Stimmungsbarometer mit Kaufsignal – Zeit für die Rückkehr aufs Börsenparkett im grossen Stil?

Nach einer kürzeren Erholungsphase, kennen die Aktienindizes seit mitte/ende August wieder fast nur noch eine Richtung, nach unten. Weltweit nähern wir uns bei den Kurslevels den Jahrestiefstständen bzw. haben diese schon erreicht. In den USA haben sowohl der Dow Jones Index wie auch der breit gefasste S&P500 Index gestern Montag, auf einem neuen Jahrestief geschlossen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq befindet sich erst kurz vor einem neuen Tief. In der Schweiz hat der SMI Index das bisherige Level vom Jahrestief bereits erreicht um sodann gleich nach unten auszubrechen und für noch tiefere Schlusskurse zu sorgen.

Grundsätzlich ist der September historisch tatsächlich der schlechteste Börsenmonat im Jahresverlauf. Auf den schlechten Herbstmonat folgte an den Börsen dann aber meist ein positives Schlussquartal.

Viele Anleger beobachten die Märkte und fragen sich, ob nun der Zeitpunkt gekommen ist, im grösseren Stil aufs Börsenparkett zurückzukehren. Während den letzten Tagen im September bzw. ersten Tagen im Oktober, demnach noch in dieser Börsenwoche, könnte sich durchaus eine Gelegenheit mit gewissem Gewinnpotenzial bieten, jedoch wohl eher nur von kurzfristigem und einem gewissen spekulativen Charakter. Hierzu werfen wir im heutigen Beitrag einen Blick auf das Stimmungsbarometer, den sog. Sentiment-Index.

Lange Liste von Unsicherheiten
Die Liste der aktuell vorherrschenden Unsicherheiten welche die Finanzmärkte seit einiger Zeit belasten ist lang. Man darf davon ausgehen, dass diese in naher Zukunft auch nicht verschwinden oder gelöst werden. Im Gegenteil, es birgt sogar ein gewisses Eskalationspotenzial.

  • Corona
    Seit Beginn 2020 beherrscht das Corona-Virus die Welt und beeinflusste seither massiv die Entwicklung an den Finanzmärkten. Auch nach fast 3 Jahren ist kaum zu prognostizieren, wie sich dieses Virus weiter verhält, die Situation sich zukünftig entwickeln wird und weitere Lock-Downs verhängt werden.
  • Lieferengpässe
    Aufgrund des Corona-Virus aber auch aufgrund des Krieges in der Ukraine leiden viele Unternehmen mit Lieferengpässen. Unternehmen wie z.B. die deutsche Autoindustrie, können die vorhanden Kapazitäten somit gar nicht ausschöpfen und die Kunden mit den vorbestellten Fahrzeugen beliefern. Bis diese Lieferketten sich wieder normalisieren, wird es noch eine Weile dauern.
  • Rohstoffpreise
    Mit der Eskalation des Russland-Ukraine Konflikts gingen die Preise für Öl und Gas schockartig durch die Decke. Unter Berücksichtigung des Währungseffektes, sind die Preisanstiege für manch europäische Länder noch markanter ausgefallen. Die Preisdynamik hat über die letzten Tage jedoch etwas nachgelassen. Sowohl die Preise für Öl als auch Gas scheinen sich auf hohem Niveau zu stabilisieren.
    Auch die Preise für Agrarrohstoffe haben zeitweilig einen stärkeren Anstieg erfahren. Die Ukraine wird auch als Kornkammer der Welt gesehen. Der Anteil am Weltmarkt ist jedoch nicht derart gross. Es sind einzelne Länder die stark vom ukrainischen Getreide abhängig sind und somit einen signifikanten Effekt auf die Lebensmittelversorgung befürchten müssen.
    Indien hat zuletzt angekündigt, die Exportmengen an Reis zu drosseln, was wiederum neue Unruhe und gewisse Angst um die Versorgungssicherheit hervorbrachte, was sich zeitgleich in höheren Preisen widerspiegelte.
  • Inflation
    Mit den markant ansteigenden Rohstoffpreisen insbesondere bei Energie, hat die Inflation nun ein Niveau erreicht, wie es in manchen Industrieländern zuletzt vor 40 Jahren der Fall war.
    Lieferengpässe haben bereits letztes Jahr für einen ersten Schub bei den Inflationszahlen gesorgt. Seit der Jahrtausendwende haben so manche Firmen ihre ganze Wertschöpfungskette bis aufs äusserste optimiert. Inventar und Lagerhaltung galten als kostspielig. Deshalb wurde versucht, die gesamte Produktionskette auf just-in-time Herstellung umzustelle. Aufgrund des für die Fertigung dadurch eingestellten Warenmangels, begannen die Unternehmen diese Strategie zu überdenken. Nun ist wieder eine gewisse Lagerhaltung mit den für die Fertigstellung notwendigen Rohstoffen und Komponenten gefragt. Diese zusätzlich generierte Nachfrage befeuerte die Inflation darüber hinaus.
  • Energiekrise
    Die europäische Wirtschaft ist stark vom Gas abhängig u.a. für die Stromproduktion. Bisher stammte der grösste Anteil an diesem Gas aus Russland. Nach mehreren Drohungen sind nun seit anfang September die Gaslieferungen aus Russland definitiv eingestellt. Die Lager sind zwar aktuell noch gut gefüllt. Wie sich Europa jedoch durch den kommenden Winter bewegt wie der Winter ausfällt und ob uns eine Stromkrise bevorsteht, ist aktuell nur schwer einschätzbar. Somit bleibt auch der Verlauf der Energiepreise eher unklar.
  • Zinsniveau
    Nach den vielen Jahren von Negativzinsen bzw. Tiefzinsumfeld, hat die rasch ansteigende Inflation für eine ebenso rasche Zinswende gesorgt. In den USA befindet sich der Zins der 10-jährigen Staatsanleihe sog. Treasury kurz vor der 4% Marke. Seit Jahresbeginn beträgt der Anstieg knapp 2.5%, was in so kurzer Dauer als enorm zu betrachten ist. Die Ausgangslage für Kreditnehmer aber auch Anleger hat sich somit stark verändert. Wie weit sich dieser Trend fortsetzen wird hängt massgebend von der Entwicklung der Inflation in den kommenden Monaten ab.
  • Währungsschwankungen
    Gewisse Währungen, insbesondere die europäischen Währungen Euro und Pfund befinden sich im Sinkflug. Derart starke Schwankungen bei Währungen dieser Grössenordnung zeugen von Unsicherheiten am Markt und bringen im Verlauf zusätzlich Nervosität auf das Börsenparkett.
  • Konflikt I
    Andauernde Krieg zwischen Russland und Ukraine hält insbesondere Europa und den Rest der Welt in Bann. Eine rasche Lösung des Konflikts ist kaum absehbar und es besteht sogar eine gewissen Gefahr von einer weiteren Eskalation bis hin zu einem nuklearen Event.
  • Konflikt II
    Weiter im Osten besteht die Auseinandersetzung zwischen China und Taiwan. Spätestens seit der aktiven Stellungnahme der USA hätte eine regionale Eskalation nun definitiv negativen Einfluss auf das globale Weltgeschehen und sämtlicher Ökonomien.
  • Rolle Chinas
    Auf dem globalen Parkett der Regierungen ist das Auftreten und die Positionierung Chinas oftmals eher schwierig zu deuten. In Zukunft könnte dies in so manch einem Fall, insbesondere in der Beziehung zwischen den USA und China, für eine unangenehme Überraschung sorgen.
  • Rezession
    Die US und europäische Wirtschaft steuern auf eine Rezession zu. Wann genau und wie stark diese ausfallen werden, lässt sich vorerst noch nicht prognostizieren.
  • Dilemma der Notenbanken
    Aufgrund der aktuell hohen Inflation und müssen die Notenbanken die Zinsen erhöhe. Im Gegenzug spricht man bereits von einer bevorstehenden Rezession. Sowohl die Europäische Zentralbank EZB sowie die US Notenbank FED riskieren mit den Zinsanpassungen die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen. Wird der Wirtschaftsabschwung tatsächlich eintreten, könnte dies dennoch auch Vorteile bei der Rückkehr zu zukünftig normalen Wirtschaftszyklen mit sich bringen.
  • Schuldenlast der Staaten
    Nicht zu vergessen ist die Schuldenlast, welche sich die Staaten zu Corona Zeiten aufgebürdet haben, indem die Regierungen mit Massnahmen-Paketen die Wirtschaft unterstützten und somit die Schulden massiv erhöhten. Nun folgt mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Rezession. Aufgrund der zu erwartenden reduzierten Staatseinnahmen kann somit kein Schuldenabbau vollzogen werden. Die Schuldenlast bleibt für gewisse Länder vorerst immens hoch.

