Korrektur voraus? Folgt bald der grosse „Ever“-Schock?

Im Jahr 2021 sorgten, nebst dem allgegenwärtigen Thema der Corona-Pandemie, unter anderem die Ereignisse rund um die beiden „Ever’s“ kurzzeitig für Unruhen an den internationalen Finanzmärkten.
Just zum Jahresstart taucht einer dieser Ever’s mit potenzieller Brisanz wieder in den Schlagzeilen auf. Gerade aktuell, zum ersten Handelstag an den internationalen Finanzmärkten im Jahre 2022, melden die Medien vor wenigen Stunden, dass die Aktien von Evergrande an der Börse in Hong Kong erneut vom Handel ausgesetzt wurden. Der Grund ist bisher noch nicht bekannt. Das Unternehmen wird wohl in Kürze Informationen publizieren. Vorerst reagierten die Finanzmärkte nicht oder gelassen auf die News, wobei einige Börsen heute noch Feiertagsbedingt geschlossen sind.

„Ever“ wie Evergrande und China

Bereits im Oktober 2021 waren die Titel vom Handel ausgesetzt als der Immobilien-Riese Evergrande für einen der „Ever“-Schocks sorgte. Das hochverschuldete, in China angesiedelte Unternehmen kam in Zahlungsschwierigkeiten und scheint nicht in der Lage zu sein sämtliche zugesagten Häuser und Wohnungen fertigzustellen. Die Schulden des Bauentwicklers belaufen sich auf rund USD 300 Milliarden. Davon stammen rund USD 19 Milliarden Schulden aus ausländischen Anleihen. Im Dezember konnte das Unternehmen eine Zinszahlung von USD 82.5 Millionen nicht begleichen.
Ob der Immobilien-Riese Evergrande sich jemals aus der Schlinge ziehen kann, ist höchst ungewiss. Das Unternehmen ist abhängig von seinen Investoren, ob sie sich bereit erklären, gewisse Verluste zu tragen, nötigenfalls das Unternehmen mit einer grossen Menge an frischem Kapital auszustatten, notfalls vielleicht sogar gestützt durch den chinesischen Staat um einen potenziellen Kollaps des gesamten Immobiliensektors zu verhindern. Zusammen mit Evergrande könnten nämlich auch weitere Immobilien Unternehmen in Schieflage geraten, ausgelöst durch das schwindende Vertrauen der Investoren. Das Risiko eines Spillover Effekts auf das ganze Finanz- und Bankensystems und somit auf die ganze chinesische Wirtschaft gilt es zu vermeiden. Der Immobilien-Sektor generiert immerhin rund einen Viertel des chinesischen Bruttoinlandproduktes. Wäre die Regierung dazu bereit den ohnehin überhitzten Immobilien-Sektor zu stützen oder allenfalls die negativen Konsequenzen zu tragen?

Unabhängig des weiteren Ausgangs von Evergrande bleibt China aus verschiedenen Gründen vorerst eine gewisse Blackbox. Zum einen, ist es der Immobilien-Sektor, der wie die Aktualität aufzeigt, auch dieses Jahr gewisse Risiken für diese Region birgt. Zum anderen erfolgten während der letzten Monate immer wieder überraschend Eingriffe der chinesischen Regierung bei Unternehmen mit einer gewissen Grösse und Marktmacht wie zum Beispiel bei Alibaba. Jack Ma, der Gründer dieses Unternehmens, verschwand nach Kritik der chinesischen Regierung urplötzlich und tauchte erst Wochen danach wieder auf.
Mit einem solchen Vorgehen setzt die Regierung das Vertrauen der Investoren immer wieder aufs Neue auf den Prüfstein. Darunter leiden insgesamt die Aktienkurse chinesischer Unternehmen deutlich. Insbesondere auch jene, die an ausländischen Börsen wie zum Beispiel in den USA kotiert sind, aufgrund aufkommender Gerüchte einer möglichen Dekotierung an diesen Märkten gelisteter Unternehmen.

„Ever“ wie Ever Given

Für den zweiten „Ever“-Schock im letzten Jahr sorgte eines der weltweit grössten Frachtschiffe. Das mit fast 20’000 Containern beladene Schiff Ever Given blockierte im März 2021 für 6 Tage den Suezkanal und sorgte somit für einen Unterbruch der Lieferketten, insbesondere von Ost nach West. Für die europäische Wirtschaft und Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihre Liefer- und Produktionsprozesse bis zum äussersten optimierten, um so eine kostspielige Lagerhaltung zu umgehen, ein kurzfristig kleiner Schock und eine Herausforderung, die sonst schon durch die Pandemie angespannten Lieferengpässe zu managen. In Europa gingen manche Produkte aus, in China fehlten die leeren Container für eine Wiederbeladung. Nachfrageüberhang, höhere Frachtkosten ausgelöst durch fehlende Kapazitäten und höhere Energiepreise, ein guter Nährboden für ein inflationäres Umfeld.

Ende des Superzyklus?

Nicht nur das «Ever» haben diese beiden Ereignisse gemeinsam. Beide Events tauchten plötzlich und unerwartet auf. Es sind solche Events, die bei den Investoren die entscheidende Frage aufwerfen, ob dies nun das Ende des vor gut einem Jahrzehnt begonnen wirtschaftlichen Superzyklus einleiten könnte.
Die Folge, ein rasches Hochschnellen des Pulses und Nervosität bei Investoren aufgrund dieser Unsicherheiten. Dies ist normalerweise kein guter Nährboden für positive Aktienkurse. Hedge Funds wissen gezielt mit solchen Situationen umzugehen, verstärken mit ihren Wetten auf sinkende Märkte den Abgabedruck, weshalb wir in solchen Szenarien kurzfristig starke Ausschläge sowohl der Aktienkurse nach unten wie auch bei der Volatilität beobachten können. Zuletzt war das wirtschaftliche Umfeld und Finanzsystem stabil genug einen solchen kleineren Schock aufzufangen. In der Folge reagierten die Märkte rasch mit einer Gegenbewegung. Kurze Zeit danach erreichten gewisse Indizes immer wieder neue Höchstmarken.

