angst weitere Performance zu verpassen gibt es nun Investoren, die in letzter Minute noch auf den Zug aufspringen. Grund dürfte auch das anstehende Quartals-Reporting sein, in dem keine tiefe Aktienquote ausgewiesen werden soll. „Man war bei der Rally dabei.“ Die Performance wird jedoch diese Entwicklung nicht derart mitgemacht haben.

Ein solches Verhalten, dem Markt nachzurennen, birgt sehr hohe Risiken und die Wahrscheinlichkeit, dass gerade kurz vor einer Korrektur der Einstieg erfolgt. Deshalb ist dies absolut zu vermeiden. Lag man aufgrund überzeugender Argumente falsch und hat demnach sein Aktien Exposure nicht erhöht, was in diesem Fall der bessere Entscheid gewesen wäre, so ist der geeignete Zeitpunkt abzuwarten. Dann ist die Massnahmen nachzuholen, sofern dies der Ausblick dann noch rechtfertigt.

Nach den Wahlen in Italien konnte auch die Zypern-Krise diese Korrektur (noch) nicht auslösen. Mit jedem solchen Ereignis steigt jedoch die Unsicherheit bei Unternehmen und Konsumenten, die sich weiterhin mit Investitionen zurück halten. Erste Anzeichen, dass dem tatsächlich so ist, gibt es bereits. Eine schwaches Wirtschaftsumfeld, wie es derzeit vorherrscht, ist dann auf solche Szenarien sehr anfällig und ein deutlicher Rückschlag droht. Verstärken sich die Signale in den nächsten Tagen und Wochen, muss definitiv mit einer Korrektur an den Aktienmärkten gerechnet werden. Deshalb ist zu empfehlen, sich eher auf eine Korrektur als auf den Aufbau von weiteren Risikopositionen vorzubereiten.

Gratwanderung geht weiter

Die zuletzt publizierten Konjunktur-Daten zeigen auf, dass sich die Wirtschaft derzeit nicht derart stark entwickelt, wie dies von vielen Analysten und Investoren prognostiziert bzw. erhofft wurde. Die Wirtschaft in den USA ist im letzten Quartal des Jahres 2012 sogar leicht geschrumpft. Anstelle eines gemäss Konsens geschätzten Wachstums von 1.1% wurde ein Rückgang des BIP um 0.1% ausgewiesen.

Schrumpfende Wirtschaft – unerwartet?
Zwei Effekte haben massgeblich dazu beigetragen. Einerseits legte der Wirbelsturm Sandy die Region um New York für mehrere Tage still. Andererseits hat die Unsicherheit um das Thema „Fiscal Cliff“ tiefe Spuren im Vertrauen der Unternehmer und Konsumenten hinterlassen, weshalb Aufträge und Einkäufe während der Jahresendphase bis auf weiteres aufgeschoben wurden und somit für weniger Wirtschaftsleistung sorgten.
Auch die englische Konjunktur ist im selben Quartal stärker als erwartet um 0.3% geschrumpft (erwartet -0.1%). Anzeichen, die in  dieselbe Richtung hindeuten, gibt es aus den peripheren Euro-Ländern wie Spanien und Italien, evtl. auch Frankreich.

Positive Stimmung bei Unternehmen
Bestimmt gab es insbesondere im Laufe der letzten Woche einige erfreuliche Indikatoren, die eigentlich positiv stimmen sollten. So zeigen Frühindikatoren von der Unternehmensseite positive Signale. In Deutschland ist der ZEW Economic Sentiment Index sprunghaft auf 31.5 Punkte angestiegen (zuvor 6.9, erwartet 12.2). Dies zeigt die Umfrage bei 275 institutionellen Investoren und Analysten, deren Stimmung sowie Ausblick für die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der nächsten 6 Monate. Ebenso der Deutsche Ifo Business Climate Index war überraschend stark mit 104.2 (erwartet 103.1). Dabei werden 7’000 Unternehmer innerhalb Deutschland über die derzeitigen Business Konditionen befragt. Ein Wert über 100 deutet auf ein Wachstumsszenario hin. Auch China vermeldete in derselben Woche positive Konjunkturdaten in Form des PMI von 51.9, zuletzt 51.5. Ebenso in den USA war der Indikator mit 56.1 (54.0) höher als erwartet, 53.2, publiziert worden. Ein ähnliches Bild ergab sich beim heute publizierten PMI für die Region Chicago mit 55.6 (erwartet 51.1).