Es lässt sich nun argumentieren, dass diese Unsicherheiten bekannt sind und somit all diese Faktoren in effizienten Märkten bereits eingepreist. Die stattliche Anzahl an Unsicherheiten und die z.T. nur schwer abschätzbare Entwicklung dieser, birgt jedoch ein grösseres Belastungspotenzial für die Märkte in den kommenden Wochen und vielleicht sogar Monaten.

Sentiment Index bald mit Kaufsignal
In diesem Beitrag werfen wir einen besonderen Blick auf den Stimmungsbarometer, das sog. Sentiment der Aktienmärkte. Dies misst jeweils die aktuell vorherrschende Stimmung der Anleger und kann zu gewissen Zeitpunkten auch als guter Entscheidungsparameter dienen.

Im Folgenden beziehe ich mich auf den Sentiment-Index von CNN Business, den sog. Fear and Greed Index (Furcht und Gier), Zusammensetzung und nähere Informationen dazu unter diesem Link: CNN Business Fear and Greed Index.
Herrscht unter den Anlegern Panik, erzielt dieser Index oft einen Tiefstand. Dies kann dann jeweils als kurzfristiges Kaufsignal gedeutet werden da es sich bei diesem Index um einen sog. Contrarian-Index (konträr/gegenteilig) handelt. Im Gegenzug weist der Index bei absoluter Börseneuphorie Höchststände auf und ist dann als kurzfristiges Verkaufs-Signal zu deuten. Extremlevels können sogar anhaltend über eine längere Periode auftreten.

Das Stimmungsbarometer an den Aktienmärkten ist einer von vielen Indikatoren, den ich unterstützend für einen Investmententscheid beiziehe.
Betrachten wir nun den Index in diesem Jahr, stellen wir jeweilige Tiefststände um den 7. März und 12. Mai fest. Gegen ende September tendiert der Index erneut nach unten und wir nähern uns nun erneut diesen Levels von verbreiteter Panik (vgl. Abbildung unten, Zeitverlauf Fear & Greed Index).

Fear & Greed Index im Zeitverlauf (1 Jahr)
Quelle: CNN Business, 27. September 2022

Betrachten wir den Index der US Technologiewerte an denselben Tagen (vgl. Abbildung unten, Zeitverlauf Nasdaq Index) fällt auf, dass der Index zeitweilige und vorübergehende Tiefstände aufweist um danach in eine gewisse Erholungsphase zu starten.

Chart Nasdaq Comp Index (1 Jahr)
Quelle: Yahoo Finance, 27. September 2022

Es könnte nun durchaus sein, dass sich in den kommenden Tagen ähnliches an den Märkte abspielen wird und sich dieses Szenario nochmals wiederholt. Der Sentiment-Index hat nämlich in den letzten Tagen wieder das Level von «Extreme Fear» erreicht.

Fear & Greed Index aktuell
Quelle: CNN Business, 27. September 2022

 

Fazit
Aktien gehen dem Wirtschaftszyklus grundsätzlich 6 Monate voraus. Gemäss Theorie dauert eine durchschnittliche Rezession ebenso 6 Monate. Innerhalb der letzten 70 Jahren dauerte in den USA eine Rezession im Schnitt 10 Monate. Somit bleibt noch etwas Zeit, bis die Aktienmärkte eine mögliche positive Wirtschaftsentwicklung wieder vorwegnehmen werden.

Die zahlreichen vorherrschenden Unsicherheiten, wie oben kaum abschliessend aufgeführt, werden die Finanzmärkte auch in den kommenden Tagen und Wochen in Banne ziehen und für den einen oder anderen Ausschlag der Kurse sorgen. Solange die Furcht von weiter steigenden oder zumindest anhaltend hohen Zinsen im Zusammenhang der anhaltend hohen Inflation d wird sich dies belastend auf die Aktienkurse auswirken.
Auf der Bewertungsseite, sind aktuelle Gewinnschätzungen, die mit 9% von einem knapp einstelligen Gewinnwachstum ausgehen, sehr sportlich und müssen daher wohl noch revidiert werden. Wie stark die höheren Energiepreise auf die Unternehmensergebnisse durchschlagen ist noch schwer abschätzbar. Die eingetrübte Konsumentenstimmung wird die Umsätze und Gewinne der Firmen vorübergehend zusätzlich belasten. Die Unternehmensergebnisse des 3. Quartals werden hier etwas mehr Licht ins Dunkle bringen.
An den Märkten selbst ist eine Umschichtung zu beobachten. Aktuell fliesst Geld aus Aktien ETFs ab, während ETFs auf Anleihen Zuflüsse erfahren. Je nach der weiteren Entwicklung der aktuellen Ausgangslage kann der Trend noch weiter anhalten. Somit würde eine wichtige Stütze der Geldzuflüsse als Treiber für steigende Aktienkurse vorerst noch ausbleiben.
Aus heutiger Sicht birgt der Markt wenig Potenzial für einen markanten und länger anhaltenden Anstieg der Aktienkurse. Die Schwankungsanfälligkeit bleibt bis auf weiteres bestehen. Positiv gesehen, können Anleger jedoch von diesen Schwankungen kurzfristig profitieren.

