Gratwanderung geht weiter

Die zuletzt publizierten Konjunktur-Daten zeigen auf, dass sich die Wirtschaft derzeit nicht derart stark entwickelt, wie dies von vielen Analysten und Investoren prognostiziert bzw. erhofft wurde. Die Wirtschaft in den USA ist im letzten Quartal des Jahres 2012 sogar leicht geschrumpft. Anstelle eines gemäss Konsens geschätzten Wachstums von 1.1% wurde ein Rückgang des BIP um 0.1% ausgewiesen.

Schrumpfende Wirtschaft – unerwartet?
Zwei Effekte haben massgeblich dazu beigetragen. Einerseits legte der Wirbelsturm Sandy die Region um New York für mehrere Tage still. Andererseits hat die Unsicherheit um das Thema „Fiscal Cliff“ tiefe Spuren im Vertrauen der Unternehmer und Konsumenten hinterlassen, weshalb Aufträge und Einkäufe während der Jahresendphase bis auf weiteres aufgeschoben wurden und somit für weniger Wirtschaftsleistung sorgten.
Auch die englische Konjunktur ist im selben Quartal stärker als erwartet um 0.3% geschrumpft (erwartet -0.1%). Anzeichen, die in  dieselbe Richtung hindeuten, gibt es aus den peripheren Euro-Ländern wie Spanien und Italien, evtl. auch Frankreich.

Positive Stimmung bei Unternehmen
Bestimmt gab es insbesondere im Laufe der letzten Woche einige erfreuliche Indikatoren, die eigentlich positiv stimmen sollten. So zeigen Frühindikatoren von der Unternehmensseite positive Signale. In Deutschland ist der ZEW Economic Sentiment Index sprunghaft auf 31.5 Punkte angestiegen (zuvor 6.9, erwartet 12.2). Dies zeigt die Umfrage bei 275 institutionellen Investoren und Analysten, deren Stimmung sowie Ausblick für die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der nächsten 6 Monate. Ebenso der Deutsche Ifo Business Climate Index war überraschend stark mit 104.2 (erwartet 103.1). Dabei werden 7’000 Unternehmer innerhalb Deutschland über die derzeitigen Business Konditionen befragt. Ein Wert über 100 deutet auf ein Wachstumsszenario hin. Auch China vermeldete in derselben Woche positive Konjunkturdaten in Form des PMI von 51.9, zuletzt 51.5. Ebenso in den USA war der Indikator mit 56.1 (54.0) höher als erwartet, 53.2, publiziert worden. Ein ähnliches Bild ergab sich beim heute publizierten PMI für die Region Chicago mit 55.6 (erwartet 51.1).

Massnahmen der Zentralbanken – je länger je mehr wirkungslos
In Europa war es für Italien und Spanien möglich sich an den Märkten, für so günstige Konditionen wie schon seit längerem nicht mehr, neues Geld zu beschaffen. Hier macht sich die derzeitige, zumindest vorübergehende Entspannung und das Einwirken der EZB mit Bondkäufen bemerkbar.
Generell ziehen die Zentralbanken sämtliche Register, um der Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Gestern verkündete das Fed beim regulären Meeting, dass die im Dezember beschlossenen geldpolitischen Massnahmen fortgesetzt werden: Aufkauf von Anleihen in der Höhen von USD 85 Mrd. pro Monat und Beibehaltung des tiefen Zinsniveaus von 0.0% – 0.25% auf längere Zeit, bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6.5% (derzeit bei 7.8%) fällt.
Auch die Zentralbank von Japan, Bank of Japan (BoJ), lässt mit geldpolitischen Massnahmen nichts unversucht, einerseits Liquidität in den Markt zu pumpen, andererseits mit gezielter Schwächung des Yens, der japanischen Wirtschaft endlich wieder Wachstum zu verleihen.
Mit ihren Massnahmen haben die Zentralbanken zumindest in einer ersten Phase die Märkte beruhigen können. Das eigentliche Ziel wurde jedoch bisweilen nicht erreicht. Das Geld sollte nämlich in Form von Krediten und Investitionen via Unternehmen in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Zumindest sorgten die einzelnen Ankündigungen für steigende Kurse bei riskanteren Anlagen wie Aktien. Zuletzt war der Einfluss jedoch sehr klein bzw. die Wirkung verpufft unterdessen. (vgl. hierzu demnächst folgender Beitrag)

