US Wirtschaftsdaten verleihen Flügel

Die heute Nachmittag veröffentlichten Zahlen der US Wirtschaft brachten einen überraschend kräftigen Schub in die Märkte.

Einerseits zeigt der Immobilienmarkt seit der vergangenen Krise nun wieder leicht steigende Tendenz. Anderseits stimmte die Anzahl der Neuanmeldungen von Arbeitslosen in der letzten Woche mit 335’000 (369’000 wurden erwartet) die Investoren positiv. Ein so tiefer Wert wurde letztmals 2008 veröffentlicht. Auch wenn die Zahlen im Januar im Jahresschnitt stets etwas besser ausfallen, werten dies die Investoren als weiteres Zeichen für eine Entspannung am Arbeitsmarkt.

Der heute veröffentlichte Frühindikator „Philly Fed Manufacturing Index“ zeigt hingegen ein anderes Bild und tauchte in die negative Zone. Erwartet wurde eine deutlich positive Zahl  mit 7.1 (vorher 8.1), der Index lag jedoch bei -5.1. Die Zahl wird aus dem „Philadelphia Fed Business Outlook Survey“, bei dem 250 Manager von Industriebetrieben in der Region von Philadelphia befragt werden, ermittelt.

Aufgrund der Divergenz existiert weiterhin kein klares Bild über den weiteren Verlauf der Wirtschaft. Je grösser der kurzfristige Optimismus ist, desto mehr steigt das Risiko für einen Rückfall.

Weltbank senkt Prognosen für 2013

Die Weltbank hat ihre Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum für 2013 deutlich nach unten korrigiert. Für das Jahr 2013 geht sie noch von einem Plus des BIP von 2.4% aus. Im Juni 2012 waren noch 3.0% in Aussichten gestellt worden. Im vergangenen Jahr ist die Weltwirtschaft um 2.3% gewachsen.

Für die Eurozone wird für 2013 mit einem Schrumpfen des BIP um 0.1% gerechnet. In den USA soll die Wirtschaft um 1.9% (vorher 2.4%) zulegen, Japan um 0.8% (vorher 1.6%).

Obwohl die Risiken für eine Finanzkrise in Europa geringer geworden sind, sei die tatsächliche globale Konjunktur insgesamt noch „sehr wackelig und unsicher“. Zudem wurde bisher die Chance verpasst, in den USA vorzeitig sich für eine Lösung des Fiskalplans zu einigen. Ein Scheitern in den nächsten Monaten könnte das BIP um 2.3% negativ beeinflussen, die globale Wirtschaftsleistung um 1.4% reduzieren.

Die Weltbank ist pessimistischer eingestellt als die von Bloomberg im Januar befragten Ökonomen. Diese rechnen mit einer globalen Expansion um die 3.2%.

Die nächsten Wochen und das erste Quartal werden aufzeigen welchen Schätzungen besser sind. Die Divergenz zeigt auf, dass das Feld weiterhin in Optimisten und Pessimisten aufgeteilt ist. Tatsächlich, solange Unternehmen und private Haushalte aufgrund von Unsicherheiten (Schuldenproblematik in USA und Europa) nicht investieren, bleibt die Wirtschaft und die Märkte sehr anfällig auf Rückschläge.

Ereignisreicher Auftakt ins neue Jahr

Noch selten zuvor wurde beim Jahreswechsel die Entwicklung an den Finanzmärkten derart mit Spannung und gleichzeitiger Ungewissheit verfolgt. Dies war in der kurzfristig stark angestiegenen Volatilität von unter 16 hoch auf 22 klar ersichtlich. (vgl. zum Thema Volatilität demnächst folgender separater Beitrag).

Fiscal Cliff – Der Entscheid in letzter Sekunde

Grund für die Schwankungen und eher rückläufigen Indizes über die Feiertage, ausser am letzten Handelstag des Jahres, war die bis zur letzten Sekunde ungelöste Situation der „Fiscal Cliff“. Erst nach Mitternacht des 31. Dezembers präsentierte der Senat einen Kompromiss, dem das Repräsentantenhaus als zweite Kongresskammer dann in der Nacht auf Mittwoch den 2. Januar auch folgte. Die Frist am Jahresende war eigentlich abgelaufen. Dies spielte jedoch keine Rolle, öffneten die Finanzmärkte erstmals im neuen Jahr am Morgen des 2. Januars.
 Mit dem Kompromiss wurden die USA vor dem doppelten Schock breiter Steuererhöhungen und drastischen Budgetkürzungen bei den Staatsausgaben bewahrt, vorerst.

Die erzielte Minimallösung beschränkt sich auf Mehreinnahmen durch gewisse Steueranpassungen einerseits, und andererseits auf der Ausgabenseite auf die Beibehaltung einer verlängerten Bezugsdauer für Arbeitslosenhilfe und die Weiterführung zahlreicher Steuervergünstigungen. Nur für Personen mit einem Einkommen über USD 400’000 steigt der Grundsteuersatz (von 35% auf 39.6%). Die meisten Amerikaner bleiben von höheren Einkommenssteuern verschont, wurden die restlichen Steuersätze aus der Ära von Bush unbefristet verlängert. 
Die notwendigen Sparbemühungen wurden jedoch erneut verschoben. Die auf Anfang Jahr automatisch fällig gewordenen Ausgabenkürzungen wurden bis Anfang März zurückgestellt. Somit wurde der wichtigste Entscheid über die Lösung des Schuldenproblems weiter hinausgezögert.