Mein Portfolio
Aktuell hängt die Positionierung stark von der Risiko-Neigung und -toleranz des einzelnen Anlegers ab. Anleger die bereits ein gewisses Aktienexposure haben, lautet die Empfehlung, dies auf den derzeitigen Niveaus zu halten und die Baisse aussitzen.
Ist hingegen eine gewisse Liquidität derzeit auf dem Konto vorhanden, welche mittel- bis längerfristig für Finanzanlagen bereit steht, ist je in der Situation nach Anlegertyp zu differenzieren:

Kurzfristig orientierte Anleger
Für risikofreudig und kurzfristig orientierte Anleger oder eher spekulativ agierende Trader könnte sich in den kommenden Tagen eine Kauf-Gelegenheit einstellen. Ein ähnlicher Rebound wie wir dies im März und Juni bis August gesehen haben (vgl. Index Chart oben) könnte sich über wenige Tage ergeben um gleich danach die Gewinne zu realisieren. Grösste Gewinnchancen bietet sich dabei auf zyklischen und insbesondere Technologiewerten. Die einfachste Umsetzung ist der Kauf des ETFs auf den Nasdaq Index.
Während gewisse Anleger auf diesen Rebound spekulieren, besteht jedoch gleichzeitig das Risiko, das die Indizes insbesondere der Nasdaq gegen unten ausbricht und dann ein neues Jahrestief realisieren wird wie dies bereits beim SMI geschehen ist. Sollten die Kurse tatsächlich dieses Supportlevel durchbrechen wäre demnach mit einer weiteren negativen Bewegung zu rechnen.

Langfristig orientierte Anleger
Etwas zurückhaltende und langfristig orientierte Anleger sollten zum aktuellen Zeitpunkt eher zuwarten. Es könnten sich durchaus noch tiefere Kaufgelegenheiten bieten. Dies aufgrund der unzähligen anhaltenden Unsicherheiten, welche meist Gift für eine positive Entwicklung der Aktienkurse bedeuten.
Einzig, sollten die Märkte in Panikmodus umschalten und während eines Tagesverlaufs starke Kursverluste von 4-5% oder mehr erzielen, können Teilkäufe von soliden Unternehmens-Werten oder ETFs auf Indizes (z.B. DAX, SLI oder S&P 500) mit einem längerfristigen Zeithorizont in Betracht gezogen werden. Dabei sind US Titel aktuell zu favorisieren, da die Wirtschaft weniger vom Konflikt mit Russland und der daraus resultierenden Energie-Krise und Gasknappheit betroffen ist und somit auch weniger anfällig. Was jedoch nicht heisst, dass der US Wirtschaft trotzdem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in eine Rezession droht.

Der Vollständigkeit wegen, sei hier meine Einschätzung erwähnt, vorerst auf Obligationen, insbesondere jene mit längeren Laufzeiten zu verzichten. Erst kürzlich begann der Trend von steigenden Zinsen, welcher ohne weiteres noch andauern kann. Die nächsten Inflationszahlen, welche demnächst publiziert werden, können in die Zinsen nochmals deutlich nach oben bewegen.

Es bleibt definitiv spannend, welche Themen und Faktoren die kommenden Tage an den Finanzmärkten dominieren und richtungsweisend auf die Märkte und Stimmung der Anleger einwirken werden. Klar ist, von einer Börseneuphorie sind wir aktuell weit entfernt. Somit werden die Märkte schwankungsanfällig bleiben, weshalb von einer anhaltend höheren Volatilität auszugehen ist, von welcher zu bestimmten Zeitpunkten Anleger jedoch profitieren können.

Korrektur voraus? Folgt bald der grosse „Ever“-Schock?

Im Jahr 2021 sorgten, nebst dem allgegenwärtigen Thema der Corona-Pandemie, unter anderem die Ereignisse rund um die beiden „Ever’s“ kurzzeitig für Unruhen an den internationalen Finanzmärkten.
Just zum Jahresstart taucht einer dieser Ever’s mit potenzieller Brisanz wieder in den Schlagzeilen auf. Gerade aktuell, zum ersten Handelstag an den internationalen Finanzmärkten im Jahre 2022, melden die Medien vor wenigen Stunden, dass die Aktien von Evergrande an der Börse in Hong Kong erneut vom Handel ausgesetzt wurden. Der Grund ist bisher noch nicht bekannt. Das Unternehmen wird wohl in Kürze Informationen publizieren. Vorerst reagierten die Finanzmärkte nicht oder gelassen auf die News, wobei einige Börsen heute noch Feiertagsbedingt geschlossen sind.

„Ever“ wie Evergrande und China

Bereits im Oktober 2021 waren die Titel vom Handel ausgesetzt als der Immobilien-Riese Evergrande für einen der „Ever“-Schocks sorgte. Das hochverschuldete, in China angesiedelte Unternehmen kam in Zahlungsschwierigkeiten und scheint nicht in der Lage zu sein sämtliche zugesagten Häuser und Wohnungen fertigzustellen. Die Schulden des Bauentwicklers belaufen sich auf rund USD 300 Milliarden. Davon stammen rund USD 19 Milliarden Schulden aus ausländischen Anleihen. Im Dezember konnte das Unternehmen eine Zinszahlung von USD 82.5 Millionen nicht begleichen.
Ob der Immobilien-Riese Evergrande sich jemals aus der Schlinge ziehen kann, ist höchst ungewiss. Das Unternehmen ist abhängig von seinen Investoren, ob sie sich bereit erklären, gewisse Verluste zu tragen, nötigenfalls das Unternehmen mit einer grossen Menge an frischem Kapital auszustatten, notfalls vielleicht sogar gestützt durch den chinesischen Staat um einen potenziellen Kollaps des gesamten Immobiliensektors zu verhindern. Zusammen mit Evergrande könnten nämlich auch weitere Immobilien Unternehmen in Schieflage geraten, ausgelöst durch das schwindende Vertrauen der Investoren. Das Risiko eines Spillover Effekts auf das ganze Finanz- und Bankensystems und somit auf die ganze chinesische Wirtschaft gilt es zu vermeiden. Der Immobilien-Sektor generiert immerhin rund einen Viertel des chinesischen Bruttoinlandproduktes. Wäre die Regierung dazu bereit den ohnehin überhitzten Immobilien-Sektor zu stützen oder allenfalls die negativen Konsequenzen zu tragen?

Unabhängig des weiteren Ausgangs von Evergrande bleibt China aus verschiedenen Gründen vorerst eine gewisse Blackbox. Zum einen, ist es der Immobilien-Sektor, der wie die Aktualität aufzeigt, auch dieses Jahr gewisse Risiken für diese Region birgt. Zum anderen erfolgten während der letzten Monate immer wieder überraschend Eingriffe der chinesischen Regierung bei Unternehmen mit einer gewissen Grösse und Marktmacht wie zum Beispiel bei Alibaba. Jack Ma, der Gründer dieses Unternehmens, verschwand nach Kritik der chinesischen Regierung urplötzlich und tauchte erst Wochen danach wieder auf.
Mit einem solchen Vorgehen setzt die Regierung das Vertrauen der Investoren immer wieder aufs Neue auf den Prüfstein. Darunter leiden insgesamt die Aktienkurse chinesischer Unternehmen deutlich. Insbesondere auch jene, die an ausländischen Börsen wie zum Beispiel in den USA kotiert sind, aufgrund aufkommender Gerüchte einer möglichen Dekotierung an diesen Märkten gelisteter Unternehmen.