Arbeitsmarkt bleibt anfällig
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes zeigt auf, dass insbesondere in den USA, wo derzeit derart viel Geld gedruckt wird, die Massnahmen nicht wie gewünscht greifen. Die Erstanträge bei den Arbeitslosen gingen zwar in den ersten Wochen des Monats Januar stark zurück bevor die Zahl in der letzten Woche nun wieder auf das übliche Niveau angestiegen ist. Der Effekt zu Beginn des Jahres war stark saisonal beeinflusst.
In Europa zeigt sich ein anhaltend negativer Trend. In Spanien ist die Arbeitslosenquote auf einen neuen Rekord von 26% gestiegen. Eine Trendwende in den anderen Euro-Ländern ist nicht erkennbar.

Der Konsument – die wichtigste Säule fehlt
Für eine mittelfristig bis langfristig stabile Erholung fehlt weiterhin die Unterstützung von Seiten der Konsumenten. Aus sämtlichen Ländern wird eine starke Zurückhaltung und eine sich weitere eintrübende Konsumentenstimmung gemeldet. In den USA sank der Barometer für das Konsumentenvertrauen auf 58.6 (erwartet 64.8, zuletzt 66.7) einen derart tiefen Wert wie zuletzt im November 2011. Gerade im wichtigen Weihnachtsgeschäft hielten sich die Endverbraucher stark zurück wie der nur leichte Anstieg der persönlichen Ausgaben um 0.2% zeigt.
Auch in Europa ist und bleibt mit der Zunahme der Arbeitslosenzahlen die Stimmung der Konsumenten eingetrübt wie auch hier die publizierten Indikatoren aufzeigen. In den meisten Ländern bringt der Konsum einen Anteil von einem Drittel oder mehr an der gesamten Wirtschaftsleistung. Bleibt der Konsument weiterhin an der Seitenlinie, fehlt eine wichtige Säule in der Förderung des Wirtschaftswachstums. Die ungelösten Fragen bei der Schuldenproblematik und die hohen Arbeitslosenzahlen bleiben auch in diesem Bereich die entscheidenden Faktoren für die zukünftige Entwicklung. Und solange die Notenbanken die Zinsen tief halten, ist es für den Konsumenten schwierig an eine bessere Zukunft zu glauben.

Fazit
Gelingt es nicht die positive Stimmung der Unternehmen zu halten und auf die Konsumenten zu übertragen und diese gleichzeitig zum Konsumieren anzuregen, wird das Szenario einer mittel- bis längerfristigen Erholung der globalen Wirtschaft unwahrscheinlicher.
Die Aktienmärkte reagierten überraschend stark auf einzelne kurzfristig positive Anzeichen. So erreichten gewisse Indizes neue Höchststände innerhalb der letzten fünf Jahre. Gleichzeitig haben sich auch die Zinsen von ihren Tiefstständen etwas entfernt.
Die Preise enthalten derzeit viel Optimismus. Nun gibt es erste Anzeichen, das in der Realität die Entwicklung der Wirtschaft weitaus weniger stark vorankommt als dies von Analysten prognostiziert wurde. In vergangen Beiträgen hier auf ETFMandate wurde darauf hingewiesen, dass die Entwicklung der Wirtschaft und die Auswirkungen u.a. der Fiskalklippe von Analysten und Investoren wohl zu optimistisch eingeschätzt wurde. Wird dieser Eindruck in den nächsten Tagen und Wochen bestätigt, sind rasche Rückschläge möglich. Somit bleibt die Empfehlung bestehen sich mit Stop Limiten auf negative Kursschwankungen abzusichern und bei starken positiven Bewegungen einzelne Aktien-Positionen vorübergehend zu reduzieren.

Weshalb Banken und ihre Analysten derart Aktien pushen und sie die Privatanleger seit ende letzten Jahres zu überzeugen versuchen weiter in Aktien zu investieren, könnte auch andere Gründe als nur der positive Ausblick haben. Dazu wird demnächst in einem weiteren Kommentar eingegangen.