Massnahmen der Zentralbanken – je länger je mehr wirkungslos
In Europa war es für Italien und Spanien möglich sich an den Märkten, für so günstige Konditionen wie schon seit längerem nicht mehr, neues Geld zu beschaffen. Hier macht sich die derzeitige, zumindest vorübergehende Entspannung und das Einwirken der EZB mit Bondkäufen bemerkbar.
Generell ziehen die Zentralbanken sämtliche Register, um der Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Gestern verkündete das Fed beim regulären Meeting, dass die im Dezember beschlossenen geldpolitischen Massnahmen fortgesetzt werden: Aufkauf von Anleihen in der Höhen von USD 85 Mrd. pro Monat und Beibehaltung des tiefen Zinsniveaus von 0.0% – 0.25% auf längere Zeit, bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6.5% (derzeit bei 7.8%) fällt.
Auch die Zentralbank von Japan, Bank of Japan (BoJ), lässt mit geldpolitischen Massnahmen nichts unversucht, einerseits Liquidität in den Markt zu pumpen, andererseits mit gezielter Schwächung des Yens, der japanischen Wirtschaft endlich wieder Wachstum zu verleihen.
Mit ihren Massnahmen haben die Zentralbanken zumindest in einer ersten Phase die Märkte beruhigen können. Das eigentliche Ziel wurde jedoch bisweilen nicht erreicht. Das Geld sollte nämlich in Form von Krediten und Investitionen via Unternehmen in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Zumindest sorgten die einzelnen Ankündigungen für steigende Kurse bei riskanteren Anlagen wie Aktien. Zuletzt war der Einfluss jedoch sehr klein bzw. die Wirkung verpufft unterdessen. (vgl. hierzu demnächst folgender Beitrag)

Arbeitsmarkt bleibt anfällig
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes zeigt auf, dass insbesondere in den USA, wo derzeit derart viel Geld gedruckt wird, die Massnahmen nicht wie gewünscht greifen. Die Erstanträge bei den Arbeitslosen gingen zwar in den ersten Wochen des Monats Januar stark zurück bevor die Zahl in der letzten Woche nun wieder auf das übliche Niveau angestiegen ist. Der Effekt zu Beginn des Jahres war stark saisonal beeinflusst.
In Europa zeigt sich ein anhaltend negativer Trend. In Spanien ist die Arbeitslosenquote auf einen neuen Rekord von 26% gestiegen. Eine Trendwende in den anderen Euro-Ländern ist nicht erkennbar.

Der Konsument – die wichtigste Säule fehlt
Für eine mittelfristig bis langfristig stabile Erholung fehlt weiterhin die Unterstützung von Seiten der Konsumenten. Aus sämtlichen Ländern wird eine starke Zurückhaltung und eine sich weitere eintrübende Konsumentenstimmung gemeldet. In den USA sank der Barometer für das Konsumentenvertrauen auf 58.6 (erwartet 64.8, zuletzt 66.7) einen derart tiefen Wert wie zuletzt im November 2011. Gerade im wichtigen Weihnachtsgeschäft hielten sich die Endverbraucher stark zurück wie der nur leichte Anstieg der persönlichen Ausgaben um 0.2% zeigt.
Auch in Europa ist und bleibt mit der Zunahme der Arbeitslosenzahlen die Stimmung der Konsumenten eingetrübt wie auch hier die publizierten Indikatoren aufzeigen. In den meisten Ländern bringt der Konsum einen Anteil von einem Drittel oder mehr an der gesamten Wirtschaftsleistung. Bleibt der Konsument weiterhin an der Seitenlinie, fehlt eine wichtige Säule in der Förderung des Wirtschaftswachstums. Die ungelösten Fragen bei der Schuldenproblematik und die hohen Arbeitslosenzahlen bleiben auch in diesem Bereich die entscheidenden Faktoren für die zukünftige Entwicklung. Und solange die Notenbanken die Zinsen tief halten, ist es für den Konsumenten schwierig an eine bessere Zukunft zu glauben.

Fazit
Gelingt es nicht die positive Stimmung der Unternehmen zu halten und auf die Konsumenten zu übertragen und diese gleichzeitig zum Konsumieren anzuregen, wird das Szenario einer mittel- bis längerfristigen Erholung der globalen Wirtschaft unwahrscheinlicher.
Die Aktienmärkte reagierten überraschend stark auf einzelne kurzfristig positive Anzeichen. So erreichten gewisse Indizes neue Höchststände innerhalb der letzten fünf Jahre. Gleichzeitig haben sich auch die Zinsen von ihren Tiefstständen etwas entfernt.
Die Preise enthalten derzeit viel Optimismus. Nun gibt es erste Anzeichen, das in der Realität die Entwicklung der Wirtschaft weitaus weniger stark vorankommt als dies von Analysten prognostiziert wurde. In vergangen Beiträgen hier auf ETFMandate wurde darauf hingewiesen, dass die Entwicklung der Wirtschaft und die Auswirkungen u.a. der Fiskalklippe von Analysten und Investoren wohl zu optimistisch eingeschätzt wurde. Wird dieser Eindruck in den nächsten Tagen und Wochen bestätigt, sind rasche Rückschläge möglich. Somit bleibt die Empfehlung bestehen sich mit Stop Limiten auf negative Kursschwankungen abzusichern und bei starken positiven Bewegungen einzelne Aktien-Positionen vorübergehend zu reduzieren.