Eine weitere gewichtige Rolle spielen die Zentralbanken, welche unter anderem mit ihren geldpolitischen Entscheiden und Massnahme zur Stabilisierung der Wirtschaft, diesen Superzyklus der letzten Jahre einleiteten und über die Jahre unterstützten. Die Herausforderung ist es nun, die über das letzte Jahrzehnt eingeschossene Liquidität langsam und ohne grosse Nebengeräusche aus den Märkten abzuziehen, um so einerseits eine mögliche Überhitzung des Systems, andererseits einen kapitalen Absturz der Märkte zu vermeiden. Die Lösungsansätze sind vorhanden, jedoch deren Umsetzung und Zeitplan ungewiss. Die amerikanische Zentralbank Fed hat erste Massnahmen in diese Richtung beschlossen und kommuniziert. Die Europäische Zentralbank EZB und weitere Zentralbanken werden hier noch zuwarten.
Diese Ausgangslage birgt natürlich einige Risiken, und könnte stets von neuem für Unsicherheiten sorgen und somit neue Nervosität bei Investoren auslösen.

Eine weitere Herausforderung in diesem Jahr werden die Lieferengpässe bleiben, welche für weiterhin, jedoch vorübergehend für inflationären Druck sorgen. Unternehmen mussten aufgrund fehlender Teile ihre Produktionen drosseln und Kunden mit der Auslieferung ihrer Produkte vertrösten. Automobilhersteller zum Beispiel leiden seit einigen Monaten bereits unter dem weiterhin vorherrschenden Chipmangel. Unternehmen beginnen deshalb ihre «just in time» Produktionsprozesse umzustellen und wie früher gewisse Produktkomponente in ihren Lagern aufzustocken. Damit wollen sie solche Einschränkungen in ihrem Businesszweig in Zukunft aus dem Weg schaffen. Dies sorgt jedoch zusätzlich für einen kurzfristig anhaltenden Nachfrage-Überhang und erhöht überdies den Druck auf die aktuell vorherrschenden Lieferengpässe.

„Mein“ Portfolio

Je nach Ausgangspositionierung in einem Portfolio eines Anlegers, können abhängig von Ereignissen, Newsflows etc. Massahmen und Änderungen in der Positionierung vorgenommen werden, stets der entsprechenden Situation angepasst. Gibt es Anzeichen einer kurzfristig aufkommenden Unsicherheit, ist eine Reduktion der Risiken, meist Verkauf von Aktien, nicht unbedingt der geeignetste Weg für einen langfristig gute Performance.
Solche und viele weitere Themen der Anlagethematik werde ich im Laufe der Zeit hier aufzeigen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es nicht nur das eine, richtige Portfolio gibt. Dieses ist stets an den Bedürfnissen des Anlegers und aktuellen Ereignisse auszurichten.

Sollte Evergrande in Kürze Klarheit über den weiteren Ausgang schaffen und ist man in seinem Portfolio noch nicht in China investiert, könnte das derzeitige Umfeld für ein langfristige Positionierung genutzt werden, mit einer selektiv ersten Tranche als Einstieg. Chinesische Leitindizes gehörten im Jahr 2021 zu jenen mit der schlechtesten Performance. Obgenannte Ereignisse und Faktoren haben dafür gesorgt, dass Investoren ihr Exposure in dieser Region in Vergangenheit eher reduzierten.
Jedoch weist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt mit eine BIP von rund USD 15 Billionen und mit aktuell rund 5%, weiterhin einer der grössten Wachstumsraten auf. Davon profitiert ein Grossteil der chinesischen Unternehmen und somit auch ihre Aktionäre. Es gilt jedoch die zu beachten, dass gewisse Produktionsaufträge zukünftig weg von China in andere Regionen verlagert werden. Faktoren sind einerseits die über die Jahre hinweg gestiegenen Produktionskosten aufgrund steigender Löhne und Energiepreise. Andererseits könnten global aufgestellte Unternehmen bestrebt sein, ihre Abhängigkeit von China etwas zu reduzieren.
Viele dieser potenziell negativen Szenarien sind bereits heute in Kursen chinesischer Titel enthalten. Dies vermindert einerseits die Risiken von grösseren Rückschlägen und lässt andererseits Raum für positive Überraschungen.

Der Januar gehört grundsätzlich zu einem der besten Börsenmonaten. Auch für 2022 stehen die Zeichen grundsätzlich auf positive Performance für den ersten Börsenmonat des Jahres. Es gilt jedoch neu aufkommende und entscheidende News wie jene von Evergrande für eine weitere Beurteilung kurzfristig abzuwarten.
Nicht voraussehbare Ereignisse, die im grösseren Stil auf Makroökonomischer Ebene für eine neue Ausgangslage sorgen könnten, gilt es jeweils zu analysieren und die mögliche Reaktion der Investoren abzuschätzen, um danach die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechenden Investmententscheide zu fällen.

Erinnerungen an August 2011

Der am 3. Juni 2013 publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex der US-Industrie für den Monat Juni verheisst nichts gutes für die US-Konjunktur. Der Wert lag mit 49.0 Punkten überraschend deutlich unter der wichtigen 50er-Marke. Von Experten wurde ein Wert von 50.6 erwartet nach 50.7 Punkten im Vormonat. So tief war der Wert letztmals im August 2009. Damals allerdings kam der Index vom Tiefststand her im Januar und mündete in den Folgemonaten im Aufschwung, der bis zum Ausbruch der Euro-Krise anhielt.

Die Situation heute erinnert nicht etwa an August 2009 sondern eher an den Zeitpunkt vom 1. August 2011. Der damals publizierte ISM-Einkaufsmanagerindex zeigte ebenfalls einen enttäuschenden Wert von 50.9 Punkten nach 55.3 Punkten im Vormonat. Erwartet wurde der Index bei 55.0 Zählern. Obwohl der Wert noch über 50 lag erachteten die Investoren nach den Höchstständen bei gewissen Indizes die Gewinne einzufahren und ihre Positionen im grossen Stil aufzulösen. Daraus resultierte der markante Einbruch der weltweiten Indizes.
Auch heute befinden sich Indizes wenige Tage von ihren Rekordhochs (z.B. Dow Jones Industrial, Dax) oder von Höchstständen nach einer Periode mit starker Performance (z.B. SMI, Nikkei) entfernt. Gleichzeitig verweilte auch damals die Volatilität auf tiefen Niveaus bis genau zu diesem Tag hin, als sie mit den negativen Nachrichten stark nach oben schnellte.