SMI technisch überschossen

Der Schweizer Aktien-Index SMI hat sich seit Jahresbeginn von sämtlichen anderen Aktienindizes abgekoppelt. Die Performance liegt nach heutigem Börsenschluss bei fast 9% YTD (year to date). Die Gründe sind vielseitig:

  • Defensiver Index:
    Im Vergleich zu anderen Indizes hat der SMI mit seinen Schwergewichten Nestlé, Roche, Novartis etc. defensiven Charakter. Entscheiden sich Investoren derzeit für ein Aktieninvestment, fällt die Wahl auf eher solche Titel, um bei allfällig ansteigender Volatilität die Verluste zu minimieren;
  • Hoher Anteil an Finanztiteln:
    Nebst den oben genannten Schwergewichten enthält der SMI ein grosses Gewicht an Banken und Versicherungen. Dieser Sektor hat nach dem Entscheid über die Verlängerung zur Aufstockung der Kapitalreserven (s. Bericht vom 16.01.) zuletzt stärker zugelegt;
  • Globale Unternehmen:
    Fast alle im Index enthaltenen Unternehmen agieren global und sind somit in unsicheren Zeiten, in verschiedenen Wirtschaftsregionen agierend, breit abgestützt;
  • Dividenden:
    Der Index bietet einige Titel mit weiterhin attraktiven Dividendenrenditen, weshalb diese Titel derzeit mehr nachgefragt werden;
  • Steuerbefreite Dividendenausschüttungen:
    Schweizer Unternehmen bietet sich die Möglichkeit der Herabsetzung von Kapitalreserven mit der Ausschüttung in Form einer steuerbefreiten Dividende. In der Hoffnung, die Unternehmen wählen diese Form der Kapitalausschüttung, greifen die Investoren vermehrt nach solchen Titeln;
  • CHF:
    Der Schweizer Franken ist und bleibt als Währung der sichere Hafen. Sollte es zu neuen Turbulenzen führen, sei es durch die schlechte Entwicklung der Wirtschaft oder sollte in den USA keine Einigung bzgl. des Schuldenproblems erzielt werden, können auswärtige Investoren mit einer erneuten Erstarkung des CHFs rechnen;
  • Fehlende Alternativen:
    In den fast sämtlichen Industrieländer kommt die Wirtschaft nicht in den gewünschten (Auf)schwung. Bleiben noch wenige Länder, die davon nicht oder weniger betroffen sind (z.B. Schweiz, Neuseeland, Australien)

Die technische Analyse zeigt, dass der SMI mit dem heutigen Tag definitiv überschossen hat. Wir befinden uns mit einem RSI (Relative Strengh Index) von knapp 87 in einem sehr deutlich überkauften und fast nie erreichtenLevel. Die überkaufte Zone beginnt bei  einem Wert ab 70. Eine technische Korrektur noch diese Woche oder spätestens zu Beginn der nächsten Woche ist nun unausweichlich.

Trading Idee:
Mit einem kurzfristigen Trade kann dieses klare Verkaufssignal genutzt werden. Dazu dient ein geeigneter Put Knock-out Warrant. Allerdings wird dies nur erfahrenen Anlegern empfohlen, da die Volatilität und somit das Verlustrisiko grösser sind.

Eine andere Möglichkeit bietet sich mit einem short ETF auf den SMI. Der verfügbare Titel ist doppelt geshortet (2x short): Lyxor ETF daily 2x short on SMI (LYSSL)
Wird nur die Hälfte des im Voraus festgelegten Exposures investiert, verhält sich das Investment wieder wie ein einfacher Short.

Volatilität auf dem Tiefpunkt

Der Chart des CBOE Volatility Index on S&P 500 zeigt die Entwicklung der Volatilität an den Finanzmärkten für die Periode der letzten zwei Jahr. Diese befindet sich derzeit auf einem Tiefpunkt. Klar zu erkennen ist zudem der kurzfristig merkliche Anstieg im Dezember 2012 aufgrund der damals anhaltenden Fiscal Cliff Diskussionen.
Die Volatilität ist ein Mass für die Unsicherheit an den Finanzmärkten. Nimmt diese zu, bringt dies eine steigende Volatilität und somit stärkere Schwankungen mit meist fallenden Aktienmärkten mit sich. Wie bereits in einem vorangehenden Bericht erwähnt, kann ein Tiefststand, wie dies derzeit der Fall ist, als mögliches Anzeichen einer bevorstehenden Korrektur gewertet werden.