„Ever“ wie Ever Given

Für den zweiten „Ever“-Schock im letzten Jahr sorgte eines der weltweit grössten Frachtschiffe. Das mit fast 20’000 Containern beladene Schiff Ever Given blockierte im März 2021 für 6 Tage den Suezkanal und sorgte somit für einen Unterbruch der Lieferketten, insbesondere von Ost nach West. Für die europäische Wirtschaft und Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihre Liefer- und Produktionsprozesse bis zum äussersten optimierten, um so eine kostspielige Lagerhaltung zu umgehen, ein kurzfristig kleiner Schock und eine Herausforderung, die sonst schon durch die Pandemie angespannten Lieferengpässe zu managen. In Europa gingen manche Produkte aus, in China fehlten die leeren Container für eine Wiederbeladung. Nachfrageüberhang, höhere Frachtkosten ausgelöst durch fehlende Kapazitäten und höhere Energiepreise, ein guter Nährboden für ein inflationäres Umfeld.

Ende des Superzyklus?

Nicht nur das «Ever» haben diese beiden Ereignisse gemeinsam. Beide Events tauchten plötzlich und unerwartet auf. Es sind solche Events, die bei den Investoren die entscheidende Frage aufwerfen, ob dies nun das Ende des vor gut einem Jahrzehnt begonnen wirtschaftlichen Superzyklus einleiten könnte.
Die Folge, ein rasches Hochschnellen des Pulses und Nervosität bei Investoren aufgrund dieser Unsicherheiten. Dies ist normalerweise kein guter Nährboden für positive Aktienkurse. Hedge Funds wissen gezielt mit solchen Situationen umzugehen, verstärken mit ihren Wetten auf sinkende Märkte den Abgabedruck, weshalb wir in solchen Szenarien kurzfristig starke Ausschläge sowohl der Aktienkurse nach unten wie auch bei der Volatilität beobachten können. Zuletzt war das wirtschaftliche Umfeld und Finanzsystem stabil genug einen solchen kleineren Schock aufzufangen. In der Folge reagierten die Märkte rasch mit einer Gegenbewegung. Kurze Zeit danach erreichten gewisse Indizes immer wieder neue Höchstmarken.

Eine weitere gewichtige Rolle spielen die Zentralbanken, welche unter anderem mit ihren geldpolitischen Entscheiden und Massnahme zur Stabilisierung der Wirtschaft, diesen Superzyklus der letzten Jahre einleiteten und über die Jahre unterstützten. Die Herausforderung ist es nun, die über das letzte Jahrzehnt eingeschossene Liquidität langsam und ohne grosse Nebengeräusche aus den Märkten abzuziehen, um so einerseits eine mögliche Überhitzung des Systems, andererseits einen kapitalen Absturz der Märkte zu vermeiden. Die Lösungsansätze sind vorhanden, jedoch deren Umsetzung und Zeitplan ungewiss. Die amerikanische Zentralbank Fed hat erste Massnahmen in diese Richtung beschlossen und kommuniziert. Die Europäische Zentralbank EZB und weitere Zentralbanken werden hier noch zuwarten.
Diese Ausgangslage birgt natürlich einige Risiken, und könnte stets von neuem für Unsicherheiten sorgen und somit neue Nervosität bei Investoren auslösen.

Eine weitere Herausforderung in diesem Jahr werden die Lieferengpässe bleiben, welche für weiterhin, jedoch vorübergehend für inflationären Druck sorgen. Unternehmen mussten aufgrund fehlender Teile ihre Produktionen drosseln und Kunden mit der Auslieferung ihrer Produkte vertrösten. Automobilhersteller zum Beispiel leiden seit einigen Monaten bereits unter dem weiterhin vorherrschenden Chipmangel. Unternehmen beginnen deshalb ihre «just in time» Produktionsprozesse umzustellen und wie früher gewisse Produktkomponente in ihren Lagern aufzustocken. Damit wollen sie solche Einschränkungen in ihrem Businesszweig in Zukunft aus dem Weg schaffen. Dies sorgt jedoch zusätzlich für einen kurzfristig anhaltenden Nachfrage-Überhang und erhöht überdies den Druck auf die aktuell vorherrschenden Lieferengpässe.

„Mein“ Portfolio

Je nach Ausgangspositionierung in einem Portfolio eines Anlegers, können abhängig von Ereignissen, Newsflows etc. Massahmen und Änderungen in der Positionierung vorgenommen werden, stets der entsprechenden Situation angepasst. Gibt es Anzeichen einer kurzfristig aufkommenden Unsicherheit, ist eine Reduktion der Risiken, meist Verkauf von Aktien, nicht unbedingt der geeignetste Weg für einen langfristig gute Performance.
Solche und viele weitere Themen der Anlagethematik werde ich im Laufe der Zeit hier aufzeigen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es nicht nur das eine, richtige Portfolio gibt. Dieses ist stets an den Bedürfnissen des Anlegers und aktuellen Ereignisse auszurichten.

Sollte Evergrande in Kürze Klarheit über den weiteren Ausgang schaffen und ist man in seinem Portfolio noch nicht in China investiert, könnte das derzeitige Umfeld für ein langfristige Positionierung genutzt werden, mit einer selektiv ersten Tranche als Einstieg. Chinesische Leitindizes gehörten im Jahr 2021 zu jenen mit der schlechtesten Performance. Obgenannte Ereignisse und Faktoren haben dafür gesorgt, dass Investoren ihr Exposure in dieser Region in Vergangenheit eher reduzierten.
Jedoch weist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt mit eine BIP von rund USD 15 Billionen und mit aktuell rund 5%, weiterhin einer der grössten Wachstumsraten auf. Davon profitiert ein Grossteil der chinesischen Unternehmen und somit auch ihre Aktionäre. Es gilt jedoch die zu beachten, dass gewisse Produktionsaufträge zukünftig weg von China in andere Regionen verlagert werden. Faktoren sind einerseits die über die Jahre hinweg gestiegenen Produktionskosten aufgrund steigender Löhne und Energiepreise. Andererseits könnten global aufgestellte Unternehmen bestrebt sein, ihre Abhängigkeit von China etwas zu reduzieren.
Viele dieser potenziell negativen Szenarien sind bereits heute in Kursen chinesischer Titel enthalten. Dies vermindert einerseits die Risiken von grösseren Rückschlägen und lässt andererseits Raum für positive Überraschungen.

Der Januar gehört grundsätzlich zu einem der besten Börsenmonaten. Auch für 2022 stehen die Zeichen grundsätzlich auf positive Performance für den ersten Börsenmonat des Jahres. Es gilt jedoch neu aufkommende und entscheidende News wie jene von Evergrande für eine weitere Beurteilung kurzfristig abzuwarten.
Nicht voraussehbare Ereignisse, die im grösseren Stil auf Makroökonomischer Ebene für eine neue Ausgangslage sorgen könnten, gilt es jeweils zu analysieren und die mögliche Reaktion der Investoren abzuschätzen, um danach die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechenden Investmententscheide zu fällen.

Erinnerungen an August 2011

Der am 3. Juni 2013 publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex der US-Industrie für den Monat Juni verheisst nichts gutes für die US-Konjunktur. Der Wert lag mit 49.0 Punkten überraschend deutlich unter der wichtigen 50er-Marke. Von Experten wurde ein Wert von 50.6 erwartet nach 50.7 Punkten im Vormonat. So tief war der Wert letztmals im August 2009. Damals allerdings kam der Index vom Tiefststand her im Januar und mündete in den Folgemonaten im Aufschwung, der bis zum Ausbruch der Euro-Krise anhielt.