Anders als heute, stand die USA im August 2011 am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Erst in letzter Sekunde wurde die Schuldendecke angehoben. Diesen Event haben wir in diesem Jahr nun bereits hinter uns, indem die US-Regierung im vergangenen März diese vorübergehend ausgesetzt hat und dafür Budgetkürzungen in Kauf nehmen musste. Somit könnten gerade diese Budgetkürzungen nun für den Einbruch bei der Industrie verantwortlich sein.
Ein weiterer Unterschied besteht im sog. Sentiment-Index, ein Stimmungsindikator bei den Investoren. Waren  diese 2011 im Zusammenhang mit der Euro-Krise und der US-Schuldenproblematik extrem pessimistisch (bearish), zeigt das Stimmungsbarometer heute einen sehr hohen (bullishen) Wert an. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank trägt hierzu sehr viel bei. Dieser Indikator wird normalerweise als Contrarian-Indikator eingesetzt. Somit wäre der aktuelle Stand als Verkaufs-Signal zu werten.

Es ist nun wichtig zu beobachten, wie die Marktteilnehmer auf den negativen ISM-Einkaufsmanagerindex reagieren werden. Die Geldschwemme der Zentralbank brachte bisher viel für die Aktienmärkte, jedoch wenig und nicht genug, um der US-Wirtschaft den notwendigen Schwung zu verleihen. Für weiter steigende Aktienkurse wäre ein solider Aufschwung definitiv kausal. Deshalb scheint sich das Börsensprichwort „sell in May and go away“ zumindest in den letzten Tagen zu bewahrheiten. „But remember to come back in September!“ Um festzustellen ob dem so sein wird, müssen die Märkte natürlich weiterhin genau verfolgt und bei Bedarf kurzfristig die notwendigen Massnahmen getroffen und umgesetzt werden.

Bernanke’s Worte entscheidend für die Wirtschaft?

Die Aktienmärkte warten heute Nachmittag gespannt auf die Rede des US-Notenbankchef Ben Bernanke und auf die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls des letzten Fed-Meetings von Ende April/Anfang Mai. Beides wird Auskunft über den weiteren Verlauf der dritten Geldmengenlockerung (Quantitative Easing 3) geben.

Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013
Gefälle der Enttäuschung: Verlauf Weltwirtschaft und Einkaufsmanager-Index (PMI) 2007-2013

Die globale Weltwirtschaft befindet sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008/09 wieder auf dem Wachstumspfad, wie die nebenstehende Grafik aufzeigt (Level oberhalb der Nulllinie = Wachstum). Nach anfänglich starkem Aufschwung reduzierte sich bis heute das Wachstumstempo leicht aber stetig.

Die Einkaufsmanager-Indizes (PMI), die als Frühindikatoren für den Wirtschaftsverlauf gelten (vgl. dazu Wissenswertes – Purchase Mangers‘ Index (PMI)), bewegen sich in einem vergleichbaren Trend.
Die durch die US-Notenbank Fed zwischen 2010 bis 2012 bekannt gegebenen monetären Lockerungen (sog. Quantitative Easing 1-3) führten jeweils zu einem klar erkennbaren Anstieg des PMI (letzte drei Wellen). Die Intensität für ein optimistisches Bild nahm jedoch bei der letzten Lockerung im Vergleich zu den ersten beiden Ankündigungen ab. Die Ernüchterung bei den Unternehmen folgte jeweils bereits wenige Monate darauf, was sich in einem fallenden PMI widerspiegelt.
Gleichzeitig gelang es der Weltwirtschaft nie ihre Wachstumsraten deutlich zu erhöhen. Im Gegenteil, das Weltbruttoindlandsprodukt (BIP) folgt seit dem Jahr 2010 der fallenden Trendlinie des PMI. Werden die zahlreichen Anstrengungen der verschiedenen Notenbanken (u.a. Fed, EZB, BoJ) zur Ankurbelung der Wirtschaft bei der Beurteilung herangezogen, fällt das Resultat ernüchternd aus. Die Frage ist natürlich berechtigt, wo stünde heute das globale BIP, hätten die Notenbanken nicht zu den drastischen Massnahmen gegriffen.

Klar ist, dass mit den Ankündigungen der Notenbanker das Vertrauen an die Finanzmärkte zurück kam und mit ihm die steigenden Aktienkurse. Dazu beigetragen haben sicher auch die soliden Bilanzen und die besser als erwartet ausgewiesenen Gewinne der Unternehmen. Den grössten Effekt jedoch brachten die enormen, von den Zentralbanken auf den Markt geschütteten Geldmengen. Folglich werden die heute veröffentlichten Details zur Strategie des Fed kurzfristig viel mehr für die Aktienmärkte als für die globale Wirtschaft  richtungsweisend sein.
Folgen nicht bald klare Impulse droht die globale Wirtschaft in eine Situation der Lethargie zu verfallen und die Unternehmen werden sich weiterhin mit neuen Investitionen zurückhalten. Aufgrund der dadurch fehlenden Umsatzsteigerungen einerseits und den in den letzen Jahren ausgereizten Bemühungen zur Kostensenkung andererseits, werden die angestrebten Gewinnwachstumsziele nicht zu erreichen sein. Folglich wird früher oder später diese Entwicklung auf die Aktienmärkte durchschlagen.
Für die Zentralbanken bleibt weiterhin die Herausforderung, die Wirtschaft wieder aus dieser fragilen Umgebung zu führen. Die Mittel hierzu sind jedoch auch für den US-Notenbankchef Ben Bernanke praktisch ausgereizt.

Technik vs. Makro – wer dominiert?