Weshalb Banken und ihre Analysten derart Aktien pushen und sie die Privatanleger seit ende letzten Jahres zu überzeugen versuchen weiter in Aktien zu investieren, könnte auch andere Gründe als nur der positive Ausblick haben. Dazu wird demnächst in einem weiteren Kommentar eingegangen.

SMI technisch überschossen

Der Schweizer Aktien-Index SMI hat sich seit Jahresbeginn von sämtlichen anderen Aktienindizes abgekoppelt. Die Performance liegt nach heutigem Börsenschluss bei fast 9% YTD (year to date). Die Gründe sind vielseitig:

  • Defensiver Index:
    Im Vergleich zu anderen Indizes hat der SMI mit seinen Schwergewichten Nestlé, Roche, Novartis etc. defensiven Charakter. Entscheiden sich Investoren derzeit für ein Aktieninvestment, fällt die Wahl auf eher solche Titel, um bei allfällig ansteigender Volatilität die Verluste zu minimieren;
  • Hoher Anteil an Finanztiteln:
    Nebst den oben genannten Schwergewichten enthält der SMI ein grosses Gewicht an Banken und Versicherungen. Dieser Sektor hat nach dem Entscheid über die Verlängerung zur Aufstockung der Kapitalreserven (s. Bericht vom 16.01.) zuletzt stärker zugelegt;
  • Globale Unternehmen:
    Fast alle im Index enthaltenen Unternehmen agieren global und sind somit in unsicheren Zeiten, in verschiedenen Wirtschaftsregionen agierend, breit abgestützt;
  • Dividenden:
    Der Index bietet einige Titel mit weiterhin attraktiven Dividendenrenditen, weshalb diese Titel derzeit mehr nachgefragt werden;
  • Steuerbefreite Dividendenausschüttungen:
    Schweizer Unternehmen bietet sich die Möglichkeit der Herabsetzung von Kapitalreserven mit der Ausschüttung in Form einer steuerbefreiten Dividende. In der Hoffnung, die Unternehmen wählen diese Form der Kapitalausschüttung, greifen die Investoren vermehrt nach solchen Titeln;
  • CHF:
    Der Schweizer Franken ist und bleibt als Währung der sichere Hafen. Sollte es zu neuen Turbulenzen führen, sei es durch die schlechte Entwicklung der Wirtschaft oder sollte in den USA keine Einigung bzgl. des Schuldenproblems erzielt werden, können auswärtige Investoren mit einer erneuten Erstarkung des CHFs rechnen;
  • Fehlende Alternativen:
    In den fast sämtlichen Industrieländer kommt die Wirtschaft nicht in den gewünschten (Auf)schwung. Bleiben noch wenige Länder, die davon nicht oder weniger betroffen sind (z.B. Schweiz, Neuseeland, Australien)

Die technische Analyse zeigt, dass der SMI mit dem heutigen Tag definitiv überschossen hat. Wir befinden uns mit einem RSI (Relative Strengh Index) von knapp 87 in einem sehr deutlich überkauften und fast nie erreichtenLevel. Die überkaufte Zone beginnt bei  einem Wert ab 70. Eine technische Korrektur noch diese Woche oder spätestens zu Beginn der nächsten Woche ist nun unausweichlich.

Trading Idee:
Mit einem kurzfristigen Trade kann dieses klare Verkaufssignal genutzt werden. Dazu dient ein geeigneter Put Knock-out Warrant. Allerdings wird dies nur erfahrenen Anlegern empfohlen, da die Volatilität und somit das Verlustrisiko grösser sind.

Eine andere Möglichkeit bietet sich mit einem short ETF auf den SMI. Der verfügbare Titel ist doppelt geshortet (2x short): Lyxor ETF daily 2x short on SMI (LYSSL)
Wird nur die Hälfte des im Voraus festgelegten Exposures investiert, verhält sich das Investment wieder wie ein einfacher Short.