Die Situation heute erinnert nicht etwa an August 2009 sondern eher an den Zeitpunkt vom 1. August 2011. Der damals publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex zeigte ebenfalls einen enttäuschenden Wert von 50.9 Punkten nach 55.3 Punkten im Vormonat. Erwartet wurde der Index bei 55.0 Zählern. Obwohl der Wert noch über 50 lag erachteten die Investoren nach den Höchstständen bei gewissen Indizes die Gewinne einzufahren und ihre Positionen im grossen Stil aufzulösen. Daraus resultierte der markante Einbruch der weltweiten Indizes.
Auch heute befinden sich Indizes wenige Tage von ihren Rekordhochs (z.B. Dow Jones Industrial, Dax) oder von Höchstständen nach einer Periode mit starker Performance (z.B. SMI, Nikkei) entfernt. Gleichzeitig verweilte auch damals die Volatilität auf tiefen Niveaus bis genau zu diesem Tag hin, als sie mit den negativen Nachrichten stark nach oben schnellte.

Anders als heute, stand die USA im August 2011 am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Erst in letzter Sekunde wurde die Schuldendecke angehoben. Diesen Event haben wir in diesem Jahr nun bereits hinter uns, indem die US-Regierung im vergangenen März diese vorübergehend ausgesetzt hat und dafür Budgetkürzungen in Kauf nehmen musste. Somit könnten gerade diese Budgetkürzungen nun für den Einbruch bei der Industrie verantwortlich sein.
Ein weiterer Unterschied besteht im sog. Sentiment-Index, ein Stimmungsindikator bei den Investoren. Waren  diese 2011 im Zusammenhang mit der Euro-Krise und der US-Schuldenproblematik extrem pessimistisch (bearish), zeigt das Stimmungsbarometer heute einen sehr hohen (bullishen) Wert an. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank trägt hierzu sehr viel bei. Dieser Indikator wird normalerweise als Contrarian-Indikator eingesetzt. Somit wäre der aktuelle Stand als Verkaufs-Signal zu werten.

Es ist nun wichtig zu beobachten, wie die Marktteilnehmer auf den negativen ISM-Einkaufsmanagerindex reagieren werden. Die Geldschwemme der Zentralbank brachte bisher viel für die Aktienmärkte, jedoch wenig und nicht genug, um der US-Wirtschaft den notwendigen Schwung zu verleihen. Für weiter steigende Aktienkurse wäre ein solider Aufschwung definitiv kausal. Deshalb scheint sich das Börsensprichwort „sell in May and go away“ zumindest in den letzten Tagen zu bewahrheiten. „But remember to come back in September!“ Um festzustellen ob dem so sein wird, müssen die Märkte natürlich weiterhin genau verfolgt und bei Bedarf kurzfristig die notwendigen Massnahmen getroffen und umgesetzt werden.

Bernanke’s Worte entscheidend für die Wirtschaft?

Die Aktienmärkte warten heute Nachmittag gespannt auf die Rede des US-Notenbankchef Ben Bernanke und auf die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls des letzten Fed-Meetings von Ende April/Anfang Mai. Beides wird Auskunft über den weiteren Verlauf der dritten Geldmengenlockerung (Quantitative Easing 3) geben.

Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013
Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013

Die globale Weltwirtschaft befindet sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008/09 wieder auf dem Wachstumspfad, wie die nebenstehende Grafik aufzeigt (Level oberhalb der Nulllinie = Wachstum). Nach anfänglich starkem Aufschwung reduzierte sich bis heute das Wachstumstempo leicht aber stetig.

Die Einkaufsmanager-Indizes (PMI), die als Frühindikatoren für den Wirtschaftsverlauf gelten (vgl. dazu Wissenswertes – Purchase Mangers‘ Index (PMI)), bewegen sich in einem vergleichbaren Trend.
Die durch die US-Notenbank Fed zwischen 2010 bis 2012 bekannt gegebenen monetären Lockerungen (sog. Quantitative Easing 1-3) führten jeweils zu einem klar erkennbaren Anstieg des PMI (letzte drei Wellen). Die Intensität für ein optimistisches Bild nahm jedoch bei der letzten Lockerung im Vergleich zu den ersten beiden Ankündigungen ab. Die Ernüchterung bei den Unternehmen folgte jeweils bereits wenige Monate darauf, was sich in einem fallenden PMI widerspiegelt.
Gleichzeitig gelang es der Weltwirtschaft nie ihre Wachstumsraten deutlich zu erhöhen. Im Gegenteil, das Weltbruttoindlandsprodukt (BIP) folgt seit dem Jahr 2010 der fallenden Trendlinie des PMI. Werden die zahlreichen Anstrengungen der verschiedenen Notenbanken (u.a. Fed, EZB, BoJ) zur Ankurbelung der Wirtschaft bei der Beurteilung herangezogen, fällt das Resultat ernüchternd aus. Die Frage ist natürlich berechtigt, wo stünde heute das globale BIP, hätten die Notenbanken nicht zu den drastischen Massnahmen gegriffen.

Klar ist, dass mit den Ankündigungen der Notenbanker das Vertrauen an die Finanzmärkte zurück kam und mit ihm die steigenden Aktienkurse. Dazu beigetragen haben sicher auch die soliden Bilanzen und die besser als erwartet ausgewiesenen Gewinne der Unternehmen. Den grössten Effekt jedoch brachten die enormen, von den Zentralbanken auf den Markt geschütteten Geldmengen. Folglich werden die heute veröffentlichten Details zur Strategie des Fed kurzfristig viel mehr für die Aktienmärkte als für die globale Wirtschaft  richtungsweisend sein.
Folgen nicht bald klare Impulse droht die globale Wirtschaft in eine Situation der Lethargie zu verfallen und die Unternehmen werden sich weiterhin mit neuen Investitionen zurückhalten. Aufgrund der dadurch fehlenden Umsatzsteigerungen einerseits und den in den letzen Jahren ausgereizten Bemühungen zur Kostensenkung andererseits, werden die angestrebten Gewinnwachstumsziele nicht zu erreichen sein. Folglich wird früher oder später diese Entwicklung auf die Aktienmärkte durchschlagen.
Für die Zentralbanken bleibt weiterhin die Herausforderung, die Wirtschaft wieder aus dieser fragilen Umgebung zu führen. Die Mittel hierzu sind jedoch auch für den US-Notenbankchef Ben Bernanke praktisch ausgereizt.

Technik vs. Makro – wer dominiert?

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden fast täglich neue Höchst- und Rekordstände von Indizes gemeldet. Seit dem Zwölfjahres Tief im März 2009 ist der S&P 500 um 146% gestiegen und weilt derzeit um die 1’670 Punkte. Getragen wurde der Aufschwung von Unternehmensgewinnen, die besser als erwartet ausgefallen sind. Die stärksten Impulse erwirkten jedoch die drei von der US Notenbank Fed lancierten Bond Kaufprogramme (Quantitative Easing 1-3), letzteres hält derzeit noch. Auch andere Indizes von Industrieländern wie z.B. der Dax markieren neue Höchststände während die meisten Börsen der Entwicklungsländer nicht in demselben Masse am Aufschwung partizipiert haben.