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden fast täglich neue Höchst- und Rekordstände von Indizes gemeldet. Seit dem Zwölfjahres Tief im März 2009 ist der S&P 500 um 146% gestiegen und weilt derzeit um die 1’670 Punkte. Getragen wurde der Aufschwung von Unternehmensgewinnen, die besser als erwartet ausgefallen sind. Die stärksten Impulse erwirkten jedoch die drei von der US Notenbank Fed lancierten Bond Kaufprogramme (Quantitative Easing 1-3), letzteres hält derzeit noch. Auch andere Indizes von Industrieländern wie z.B. der Dax markieren neue Höchststände während die meisten Börsen der Entwicklungsländer nicht in demselben Masse am Aufschwung partizipiert haben.

Makroökonomische Indikatoren
Neben dem Fed sorgte auch in Europa und Japan die Notenbanken für hohe Liquidität an den Märkten. Die EZB senkte den Leitzins auf ein Rekordtief von 0.50%. Seither wurden weltweit auch in anderen Ländern, u.a. in Australien, Israel, Indien und Südkorea, zum Teil überraschend die Zinsen als Folge von anhaltenden negativen Konjunkturnachrichten weiter gesenkt. Auffällig, dass sowohl zurückliegende makroökonomische Indikatoren als auch Früh-Indikatoren unter den Erwartungen lagen und sich somit eingetrübt haben. Gemäss ersten Rechnungen ist Europa im ersten Quartal um 0.2% geschrumpft. Selbst die Wirtschaft in Deutschland, der bisher starke Motor innerhalb der EU, kann sich je länger die Krise dauert, nicht mehr dem leichten Abwärtstrend entziehen. Mit dem schwächeren Start in das Jahr 2013 trübten sich auch die Früh-Indikatoren, die sog. Einkaufsmanager-Indizes (PMI) zuletzt weiter ein. Wie sich die Stimmung bei den Unternehmen weiter entwickelt, wird in den kommenden Tagen interessant zu beobachten sein. Insgesamt werden leicht bessere Levels für den Monat Mai im Vergleich zum Vormonat erwartet.

Technische Indikatoren
Unbeachtet dessen treiben gegenwärtig kurz- und mittelfristige technische Indikatoren die Indizes weiter nach oben. Kurzfristig hat z.B. der Dax 11 Tage in Folge positiv geschlossen (Stand 21.05.13). Der Stoxx Europe 600 verzeichnete bereits im Februar den neunten Monatsgewinn in Folge und damit die längste Gewinnserie seit dem Jahr 1997. Seither kamen zwei neue positive Monate hinzu. Dass ein solcher Trend lange anhalten kann zeigte der Einzeltitel Apple (vgl. langfristiger Chart von Apple). Seit Herbst 2008 wurde der Titel fast unaufhaltsam in die Höhe getrieben, bis dieser im Herbst 2012 die Marke von über USD 700 erreichte.

Entsteht einmal ein solcher Trend bzw. technisches Momentum, braucht es einiges an Widerstand um dieses auch wieder zu durchbrechen. Der Zeitpunkt ist oft nicht genau vorhersehbar, ausser es bietet sich ein unerwarteter Auslöser an. Wie das Beispiel von Apple zeigt, erfolgt dann eine solche Gegenbewegung rasch. Der Titel verlor ohne nennenswerte Ereignisse in einem kurzen Zeitabschnitt von sieben Monaten 50% seines Wertes. Die Bodenbildung scheint nun in diesen Wochen zu erfolgen.

Fazit
Generell unterstützt ein tiefes Zinsniveau die Investitionen in Aktien, da sonst weniger Risiko behaftete Anlagen wie Obligationen mit ihren Renditen weniger attraktiv erscheinen. Zumal sich  die Zinsen bereits über längere Zeit auf Rekordtiefs befinden und somit Obligationen im Investmentgrade-Bereich z.T. sogar negative Realrenditen aufweisen, sehen momentan viele Investoren Aktien trotz vielen unsicheren Faktoren (Schuldenkrise, globaler Konjunkturverlauf 2013, Rekordarbeitslosigkeit,  Ausblick der Unternehmer etc.) als einzige Anlageklasse.
Gerade die tiefen Zinsen weisen auf die schlechte Situation der Konjunktur hin. Die europäische Zentralbank hat beim Zinsniveau noch etwas Luft und senkte im Mai den Leitzins um ein Viertel-Prozent auf 0.5%. Dies in der Hoffnung die konjunkturelle Situation in Europa würde sich damit verbessern, nachdem die rekordtiefen Zinsen über die längere Zeitspanne bisher nicht den Aufschwung brachten.  In den USA und Europa zeigen die vergangenen Monate seit Ausbruch der Krise auf, dass im vorherrschenden Umfeld  der positive Effekt niedriger Zinsen auf die Konjunkturentwicklung marginal ist. Die Liquidität gelangt nicht bzw. zu wenig wie gewünscht und üblich in den Wirtschaftskreislauf in Form von Krediten an Unternehmen. Die Banken scheinen weiterhin risikoavers bei der Kreditvergabe und die Unternehmen selbst können sich direkt am Markt sehr günstig mit frischem Kapital eindecken.

Das technische Momentum kann nicht anhaltend sein und wird demnächst, zumindest vorübergehend, nachlassen. Indikatoren weisen auf einen überkauften Markt hin. Sollte der Trend brechen, müssen die Marktteilnehmer sich auf neue Argumente stützen, die ihre hohen Anteile an Aktien in ihren Portfolios rechtfertigen. Vielleicht wird ihnen dann wieder bewusst, wie es um die derzeitige Realwirtschaft steht und sie stossen zumindest einen Teil ihrer Aktienpositionen wieder ab.

Erzielt das Fed den gewünschten Effekt?

Das Fed hält derzeit an seinem Programm für Anleihekäufe fest. Die Massnahmen haben zum Ziel der Konjunktur neuen Schwung zu verleihen. Mit dem Kauf der Treasuries (US Staatsanleihen) werden künstlich die Zinsen auf tiefem Niveau gehalten. Tiefe Zinsen sollen für ein freundliches Investitionsklima sorgen. Zudem soll die damit erzeugte Geldmenge Banken zur Kreditvergabe animieren, damit sich auch der Investitionsprozess der Unternehmen, die sich günstiges Geld ausleihen können, in Gang setzt. Das Endziel besteht in der Ankurbelung der Wirtschaft, dem Schaffen neuer Arbeitsplätze und somit der Reduktion der derzeitig hohen Arbeitslosigkeit.