Ereignisreicher Auftakt ins neue Jahr

Noch selten zuvor wurde beim Jahreswechsel die Entwicklung an den Finanzmärkten derart mit Spannung und gleichzeitiger Ungewissheit verfolgt. Dies war in der kurzfristig stark angestiegenen Volatilität von unter 16 hoch auf 22 klar ersichtlich. (vgl. zum Thema Volatilität demnächst folgender separater Beitrag).

Fiscal Cliff – Der Entscheid in letzter Sekunde

Grund für die Schwankungen und eher rückläufigen Indizes über die Feiertage, ausser am letzten Handelstag des Jahres, war die bis zur letzten Sekunde ungelöste Situation der „Fiscal Cliff“. Erst nach Mitternacht des 31. Dezembers präsentierte der Senat einen Kompromiss, dem das Repräsentantenhaus als zweite Kongresskammer dann in der Nacht auf Mittwoch den 2. Januar auch folgte. Die Frist am Jahresende war eigentlich abgelaufen. Dies spielte jedoch keine Rolle, öffneten die Finanzmärkte erstmals im neuen Jahr am Morgen des 2. Januars.
 Mit dem Kompromiss wurden die USA vor dem doppelten Schock breiter Steuererhöhungen und drastischen Budgetkürzungen bei den Staatsausgaben bewahrt, vorerst.

Die erzielte Minimallösung beschränkt sich auf Mehreinnahmen durch gewisse Steueranpassungen einerseits, und andererseits auf der Ausgabenseite auf die Beibehaltung einer verlängerten Bezugsdauer für Arbeitslosenhilfe und die Weiterführung zahlreicher Steuervergünstigungen. Nur für Personen mit einem Einkommen über USD 400’000 steigt der Grundsteuersatz (von 35% auf 39.6%). Die meisten Amerikaner bleiben von höheren Einkommenssteuern verschont, wurden die restlichen Steuersätze aus der Ära von Bush unbefristet verlängert. 
Die notwendigen Sparbemühungen wurden jedoch erneut verschoben. Die auf Anfang Jahr automatisch fällig gewordenen Ausgabenkürzungen wurden bis Anfang März zurückgestellt. Somit wurde der wichtigste Entscheid über die Lösung des Schuldenproblems weiter hinausgezögert.

Am 2. Januar eröffneten die Märkte nach der vorläufigen „Lösung“ des US-Budgetkonflikts das neue Jahr mit kräftigen Kursavancen in Aktien und Rohstoffen. Bei den Anleihen waren entsprechend steigende Zinsen zu verzeichnen. Doch bereits am zweiten Tag wich die erste Euphorie und rief gleichzeitig erste Skeptiker auf das Parkett zurück.

Moody’s: 2. Warnung an die USA

Am 3. Januar warnte die Rating Agentur Moody’s bereits, dass der Kompromiss zur Umschiffung der Fiscal Cliff nicht weit genug gehe. Die Einigung sieht keine Lösung der eigentlich schon erreichten Schuldenobergrenze vor. Durch getroffene Massnahmen des Finanzministeriums kann die Regierung unter der gegenwärtigen Limite von USD 16.4 Bio. noch etwa zwei Monate, bis Ende Februar haushalten. Erfolgt keine Einigung, droht den USA wie bereits damals im Sommer 2011 die Zahlungsunfähigkeit.
 Moody’s bietet nun wohl eine letzte Chance zur Reduzierung des Defizits, drohte die Ratingagentur bereits im September 2012 mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA und damit dem Verlust des Topratings „Aaa“. Der Ausblick bleibt wie bei Standard & Poors auf „negative“.

FED Protokoll – Unterstützung für Quantitative Easing bröckelt

Die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung des FOMC (Federal Open Market Committee) von Anfang Dezember zeigt, dass das Programm, das sog. Quantitative Easing (Aufkauf von Bonds, sog. Treasuries) zur Stimulierung der Wirtschaft nicht mehr die breite Unterstützung geniesst. Mehrere Mitglieder äusserten sich unterdessen skeptisch über die Wirkung des Programms und waren der Meinung, dass der Aufkauf von Bonds noch in diesem Jahr zurückgebunden werden soll, dies auch im Ausblick auf die mögliche Inflationsgefahr.
Die festgelegten Zinsen bleiben bis auf weiteres auf dem Tiefpunkt, abhängig von der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Eine Änderung der Zinspolitik ist erst vorgesehen sobald die Arbeitslosenquote bei 6.5% liegt. Zuletzt  lag diese weiterhin bei hohen 7.8%.