Makroökonomische Indikatoren
Neben dem Fed sorgte auch in Europa und Japan die Notenbanken für hohe Liquidität an den Märkten. Die EZB senkte den Leitzins auf ein Rekordtief von 0.50%. Seither wurden weltweit auch in anderen Ländern, u.a. in Australien, Israel, Indien und Südkorea, zum Teil überraschend die Zinsen als Folge von anhaltenden negativen Konjunkturnachrichten weiter gesenkt. Auffällig, dass sowohl zurückliegende makroökonomische Indikatoren als auch Früh-Indikatoren unter den Erwartungen lagen und sich somit eingetrübt haben. Gemäss ersten Rechnungen ist Europa im ersten Quartal um 0.2% geschrumpft. Selbst die Wirtschaft in Deutschland, der bisher starke Motor innerhalb der EU, kann sich je länger die Krise dauert, nicht mehr dem leichten Abwärtstrend entziehen. Mit dem schwächeren Start in das Jahr 2013 trübten sich auch die Früh-Indikatoren, die sog. Einkaufsmanager-Indizes (PMI) zuletzt weiter ein. Wie sich die Stimmung bei den Unternehmen weiter entwickelt, wird in den kommenden Tagen interessant zu beobachten sein. Insgesamt werden leicht bessere Levels für den Monat Mai im Vergleich zum Vormonat erwartet.

Technische Indikatoren
Unbeachtet dessen treiben gegenwärtig kurz- und mittelfristige technische Indikatoren die Indizes weiter nach oben. Kurzfristig hat z.B. der Dax 11 Tage in Folge positiv geschlossen (Stand 21.05.13). Der Stoxx Europe 600 verzeichnete bereits im Februar den neunten Monatsgewinn in Folge und damit die längste Gewinnserie seit dem Jahr 1997. Seither kamen zwei neue positive Monate hinzu. Dass ein solcher Trend lange anhalten kann zeigte der Einzeltitel Apple (vgl. langfristiger Chart von Apple). Seit Herbst 2008 wurde der Titel fast unaufhaltsam in die Höhe getrieben, bis dieser im Herbst 2012 die Marke von über USD 700 erreichte.

Entsteht einmal ein solcher Trend bzw. technisches Momentum, braucht es einiges an Widerstand um dieses auch wieder zu durchbrechen. Der Zeitpunkt ist oft nicht genau vorhersehbar, ausser es bietet sich ein unerwarteter Auslöser an. Wie das Beispiel von Apple zeigt, erfolgt dann eine solche Gegenbewegung rasch. Der Titel verlor ohne nennenswerte Ereignisse in einem kurzen Zeitabschnitt von sieben Monaten 50% seines Wertes. Die Bodenbildung scheint nun in diesen Wochen zu erfolgen.

Fazit
Generell unterstützt ein tiefes Zinsniveau die Investitionen in Aktien, da sonst weniger Risiko behaftete Anlagen wie Obligationen mit ihren Renditen weniger attraktiv erscheinen. Zumal sich  die Zinsen bereits über längere Zeit auf Rekordtiefs befinden und somit Obligationen im Investmentgrade-Bereich z.T. sogar negative Realrenditen aufweisen, sehen momentan viele Investoren Aktien trotz vielen unsicheren Faktoren (Schuldenkrise, globaler Konjunkturverlauf 2013, Rekordarbeitslosigkeit,  Ausblick der Unternehmer etc.) als einzige Anlageklasse.
Gerade die tiefen Zinsen weisen auf die schlechte Situation der Konjunktur hin. Die europäische Zentralbank hat beim Zinsniveau noch etwas Luft und senkte im Mai den Leitzins um ein Viertel-Prozent auf 0.5%. Dies in der Hoffnung die konjunkturelle Situation in Europa würde sich damit verbessern, nachdem die rekordtiefen Zinsen über die längere Zeitspanne bisher nicht den Aufschwung brachten.  In den USA und Europa zeigen die vergangenen Monate seit Ausbruch der Krise auf, dass im vorherrschenden Umfeld  der positive Effekt niedriger Zinsen auf die Konjunkturentwicklung marginal ist. Die Liquidität gelangt nicht bzw. zu wenig wie gewünscht und üblich in den Wirtschaftskreislauf in Form von Krediten an Unternehmen. Die Banken scheinen weiterhin risikoavers bei der Kreditvergabe und die Unternehmen selbst können sich direkt am Markt sehr günstig mit frischem Kapital eindecken.

Das technische Momentum kann nicht anhaltend sein und wird demnächst, zumindest vorübergehend, nachlassen. Indikatoren weisen auf einen überkauften Markt hin. Sollte der Trend brechen, müssen die Marktteilnehmer sich auf neue Argumente stützen, die ihre hohen Anteile an Aktien in ihren Portfolios rechtfertigen. Vielleicht wird ihnen dann wieder bewusst, wie es um die derzeitige Realwirtschaft steht und sie stossen zumindest einen Teil ihrer Aktienpositionen wieder ab.

Erzielt das Fed den gewünschten Effekt?

Das Fed hält derzeit an seinem Programm für Anleihekäufe fest. Die Massnahmen haben zum Ziel der Konjunktur neuen Schwung zu verleihen. Mit dem Kauf der Treasuries (US Staatsanleihen) werden künstlich die Zinsen auf tiefem Niveau gehalten. Tiefe Zinsen sollen für ein freundliches Investitionsklima sorgen. Zudem soll die damit erzeugte Geldmenge Banken zur Kreditvergabe animieren, damit sich auch der Investitionsprozess der Unternehmen, die sich günstiges Geld ausleihen können, in Gang setzt. Das Endziel besteht in der Ankurbelung der Wirtschaft, dem Schaffen neuer Arbeitsplätze und somit der Reduktion der derzeitig hohen Arbeitslosigkeit.

Doch die weiterhin steigenden Überschussreserven der Banken in der Höhe von über USD 1.8 Bio. beim Fed zeigen, dass die Absicht des Fed nicht in der wohl erhofften Grössenordnung stattfindet. Die Banken parkieren ihre flüssigen Mittel lieber risikolos bei der US-Notenbank und erhalten dafür aktuell 0.25% Zins, anstatt das Geld mit einem gewissen Risiko in Form von günstigen Krediten den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Somit gerät das Geld nicht wie derzeit erhofft in den Wirtschaftskreislauf, sondern fliesst zurück ans Fed selbst.

Wann erfolgt die Korrektur?

Die Aktienrally hält seit Jahresbeginn fast unvermindert an. Es sind dies vor allem die Börsen der Industrieländer wie den USA, Japan und Grossbritannien, Australien, Neuseeland und die Schweiz, die bis zu zweistellige Performance-Zuwächse im bald ablaufenden ersten Quartal 2013 aufweisen. Die Schwellenländer hingegen machten bisher diese Bewegung nicht mit, im Gegenteil, sie zeigen z.T. zweistellige Verluste wie z.B. Brasilien oder Russland. Selbst der Hang Seng in China schafft es bisher nicht in den grünen Bereich, gilt China weiterhin als Wachstumsmotor für die globale Konjunktur. Die Unsicherheiten überwiegen.