Doch die weiterhin steigenden Überschussreserven der Banken in der Höhe von über USD 1.8 Bio. beim Fed zeigen, dass die Absicht des Fed nicht in der wohl erhofften Grössenordnung stattfindet. Die Banken parkieren ihre flüssigen Mittel lieber risikolos bei der US-Notenbank und erhalten dafür aktuell 0.25% Zins, anstatt das Geld mit einem gewissen Risiko in Form von günstigen Krediten den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Somit gerät das Geld nicht wie derzeit erhofft in den Wirtschaftskreislauf, sondern fliesst zurück ans Fed selbst.

Wann erfolgt die Korrektur?

Die Aktienrally hält seit Jahresbeginn fast unvermindert an. Es sind dies vor allem die Börsen der Industrieländer wie den USA, Japan und Grossbritannien, Australien, Neuseeland und die Schweiz, die bis zu zweistellige Performance-Zuwächse im bald ablaufenden ersten Quartal 2013 aufweisen. Die Schwellenländer hingegen machten bisher diese Bewegung nicht mit, im Gegenteil, sie zeigen z.T. zweistellige Verluste wie z.B. Brasilien oder Russland. Selbst der Hang Seng in China schafft es bisher nicht in den grünen Bereich, gilt China weiterhin als Wachstumsmotor für die globale Konjunktur. Die Unsicherheiten überwiegen.

Jene Investoren, die das Risiko in Kauf genommen haben und Ende letzten oder zu Beginn diesen Jahres eingestiegen sind, liessen sich vom günstigen Geld und von der Überlegung leiten, dass aufgrund von fehlenden Renditen die Aktien die einzige Anlagekategorie sei. In der Folge wurden die Anteile an Aktien in den Portfolios erhöht. Ein trügerisches Fazit, werden dadurch in unsicheren Zeiten, welche die tiefen Zinsen, die fallenden Rohstoffpreise und die erneut aufflammenden Krisen widerspiegeln, die Risiken in einem Portfolio erhöht.

Im Zeitraum von Januar bis Februar waren tatsächlich vermehrt Inflows in die Aktienmärkte zu verzeichnen. Die Volumen blieben aber im Vergleich weiterhin gering, heisst viele grosse Investoren blieben weiterhin an der Seitenlinie. Damit verpassten nicht nur sie das für alle überraschend starke bisherige Aktienrally. Nach der Endjahres-Rally im kürzlich abgelaufenen Jahr haben sich viele Investoren zurückgehalten, in der Überzeugung, dass aufgrund der weiterhin anstehenden Unsicherheiten, eine Korrektur folgen sollte. Doch diese Korrektur blieb für die Mehrheit überraschend, bisher aus.

Im Laufe diesen Monats sind vermehrt Stimmen im Markt zu vernehmen, dass eine solche Korrektur gänzlich ausbleiben wird. Aus Angst weitere Performance zu verpassen gibt es nun Investoren, die in letzter Minute noch auf den Zug aufspringen. Grund dürfte auch das anstehende Quartals-Reporting sein, in dem keine tiefe Aktienquote ausgewiesen werden soll. „Man war bei der Rally dabei.“ Die Performance wird jedoch diese Entwicklung nicht derart mitgemacht haben.

Ein solches Verhalten, dem Markt nachzurennen, birgt sehr hohe Risiken und die Wahrscheinlichkeit, dass gerade kurz vor einer Korrektur der Einstieg erfolgt. Deshalb ist dies absolut zu vermeiden. Lag man aufgrund überzeugender Argumente falsch und hat demnach sein Aktien Exposure nicht erhöht, was in diesem Fall der bessere Entscheid gewesen wäre, so ist der geeignete Zeitpunkt abzuwarten. Dann ist die Massnahmen nachzuholen, sofern dies der Ausblick dann noch rechtfertigt.

Nach den Wahlen in Italien konnte auch die Zypern-Krise diese Korrektur (noch) nicht auslösen. Mit jedem solchen Ereignis steigt jedoch die Unsicherheit bei Unternehmen und Konsumenten, die sich weiterhin mit Investitionen zurück halten. Erste Anzeichen, dass dem tatsächlich so ist, gibt es bereits. Eine schwaches Wirtschaftsumfeld, wie es derzeit vorherrscht, ist dann auf solche Szenarien sehr anfällig und ein deutlicher Rückschlag droht. Verstärken sich die Signale in den nächsten Tagen und Wochen, muss definitiv mit einer Korrektur an den Aktienmärkten gerechnet werden. Deshalb ist zu empfehlen, sich eher auf eine Korrektur als auf den Aufbau von weiteren Risikopositionen vorzubereiten.

Folgt die Herabstufung der USA

Derzeit überraschend besser ausfallende US-Konjunkturdaten täuschen über die angespannte Situation hinweg, was bereits am Wochenende oder in den folgenden Tagen danach auf die Marktteilnehmer zukommen könnte. Einigen sich die Demokraten von US-Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht noch in letzter Minute, treten die Ende Dezember verschobenen zwangsmässigen Ausgabenkürzungen in Höhe von USD 85 Milliarden in Kraft. Damit wären nahezu alle Bundesbehörden in diesem Haushaltsjahr, das bis Ende September läuft, gezwungen ihre Budgets bis zu acht Prozent zu kürzen. Die automatischen Kürzungen, als „Sequester“ bekannt, wurden im Sommer 2011 vom Kongress beschlossen. Sie sollen insgesamt USD 1.2 Billionen in zehn Jahren einsparen. Der „Sequester“ ist aber ein Teil des gesamten Haushaltstreits. Kurzfristig müssen weiter Hürden genommen werden: bis zum 27. ist ein zeitlich befristeter Budgetplan zu verlängern, damit der Bund seine Rechnungen auch weiter bezahlen kann; bis zum 19. Mai muss die Schuldengrenze erhöht werden, da sonst der Staatsbankrott droht.

Ökonomen warnen, dass die Einschnitte die US-Konjunktur und jene anderer Länder schwer schaden könnten. Insgesamt stünden bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Auswirkungen wären jedoch nicht schlagartig spürbar. Obama meinte, es sei keine Klippe, sondern ein „Abwärtstaumel“.