Auf diese Veröffentlichung reagierte vor allem der Goldpreis mit vorübergehend starken Preisnachlässen und stabilisierte sich dann zwischen dem Supportlevel von USD 1625/50.

EZB Sitzung – Zinssenkung wird ausgeschlossen

Gleichentags wie die britische Zentralbank (BOE), äusserte sich der Präsident der EZB, Mario Draghi, zu der aktuellen Lage und Aussichten der Wirtschaft. Am IST-Zustand der europäischen Wirtschaft habe sich seit der letzten Lagebeurteilung im Dezember kaum etwas verändert. Einstimmig wurde die Fortführung der bisherigen monetären Politik beschlossen. Die laufende Wirtschaft und die vorlaufenden Stimmungsindikatoren deuten auf ein unveränderte Entwicklung hin. Gegen ende des Jahres 2013 könnte sich eine langsame Erholung einsetzen. Gleichzeitig betont die EZB, dass die Unsicherheit hoch bleiben wird und die Risiken für die Konjunktur eher nach unten gerichtet sind.

Die Zinsen blieben, wie erwartet wurde, unverändert bei 0.5% resp. 0.75% im Euroraum. Die BOE hielt zudem an ihrem Rückkaufprogramm von Staatsanleihen in der Höhe von GBP 375 Mrd. fest.

Der Euro reagierte über mehrere Tage stark auf die Äusserungen von Mario Draghi. Insbesondere der Punkt der Einstimmigkeit sorgte für die positiven Kursavancen bei der Währung, wurde im Dezember noch eine Zinssenkung bei einigen Mitgliedern thematisiert (s. Bericht vom 7. Dezember). Diese wird nun von den Marktteilnehmern ausgeschlossen.

Basel III – Banken erhalten mehr Zeit

Die Banken kriegen vier Jahr mehr Zeit ihre Liquiditätsreserven aufzubauen. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beschloss am 6. Januar 2013, dass die Banken ihre Mindestliquiditäts-Anforderungen erst bis ins Jahr 2019 aufbauen müssen. Grund dafür ist die Sorge, dass die Banken die Kreditvergabe sonst einschränken und die Konjunktur so abwürgen würden.

Finanztitel haben darauf kurzfristig mit starken Avancen reagiert. Vorübergehend bringt dies weitere Entspannung im Finanzsystem mit sich.

Fazit
Zum Jahresauftakt übernahmen die bisherigen Optimisten das Zepter und führten die Liquiditätsrally fort. Die Anzeichen, dass die Märkte weiterhin mit Geld geflutet werden bleiben intakt. Nur zeigt sich, dass die Effekte der einzelnen Ankündigungen der Zentralbanken an Wirkung verlieren (vgl. dazu demnächst folgender Bericht). Somit ist fraglich, ob diese Geldmengen den kurzfristig positiven Trend auch weiter unterstützen werden. Neue Optimisten folgen nämlich kaum auf den Markt. Grosse Investoren bleiben aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten weiterhin an der Seitenlinie und parkieren das Geld auf ihren Konti. Würden sich diese Anzeichen ändern, wäre dann mit weiter steigenden Notierungen zu rechnen.

Das Thema der Schuldenkrise in den USA könnte diesem kurzfristigen Trend und Optimismus schon sehr bald jäh eine Ende bereiten und eine Korrektur hervorrufen. Eine Lösung und Einigung zwischen Republikanern und Demokraten für die Umsetzung von Sparmassnahmen und die Anhebung des Schuldendachs wird eine grössere Herausforderung zu sein als zuvor die Fiscal Cliff.

Die Volatilität war kurz vor Jahresende wie oben erwähnt sprunghaft angestiegen. Seither ist sie auf einen Tiefpunkt gesunken. Dies ist stets als Anzeichen zu werten, dass an den Märkten eine Korrektur bevorstehen könnte.

Das Thema der Europäischen Schuldenkrise gelangte etwas in den Hintergrund. Zu bedenken ist, das weiterhin keine Lösung erarbeitet wurde. Die Unterstützung der EZB die Zinsen für die betroffenen Länder mit Hilfe der Bondkäufe runter zu drücken sorgt nur für kurzfristige Entspannung und Zeitgewinn. Für weitere Unsicherheiten können die bald anstehenden Neuwahlen in Italien sorgen.