Jene Investoren, die das Risiko in Kauf genommen haben und Ende letzten oder zu Beginn diesen Jahres eingestiegen sind, liessen sich vom günstigen Geld und von der Überlegung leiten, dass aufgrund von fehlenden Renditen die Aktien die einzige Anlagekategorie sei. In der Folge wurden die Anteile an Aktien in den Portfolios erhöht. Ein trügerisches Fazit, werden dadurch in unsicheren Zeiten, welche die tiefen Zinsen, die fallenden Rohstoffpreise und die erneut aufflammenden Krisen widerspiegeln, die Risiken in einem Portfolio erhöht.

Im Zeitraum von Januar bis Februar waren tatsächlich vermehrt Inflows in die Aktienmärkte zu verzeichnen. Die Volumen blieben aber im Vergleich weiterhin gering, heisst viele grosse Investoren blieben weiterhin an der Seitenlinie. Damit verpassten nicht nur sie das für alle überraschend starke bisherige Aktienrally. Nach der Endjahres-Rally im kürzlich abgelaufenen Jahr haben sich viele Investoren zurückgehalten, in der Überzeugung, dass aufgrund der weiterhin anstehenden Unsicherheiten, eine Korrektur folgen sollte. Doch diese Korrektur blieb für die Mehrheit überraschend, bisher aus.

Im Laufe diesen Monats sind vermehrt Stimmen im Markt zu vernehmen, dass eine solche Korrektur gänzlich ausbleiben wird. Aus Angst weitere Performance zu verpassen gibt es nun Investoren, die in letzter Minute noch auf den Zug aufspringen. Grund dürfte auch das anstehende Quartals-Reporting sein, in dem keine tiefe Aktienquote ausgewiesen werden soll. „Man war bei der Rally dabei.“ Die Performance wird jedoch diese Entwicklung nicht derart mitgemacht haben.

Ein solches Verhalten, dem Markt nachzurennen, birgt sehr hohe Risiken und die Wahrscheinlichkeit, dass gerade kurz vor einer Korrektur der Einstieg erfolgt. Deshalb ist dies absolut zu vermeiden. Lag man aufgrund überzeugender Argumente falsch und hat demnach sein Aktien Exposure nicht erhöht, was in diesem Fall der bessere Entscheid gewesen wäre, so ist der geeignete Zeitpunkt abzuwarten. Dann ist die Massnahmen nachzuholen, sofern dies der Ausblick dann noch rechtfertigt.

Nach den Wahlen in Italien konnte auch die Zypern-Krise diese Korrektur (noch) nicht auslösen. Mit jedem solchen Ereignis steigt jedoch die Unsicherheit bei Unternehmen und Konsumenten, die sich weiterhin mit Investitionen zurück halten. Erste Anzeichen, dass dem tatsächlich so ist, gibt es bereits. Eine schwaches Wirtschaftsumfeld, wie es derzeit vorherrscht, ist dann auf solche Szenarien sehr anfällig und ein deutlicher Rückschlag droht. Verstärken sich die Signale in den nächsten Tagen und Wochen, muss definitiv mit einer Korrektur an den Aktienmärkten gerechnet werden. Deshalb ist zu empfehlen, sich eher auf eine Korrektur als auf den Aufbau von weiteren Risikopositionen vorzubereiten.

Folgt die Herabstufung der USA

Derzeit überraschend besser ausfallende US-Konjunkturdaten täuschen über die angespannte Situation hinweg, was bereits am Wochenende oder in den folgenden Tagen danach auf die Marktteilnehmer zukommen könnte. Einigen sich die Demokraten von US-Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht noch in letzter Minute, treten die Ende Dezember verschobenen zwangsmässigen Ausgabenkürzungen in Höhe von USD 85 Milliarden in Kraft. Damit wären nahezu alle Bundesbehörden in diesem Haushaltsjahr, das bis Ende September läuft, gezwungen ihre Budgets bis zu acht Prozent zu kürzen. Die automatischen Kürzungen, als „Sequester“ bekannt, wurden im Sommer 2011 vom Kongress beschlossen. Sie sollen insgesamt USD 1.2 Billionen in zehn Jahren einsparen. Der „Sequester“ ist aber ein Teil des gesamten Haushaltstreits. Kurzfristig müssen weiter Hürden genommen werden: bis zum 27. ist ein zeitlich befristeter Budgetplan zu verlängern, damit der Bund seine Rechnungen auch weiter bezahlen kann; bis zum 19. Mai muss die Schuldengrenze erhöht werden, da sonst der Staatsbankrott droht.

Ökonomen warnen, dass die Einschnitte die US-Konjunktur und jene anderer Länder schwer schaden könnten. Insgesamt stünden bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Auswirkungen wären jedoch nicht schlagartig spürbar. Obama meinte, es sei keine Klippe, sondern ein „Abwärtstaumel“.

Die Situation erinnert an Ende Juli Anfang August  2011, als die Politiker in den USA sich erst in letzter Minute auf die Erhöhung des Schuldendachs einigten. Wenige Tage später folgte der Verlust des Top-Ratings der USA. Bereits haben die Rating-Agenturen mehrmals eindringlich vor einer erneuten Herabstufung der Bonität gewarnt.
Nachdem die Rating-Agentur Standard & Pools (S&P) von den USA angeklagt wurde, stehen die drei grössten Rating-Agenturen S&P, Moody’s und Fitch in besonderem Spannungsfeld, wenn nicht sogar in einem gewissen Interessenkonflikt. Entschliessen sie sich für eine Herabstufung, schaden sie ihrem „eigenen“ Land und ziehen damit den Unmut der ganzen Nation auf sich. Behalten sie ihre aktuellen Einstufungen bei, gehen sie das Risiko von möglichen weiteren Klagen zu einem späteren Zeitpunkt ein, wie dies eben im Fall von S&P aus den eigenen Reihen widerfahren ist.

Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung auf einen Kompromiss im Budgetstreit sank kontinuierlich. Seit dem Hinauszögern des Entscheids um zwei Monate änderte sich nichts an den weit auseinander liegenden Ansichten beider Parteien. Auch ein letzter Ausweg einer erneuten Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt lässt keine Hoffnung auf eine grössere Chance in einer Annäherung und finalen Lösung aufkommen.
Mit einer Herabstufung der Bonität der USA kann bereits ab morgen Freitag nach Marktschliessung gerechnet werden. Bisher kamen sämtliche wichtige Ankündigungen der Rating-Agenturen aufs Wochenende hin. Die Märkte dürften diese Nachrichten kaum in positiver Form aufnehmen.

Unsichere Signale aus China

Der heute Morgen von China präsentierte Einkaufsmanagerindex der Industrie (PMI) für den Monat Februar lag mit einem Wert von 50.4 tiefer als erwartet (52.2) und sank gegenüber Januar vom Level 52.3 um 1.9 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit vier Monaten. Damit hat sich das Wachstum der chinesischen Industrie deutlich verlangsamt. Allerdings liegt der Index noch über der Schwelle von 50, die Wachstum von Kontraktion trennt. Inwiefern das chinesische Neujahrsfest zu Beginn des Monats diesen Wert beeinträchtigt hat, kann erst mit der neuen Publikation im März beurteilt werden. Der PMI gilt als Frühindikator und ist somit ein Indiz für die noch für denselben Monat folgenden Wirtschaftszahlen.