Die Situation erinnert an Ende Juli Anfang August  2011, als die Politiker in den USA sich erst in letzter Minute auf die Erhöhung des Schuldendachs einigten. Wenige Tage später folgte der Verlust des Top-Ratings der USA. Bereits haben die Rating-Agenturen mehrmals eindringlich vor einer erneuten Herabstufung der Bonität gewarnt.
Nachdem die Rating-Agentur Standard & Pools (S&P) von den USA angeklagt wurde, stehen die drei grössten Rating-Agenturen S&P, Moody’s und Fitch in besonderem Spannungsfeld, wenn nicht sogar in einem gewissen Interessenkonflikt. Entschliessen sie sich für eine Herabstufung, schaden sie ihrem „eigenen“ Land und ziehen damit den Unmut der ganzen Nation auf sich. Behalten sie ihre aktuellen Einstufungen bei, gehen sie das Risiko von möglichen weiteren Klagen zu einem späteren Zeitpunkt ein, wie dies eben im Fall von S&P aus den eigenen Reihen widerfahren ist.

Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung auf einen Kompromiss im Budgetstreit sank kontinuierlich. Seit dem Hinauszögern des Entscheids um zwei Monate änderte sich nichts an den weit auseinander liegenden Ansichten beider Parteien. Auch ein letzter Ausweg einer erneuten Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt lässt keine Hoffnung auf eine grössere Chance in einer Annäherung und finalen Lösung aufkommen.
Mit einer Herabstufung der Bonität der USA kann bereits ab morgen Freitag nach Marktschliessung gerechnet werden. Bisher kamen sämtliche wichtige Ankündigungen der Rating-Agenturen aufs Wochenende hin. Die Märkte dürften diese Nachrichten kaum in positiver Form aufnehmen.

Unsichere Signale aus China

Der heute Morgen von China präsentierte Einkaufsmanagerindex der Industrie (PMI) für den Monat Februar lag mit einem Wert von 50.4 tiefer als erwartet (52.2) und sank gegenüber Januar vom Level 52.3 um 1.9 Punkte. Dies ist der tiefste Stand seit vier Monaten. Damit hat sich das Wachstum der chinesischen Industrie deutlich verlangsamt. Allerdings liegt der Index noch über der Schwelle von 50, die Wachstum von Kontraktion trennt. Inwiefern das chinesische Neujahrsfest zu Beginn des Monats diesen Wert beeinträchtigt hat, kann erst mit der neuen Publikation im März beurteilt werden. Der PMI gilt als Frühindikator und ist somit ein Indiz für die noch für denselben Monat folgenden Wirtschaftszahlen.

Im Markt überwog heute jedoch die Spekulation über einen neuen Notenbankchef in Japan, was die Märkte in Asien und anfänglich in Europa beflügelt hat. Premierminister Shinzo Abe könnte Haruhiko Kuroda zum neuen Chef der Bank of Japan (BoJ) ernennen. Er gilt als Vertreter der aggressiven Lockerung der Geldpolitik. Dies wäre gleichbedeutend mit einer weiteren Schwächung des Yen. Davon würde wiederum die japanische Export-Industrie stark profitieren. In Tokio wurde diesbezüglich in den letzten Tagen und Wochen bereits sehr viel in den Aktien eingepreist.

Der heutige Tag zeigt, dass im derzeitigen euphorischen Umfeld Gerüchte stärker gewichtet werden als präzisere Stimmen aus der Wirtschaft. Ein Umstand der auf den heutigen Niveaus der Aktienindizes aufhorchen lässt.
Die Märkte können in einer solchen Phase den Trend für eine gewisse Zeit ohne weiteres fortsetzen. Jedoch vergrössert sich mit jedem weiteren Tag die Wahrscheinlichkeit für Rückschläge, ausgelöst dann durch eher nebensächliche Ereignisse. Ein kleines Muster davon erlebten die Börsen letzte Woche, als sich die Aktienpreise aufgrund eines angeblich in Schieflage geratenen Hedge Funds rasch auf Talfahrt begaben.

Die chinesische Wirtschaft war in der jüngsten Vergangenheit jene, die das globale Wachstum trug. Mit dem PMI Wert nahe bei 50 befindet sie sich nun zurück auf schmalem Grat und ist wieder anfälliger geworden. Grosse Rückschläge sind kaum verkraftbar, sollte sich die Wirtschaft einer anderen Region weiter abschwächen. Möglichkeiten für einen derartigen Schock gibt es genug. Noch ist der Wahlausgang in Italien unklar. Wird die neue Regierung den Reformprozess im Land nicht wie bisher fortführen, droht die erneute Entfachung der Euro-Schuldenkrise.
Ein weiterer Schock droht noch diese Woche aus den USA. Sollten die Abgeordneten des Kongresses bis Ende dieser Woche keinen Kompromiss beim Thema Staatshaushalt finden, drohen immense Ausgabenkürzungen. Selbst Präsident Obama warnte am Rande eines Treffens mit dem Regierungschef von Japan, Shinzo Abe, dass die Ausgabenkürzungen in den USA das Wirtschaftswachstum auch im Ausland verlangsamen könnte. Würde wie am Jahresende auf Zeit gespielt, hätte dies wiederum weitreichende Folgen. Unternehmen nehmen eine abwartende Haltung ein und machen ihre Investitionsentscheide von diesem Ereignis abhängig.

Weisen Rohstoffpreise den Weg

Seit Jahresbeginn zeigen die Aktienmärkte weitgehend starke Zuversicht für die globale Wirtschaftsentwicklung. Der MSCI World legte um über 6% zu. Einzelne Indizes stiegen in der kurzen Periode sogar um über 10% (SMI, Nikkei). In Amerika legte der S&P 500 über 6% zu, in Europa stieg der FTSE 100 über 8%. Die Börsen der Euroländer hinkten etwas hinterher, wobei auch sie Gewinne verzeichneten.