Die angelaufene Berichtsaison der Unternehmen lässt noch zu wenig erahnen, wie insgesamt das vierte Quartal bei den Unternehmensergebnissen ausfiel. Positive wie negative Ergebnisse können die Märkte tagsüber nach der Veröffentlichung in die eine oder andere Richtung bewegen.

Die Korrektur auf Gold bleibt wohl vorübergehend und konnte noch im Dezember für eine Aufstockung genutzt werden. Sollte sich die Wirtschaft widererwarten positiv entwickeln geht dies mit einer erhöhten Inflation und einer steigenden Nachfrage nach Gold einher. Gleichzeitig bleibt das Metall auch bei Unsicherheiten gefragt.

Der Anstieg des Euro war zu stark in der kurzen Zeit, um auch nachhaltig zu sein. Durch Gewinnmitnahmen und mit der Rückkehr von Unsicherheiten wird auch der Euro eher wieder unter Druck geraten.

Bei den  Haupt-Aktienmärkten sind bereits erste Gewinnmitnahmen zu verzeichnen. Wie bereits erwähnt, ist bei hohen Aktienquoten der Zeitpunkt da, sich von gewissen Titeln Schritt für Schritt zu trennen. Für die restlichen Positionen lohnt es sich stets in Bereitschaft zu sein, Aktienpositionen rasch reduzieren zu können. Es empfiehlt sich mit Limiten zu arbeiten und bei steigenden Kursen diese Kurslimiten nachzuziehen.

Optimisten verlassen das Spielfeld?

In den USA stehen die Politiker vor einem wichtigen Entscheid. Es gilt zwischen Republikaner und Demokraten eine Einigung bei der Lösung der sog. „Fiscal cliff“ zu finden. Investoren waren in den vergangenen Wochen sehr optimistisch, dass sich hier eine Lösung innerhalb der kurzen Zeit bis ende Jahr finden wird. Wie bereits in früheren Publikationen hingewiesen wurde diesbezüglich in den Aktien (zu) viel an Optimismus eingepreist, was die Gefahr von kurzfristigen Rückschlägen erhöht. Der letzte Entscheidungstag in diesem Jahr naht, damit die neuen Bestimmungen im Kongress noch vor Jahresende abgesegnet werden könnten, notfalls mit einer Sonderschicht zwischen Weihnachten und Neujahr.
Mit der weiterhin ausstehenden Einigung scheinen nun die Optimisten das Börsenparkett wie zu erwarten war wieder zu verlassen. Aufgrund der anstehenden Feiertage sind die Volumen eher dünn was die Bewegung in die eine oder andere Richtung noch verstärkt.

Fazit: In Anbetracht dieser Unsicherheiten erscheint es als sinnvoll generell Risiken bzw. Aktienpositionen etwas zu reduzieren, sofern in den letzten Tagen noch nicht vollzogen.

EZB – nahe an Zinssenkung

Die EZB beliess gestern die Zinsen unverändert auf dem Niveau von 0.75%.

Heute erfahren wir, dass ein Grossteil der Mitglieder bereits einer Zinssenkung im Dezember zugestimmt hätte. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung zu Beginn des nächsten Jahres 2013.
Die Schwierigkeit für EZB Präsident Mario Draghi liegt im Spannungsfeld von Wirtschaft, Währung und Inflation. Eine Zinssenkung kann zudem eine falsche Signalwirkung auslösen. Die Aussicht auf eine weiterhin sich abschwächende Wirtschaft und ein schwacher EUR ist kein positives Zeichen im Zusammenhang mit der weiterhin ungelösten EUR-Schuldenkrise. Zugleich rückt die Inflation kurz- bzw. mittelfristig weiter in den Fokus.

Auswirkungen auf den EUR:
Der EUR sinkt in kürzester Zeit von 1.31 auf 1.29. Weitere Verluste mit dem Ausblick auf eine Zinssenkung sind zu erwarten.

Aus Sicht CHF Investor:
Unterstützt das derzeitige Übergewicht in USD (Allokation ca. 42%)
Positiv für den USD/CHF Kurs, da der EUR/CHF spätestens bei 1.20 gestützt wird und somit der USD Kurs den Verlauf des EUR annimmt.

Dieses Szenario stützt auch das Goldinvestment in CHF (unhedged) (s. 06.12.2012)