Im Markt überwog heute jedoch die Spekulation über einen neuen Notenbankchef in Japan, was die Märkte in Asien und anfänglich in Europa beflügelt hat. Premierminister Shinzo Abe könnte Haruhiko Kuroda zum neuen Chef der Bank of Japan (BoJ) ernennen. Er gilt als Vertreter der aggressiven Lockerung der Geldpolitik. Dies wäre gleichbedeutend mit einer weiteren Schwächung des Yen. Davon würde wiederum die japanische Export-Industrie stark profitieren. In Tokio wurde diesbezüglich in den letzten Tagen und Wochen bereits sehr viel in den Aktien eingepreist.

Der heutige Tag zeigt, dass im derzeitigen euphorischen Umfeld Gerüchte stärker gewichtet werden als präzisere Stimmen aus der Wirtschaft. Ein Umstand der auf den heutigen Niveaus der Aktienindizes aufhorchen lässt.
Die Märkte können in einer solchen Phase den Trend für eine gewisse Zeit ohne weiteres fortsetzen. Jedoch vergrössert sich mit jedem weiteren Tag die Wahrscheinlichkeit für Rückschläge, ausgelöst dann durch eher nebensächliche Ereignisse. Ein kleines Muster davon erlebten die Börsen letzte Woche, als sich die Aktienpreise aufgrund eines angeblich in Schieflage geratenen Hedge Funds rasch auf Talfahrt begaben.

Die chinesische Wirtschaft war in der jüngsten Vergangenheit jene, die das globale Wachstum trug. Mit dem PMI Wert nahe bei 50 befindet sie sich nun zurück auf schmalem Grat und ist wieder anfälliger geworden. Grosse Rückschläge sind kaum verkraftbar, sollte sich die Wirtschaft einer anderen Region weiter abschwächen. Möglichkeiten für einen derartigen Schock gibt es genug. Noch ist der Wahlausgang in Italien unklar. Wird die neue Regierung den Reformprozess im Land nicht wie bisher fortführen, droht die erneute Entfachung der Euro-Schuldenkrise.
Ein weiterer Schock droht noch diese Woche aus den USA. Sollten die Abgeordneten des Kongresses bis Ende dieser Woche keinen Kompromiss beim Thema Staatshaushalt finden, drohen immense Ausgabenkürzungen. Selbst Präsident Obama warnte am Rande eines Treffens mit dem Regierungschef von Japan, Shinzo Abe, dass die Ausgabenkürzungen in den USA das Wirtschaftswachstum auch im Ausland verlangsamen könnte. Würde wie am Jahresende auf Zeit gespielt, hätte dies wiederum weitreichende Folgen. Unternehmen nehmen eine abwartende Haltung ein und machen ihre Investitionsentscheide von diesem Ereignis abhängig.

Weisen Rohstoffpreise den Weg

Seit Jahresbeginn zeigen die Aktienmärkte weitgehend starke Zuversicht für die globale Wirtschaftsentwicklung. Der MSCI World legte um über 6% zu. Einzelne Indizes stiegen in der kurzen Periode sogar um über 10% (SMI, Nikkei). In Amerika legte der S&P 500 über 6% zu, in Europa stieg der FTSE 100 über 8%. Die Börsen der Euroländer hinkten etwas hinterher, wobei auch sie Gewinne verzeichneten.

Die Rohstoffpreise zeigten bis vor kurzem eine parallele Entwicklung. So stieg der Ölpreis für ein Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI) seit November 2012 von USD 85 gegen 98 Dollar pro Fass. Ähnliche Preisentwicklungen waren bei Industriemetallen und einzelnen Edelmetallen wie Platin und Palladium zu beobachten.
Bei der Anlagekategorie Rohstoffe drehte jedoch der Trend im Laufe der letzten Woche. Während die Aktien- und Bondmärkte aufgrund der immensen Geldschwemme verbunden mit den Anleihekäufen der Zentralbanken ein verzerrtes Bild aufweisen, geben die Rohstoffmärkte ein besseres Bild der wirtschaftlichen Lage und Einschätzungen wieder. Investoren und Unternehmen gaben sich zu Jahresbeginn sehr optimistisch über das zukünftige Wirtschaftswachstum. Die breit abgestützte Euphorie weicht seit kürzerem wieder vermehrt einzelner skeptischer Stimmen, was sich in den Rohstoffpreisen widerspiegelt.
Gleichzeitig konsolidierten die Aktienmärkte auf dem hohen Niveau, mehrheitlich mit weiter steigenden Tendenz. Mit fehlenden richtungsweisenden Faktoren spitzte sich die Situation jedoch immer weiter zu. Hält eine solch angespannte Phase an, braucht es oft nur einen kleinen Auslöser, der den Märkten den weiteren Verlauf in die eine oder andere Richtung aufzeigt.
Der Trigger kam gestern einerseits mit dem Gerücht, dass ein grösserer Hedgefonds in den USA gezwungen ist seine Positionen in Rohstoffen in grossem Stil aufzulösen. Darauf gaben die Preise der Rohstoffe verbreitet stark nach. Am Ölmarkt kam es am Nachmittag innerhalb von rund zehn Minuten zu einem Preissturz um mehr als 2 Dollar pro Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI). Dies verunsicherte ebenso die Aktienmärkte, die darauf ihre Gewinne mehrheitlich einbüssten.
Unterstützt wurde dieser Trend später durch die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed. Wie aus dem Protokoll zur Januar-Sitzung hervorging, sind die Notenbanker zunehmend besorgt über den aggressiven geldpolitischen Kurs. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses diskutieren offenbar weiter über ein früheres Ende des erst im Dezember beschlossenen Anleihekaufprogramms (QE3), sollte sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiter erholen. Positive Signale aus der Wirtschaft, wären dann Gift für die Aktienmärkte, sind sie vom ersten Moment an mit der Geldschwemme in die Höhe getrieben worden.

Die heute Nachmittag anstehenden Wirtschaftszahlen aus den USA von Unternehmensseite könnten den Weg für die nächsten Tage und sogar Wochen weisen. Waren die Unternehmen zu Beginn des Jahres weitgehend optimistisch, zeigt sich nun, ob dieser Trend anhält. Sollte sich das Bild der heute Morgen publizierten Wirtschaftsindikatoren aus Europa gleichen, muss mit einer Eintrübung gerechnet werden.
Somit ist weiterhin von einer lockeren Geldpolitik auszugehen. Die Aktienmärkte reagieren jedoch nicht mehr derart stark darauf wie noch zu Beginn beim QE1 bzw. QE2. Das Wirtschaftliche Umfeld wird wieder stärker im Entscheid beim Aktieninvestment gewichtet.

Das Szenario der sich eintrübenden Wirtschaft ist aufgrund von weiterhin bestehenden Unsicherheiten höher zu werten. Kurzfristig sind die Wahlen in Italien und Zypern am kommenden Wochenende im Brennpunkt. Mittelfristig braucht die USA bis ende März eine Lösung im Budgethaushalt, Mitte Mai läuft das vorübergehende Gesetz aus, welches das Schuldendach von USD 16.4 Bio. aussetzt, in China werden Stimmen laut, die auf eine Überhitzung des Immobilienmarktes hinweisen und Europa braucht weiterhin eine Lösung der Schuldenproblematik.

Aus derzeitiger Sicht könnten beide Wirtschafts-Szenarien kurzfristig die Kauffreude bei Aktien eintrüben bzw. die Realisierung von Gewinnen und somit eine Korrektur auslösen.