Die Rohstoffpreise zeigten bis vor kurzem eine parallele Entwicklung. So stieg der Ölpreis für ein Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI) seit November 2012 von USD 85 gegen 98 Dollar pro Fass. Ähnliche Preisentwicklungen waren bei Industriemetallen und einzelnen Edelmetallen wie Platin und Palladium zu beobachten.
Bei der Anlagekategorie Rohstoffe drehte jedoch der Trend im Laufe der letzten Woche. Während die Aktien- und Bondmärkte aufgrund der immensen Geldschwemme verbunden mit den Anleihekäufen der Zentralbanken ein verzerrtes Bild aufweisen, geben die Rohstoffmärkte ein besseres Bild der wirtschaftlichen Lage und Einschätzungen wieder. Investoren und Unternehmen gaben sich zu Jahresbeginn sehr optimistisch über das zukünftige Wirtschaftswachstum. Die breit abgestützte Euphorie weicht seit kürzerem wieder vermehrt einzelner skeptischer Stimmen, was sich in den Rohstoffpreisen widerspiegelt.
Gleichzeitig konsolidierten die Aktienmärkte auf dem hohen Niveau, mehrheitlich mit weiter steigenden Tendenz. Mit fehlenden richtungsweisenden Faktoren spitzte sich die Situation jedoch immer weiter zu. Hält eine solch angespannte Phase an, braucht es oft nur einen kleinen Auslöser, der den Märkten den weiteren Verlauf in die eine oder andere Richtung aufzeigt.
Der Trigger kam gestern einerseits mit dem Gerücht, dass ein grösserer Hedgefonds in den USA gezwungen ist seine Positionen in Rohstoffen in grossem Stil aufzulösen. Darauf gaben die Preise der Rohstoffe verbreitet stark nach. Am Ölmarkt kam es am Nachmittag innerhalb von rund zehn Minuten zu einem Preissturz um mehr als 2 Dollar pro Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI). Dies verunsicherte ebenso die Aktienmärkte, die darauf ihre Gewinne mehrheitlich einbüssten.
Unterstützt wurde dieser Trend später durch die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed. Wie aus dem Protokoll zur Januar-Sitzung hervorging, sind die Notenbanker zunehmend besorgt über den aggressiven geldpolitischen Kurs. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses diskutieren offenbar weiter über ein früheres Ende des erst im Dezember beschlossenen Anleihekaufprogramms (QE3), sollte sich die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt weiter erholen. Positive Signale aus der Wirtschaft, wären dann Gift für die Aktienmärkte, sind sie vom ersten Moment an mit der Geldschwemme in die Höhe getrieben worden.

Die heute Nachmittag anstehenden Wirtschaftszahlen aus den USA von Unternehmensseite könnten den Weg für die nächsten Tage und sogar Wochen weisen. Waren die Unternehmen zu Beginn des Jahres weitgehend optimistisch, zeigt sich nun, ob dieser Trend anhält. Sollte sich das Bild der heute Morgen publizierten Wirtschaftsindikatoren aus Europa gleichen, muss mit einer Eintrübung gerechnet werden.
Somit ist weiterhin von einer lockeren Geldpolitik auszugehen. Die Aktienmärkte reagieren jedoch nicht mehr derart stark darauf wie noch zu Beginn beim QE1 bzw. QE2. Das Wirtschaftliche Umfeld wird wieder stärker im Entscheid beim Aktieninvestment gewichtet.

Das Szenario der sich eintrübenden Wirtschaft ist aufgrund von weiterhin bestehenden Unsicherheiten höher zu werten. Kurzfristig sind die Wahlen in Italien und Zypern am kommenden Wochenende im Brennpunkt. Mittelfristig braucht die USA bis ende März eine Lösung im Budgethaushalt, Mitte Mai läuft das vorübergehende Gesetz aus, welches das Schuldendach von USD 16.4 Bio. aussetzt, in China werden Stimmen laut, die auf eine Überhitzung des Immobilienmarktes hinweisen und Europa braucht weiterhin eine Lösung der Schuldenproblematik.

Aus derzeitiger Sicht könnten beide Wirtschafts-Szenarien kurzfristig die Kauffreude bei Aktien eintrüben bzw. die Realisierung von Gewinnen und somit eine Korrektur auslösen.

Gratwanderung geht weiter

Die zuletzt publizierten Konjunktur-Daten zeigen auf, dass sich die Wirtschaft derzeit nicht derart stark entwickelt, wie dies von vielen Analysten und Investoren prognostiziert bzw. erhofft wurde. Die Wirtschaft in den USA ist im letzten Quartal des Jahres 2012 sogar leicht geschrumpft. Anstelle eines gemäss Konsens geschätzten Wachstums von 1.1% wurde ein Rückgang des BIP um 0.1% ausgewiesen.

Schrumpfende Wirtschaft – unerwartet?
Zwei Effekte haben massgeblich dazu beigetragen. Einerseits legte der Wirbelsturm Sandy die Region um New York für mehrere Tage still. Andererseits hat die Unsicherheit um das Thema „Fiscal Cliff“ tiefe Spuren im Vertrauen der Unternehmer und Konsumenten hinterlassen, weshalb Aufträge und Einkäufe während der Jahresendphase bis auf weiteres aufgeschoben wurden und somit für weniger Wirtschaftsleistung sorgten.
Auch die englische Konjunktur ist im selben Quartal stärker als erwartet um 0.3% geschrumpft (erwartet -0.1%). Anzeichen, die in  dieselbe Richtung hindeuten, gibt es aus den peripheren Euro-Ländern wie Spanien und Italien, evtl. auch Frankreich.

Positive Stimmung bei Unternehmen
Bestimmt gab es insbesondere im Laufe der letzten Woche einige erfreuliche Indikatoren, die eigentlich positiv stimmen sollten. So zeigen Frühindikatoren von der Unternehmensseite positive Signale. In Deutschland ist der ZEW Economic Sentiment Index sprunghaft auf 31.5 Punkte angestiegen (zuvor 6.9, erwartet 12.2). Dies zeigt die Umfrage bei 275 institutionellen Investoren und Analysten, deren Stimmung sowie Ausblick für die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der nächsten 6 Monate. Ebenso der Deutsche Ifo Business Climate Index war überraschend stark mit 104.2 (erwartet 103.1). Dabei werden 7’000 Unternehmer innerhalb Deutschland über die derzeitigen Business Konditionen befragt. Ein Wert über 100 deutet auf ein Wachstumsszenario hin. Auch China vermeldete in derselben Woche positive Konjunkturdaten in Form des PMI von 51.9, zuletzt 51.5. Ebenso in den USA war der Indikator mit 56.1 (54.0) höher als erwartet, 53.2, publiziert worden. Ein ähnliches Bild ergab sich beim heute publizierten PMI für die Region Chicago mit 55.6 (erwartet 51.1).

Massnahmen der Zentralbanken – je länger je mehr wirkungslos
In Europa war es für Italien und Spanien möglich sich an den Märkten, für so günstige Konditionen wie schon seit längerem nicht mehr, neues Geld zu beschaffen. Hier macht sich die derzeitige, zumindest vorübergehende Entspannung und das Einwirken der EZB mit Bondkäufen bemerkbar.
Generell ziehen die Zentralbanken sämtliche Register, um der Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Gestern verkündete das Fed beim regulären Meeting, dass die im Dezember beschlossenen geldpolitischen Massnahmen fortgesetzt werden: Aufkauf von Anleihen in der Höhen von USD 85 Mrd. pro Monat und Beibehaltung des tiefen Zinsniveaus von 0.0% – 0.25% auf längere Zeit, bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6.5% (derzeit bei 7.8%) fällt.
Auch die Zentralbank von Japan, Bank of Japan (BoJ), lässt mit geldpolitischen Massnahmen nichts unversucht, einerseits Liquidität in den Markt zu pumpen, andererseits mit gezielter Schwächung des Yens, der japanischen Wirtschaft endlich wieder Wachstum zu verleihen.
Mit ihren Massnahmen haben die Zentralbanken zumindest in einer ersten Phase die Märkte beruhigen können. Das eigentliche Ziel wurde jedoch bisweilen nicht erreicht. Das Geld sollte nämlich in Form von Krediten und Investitionen via Unternehmen in den Wirtschaftskreislauf gelangen. Zumindest sorgten die einzelnen Ankündigungen für steigende Kurse bei riskanteren Anlagen wie Aktien. Zuletzt war der Einfluss jedoch sehr klein bzw. die Wirkung verpufft unterdessen. (vgl. hierzu demnächst folgender Beitrag)

Arbeitsmarkt bleibt anfällig
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes zeigt auf, dass insbesondere in den USA, wo derzeit derart viel Geld gedruckt wird, die Massnahmen nicht wie gewünscht greifen. Die Erstanträge bei den Arbeitslosen gingen zwar in den ersten Wochen des Monats Januar stark zurück bevor die Zahl in der letzten Woche nun wieder auf das übliche Niveau angestiegen ist. Der Effekt zu Beginn des Jahres war stark saisonal beeinflusst.
In Europa zeigt sich ein anhaltend negativer Trend. In Spanien ist die Arbeitslosenquote auf einen neuen Rekord von 26% gestiegen. Eine Trendwende in den anderen Euro-Ländern ist nicht erkennbar.

Der Konsument – die wichtigste Säule fehlt
Für eine mittelfristig bis langfristig stabile Erholung fehlt weiterhin die Unterstützung von Seiten der Konsumenten. Aus sämtlichen Ländern wird eine starke Zurückhaltung und eine sich weitere eintrübende Konsumentenstimmung gemeldet. In den USA sank der Barometer für das Konsumentenvertrauen auf 58.6 (erwartet 64.8, zuletzt 66.7) einen derart tiefen Wert wie zuletzt im November 2011. Gerade im wichtigen Weihnachtsgeschäft hielten sich die Endverbraucher stark zurück wie der nur leichte Anstieg der persönlichen Ausgaben um 0.2% zeigt.
Auch in Europa ist und bleibt mit der Zunahme der Arbeitslosenzahlen die Stimmung der Konsumenten eingetrübt wie auch hier die publizierten Indikatoren aufzeigen. In den meisten Ländern bringt der Konsum einen Anteil von einem Drittel oder mehr an der gesamten Wirtschaftsleistung. Bleibt der Konsument weiterhin an der Seitenlinie, fehlt eine wichtige Säule in der Förderung des Wirtschaftswachstums. Die ungelösten Fragen bei der Schuldenproblematik und die hohen Arbeitslosenzahlen bleiben auch in diesem Bereich die entscheidenden Faktoren für die zukünftige Entwicklung. Und solange die Notenbanken die Zinsen tief halten, ist es für den Konsumenten schwierig an eine bessere Zukunft zu glauben.

Fazit
Gelingt es nicht die positive Stimmung der Unternehmen zu halten und auf die Konsumenten zu übertragen und diese gleichzeitig zum Konsumieren anzuregen, wird das Szenario einer mittel- bis längerfristigen Erholung der globalen Wirtschaft unwahrscheinlicher.
Die Aktienmärkte reagierten überraschend stark auf einzelne kurzfristig positive Anzeichen. So erreichten gewisse Indizes neue Höchststände innerhalb der letzten fünf Jahre. Gleichzeitig haben sich auch die Zinsen von ihren Tiefstständen etwas entfernt.
Die Preise enthalten derzeit viel Optimismus. Nun gibt es erste Anzeichen, das in der Realität die Entwicklung der Wirtschaft weitaus weniger stark vorankommt als dies von Analysten prognostiziert wurde. In vergangen Beiträgen hier auf ETFMandate wurde darauf hingewiesen, dass die Entwicklung der Wirtschaft und die Auswirkungen u.a. der Fiskalklippe von Analysten und Investoren wohl zu optimistisch eingeschätzt wurde. Wird dieser Eindruck in den nächsten Tagen und Wochen bestätigt, sind rasche Rückschläge möglich. Somit bleibt die Empfehlung bestehen sich mit Stop Limiten auf negative Kursschwankungen abzusichern und bei starken positiven Bewegungen einzelne Aktien-Positionen vorübergehend zu reduzieren.

Weshalb Banken und ihre Analysten derart Aktien pushen und sie die Privatanleger seit ende letzten Jahres zu überzeugen versuchen weiter in Aktien zu investieren, könnte auch andere Gründe als nur der positive Ausblick haben. Dazu wird demnächst in einem weiteren Kommentar eingegangen.