Am 2. Januar eröffneten die Märkte nach der vorläufigen „Lösung“ des US-Budgetkonflikts das neue Jahr mit kräftigen Kursavancen in Aktien und Rohstoffen. Bei den Anleihen waren entsprechend steigende Zinsen zu verzeichnen. Doch bereits am zweiten Tag wich die erste Euphorie und rief gleichzeitig erste Skeptiker auf das Parkett zurück.

Moody’s: 2. Warnung an die USA

Am 3. Januar warnte die Rating Agentur Moody’s bereits, dass der Kompromiss zur Umschiffung der Fiscal Cliff nicht weit genug gehe. Die Einigung sieht keine Lösung der eigentlich schon erreichten Schuldenobergrenze vor. Durch getroffene Massnahmen des Finanzministeriums kann die Regierung unter der gegenwärtigen Limite von USD 16.4 Bio. noch etwa zwei Monate, bis Ende Februar haushalten. Erfolgt keine Einigung, droht den USA wie bereits damals im Sommer 2011 die Zahlungsunfähigkeit.
 Moody’s bietet nun wohl eine letzte Chance zur Reduzierung des Defizits, drohte die Ratingagentur bereits im September 2012 mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA und damit dem Verlust des Topratings „Aaa“. Der Ausblick bleibt wie bei Standard & Poors auf „negative“.

FED Protokoll – Unterstützung für Quantitative Easing bröckelt

Die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung des FOMC (Federal Open Market Committee) von Anfang Dezember zeigt, dass das Programm, das sog. Quantitative Easing (Aufkauf von Bonds, sog. Treasuries) zur Stimulierung der Wirtschaft nicht mehr die breite Unterstützung geniesst. Mehrere Mitglieder äusserten sich unterdessen skeptisch über die Wirkung des Programms und waren der Meinung, dass der Aufkauf von Bonds noch in diesem Jahr zurückgebunden werden soll, dies auch im Ausblick auf die mögliche Inflationsgefahr.
Die festgelegten Zinsen bleiben bis auf weiteres auf dem Tiefpunkt, abhängig von der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Eine Änderung der Zinspolitik ist erst vorgesehen sobald die Arbeitslosenquote bei 6.5% liegt. Zuletzt  lag diese weiterhin bei hohen 7.8%.

Auf diese Veröffentlichung reagierte vor allem der Goldpreis mit vorübergehend starken Preisnachlässen und stabilisierte sich dann zwischen dem Supportlevel von USD 1625/50.

EZB Sitzung – Zinssenkung wird ausgeschlossen

Gleichentags wie die britische Zentralbank (BOE), äusserte sich der Präsident der EZB, Mario Draghi, zu der aktuellen Lage und Aussichten der Wirtschaft. Am IST-Zustand der europäischen Wirtschaft habe sich seit der letzten Lagebeurteilung im Dezember kaum etwas verändert. Einstimmig wurde die Fortführung der bisherigen monetären Politik beschlossen. Die laufende Wirtschaft und die vorlaufenden Stimmungsindikatoren deuten auf ein unveränderte Entwicklung hin. Gegen ende des Jahres 2013 könnte sich eine langsame Erholung einsetzen. Gleichzeitig betont die EZB, dass die Unsicherheit hoch bleiben wird und die Risiken für die Konjunktur eher nach unten gerichtet sind.

Die Zinsen blieben, wie erwartet wurde, unverändert bei 0.5% resp. 0.75% im Euroraum. Die BOE hielt zudem an ihrem Rückkaufprogramm von Staatsanleihen in der Höhe von GBP 375 Mrd. fest.

Der Euro reagierte über mehrere Tage stark auf die Äusserungen von Mario Draghi. Insbesondere der Punkt der Einstimmigkeit sorgte für die positiven Kursavancen bei der Währung, wurde im Dezember noch eine Zinssenkung bei einigen Mitgliedern thematisiert (s. Bericht vom 7. Dezember). Diese wird nun von den Marktteilnehmern ausgeschlossen.

Basel III – Banken erhalten mehr Zeit

Die Banken kriegen vier Jahr mehr Zeit ihre Liquiditätsreserven aufzubauen. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beschloss am 6. Januar 2013, dass die Banken ihre Mindestliquiditäts-Anforderungen erst bis ins Jahr 2019 aufbauen müssen. Grund dafür ist die Sorge, dass die Banken die Kreditvergabe sonst einschränken und die Konjunktur so abwürgen würden.

Finanztitel haben darauf kurzfristig mit starken Avancen reagiert. Vorübergehend bringt dies weitere Entspannung im Finanzsystem mit sich.

Fazit
Zum Jahresauftakt übernahmen die bisherigen Optimisten das Zepter und führten die Liquiditätsrally fort. Die Anzeichen, dass die Märkte weiterhin mit Geld geflutet werden bleiben intakt. Nur zeigt sich, dass die Effekte der einzelnen Ankündigungen der Zentralbanken an Wirkung verlieren (vgl. dazu demnächst folgender Bericht). Somit ist fraglich, ob diese Geldmengen den kurzfristig positiven Trend auch weiter unterstützen werden. Neue Optimisten folgen nämlich kaum auf den Markt. Grosse Investoren bleiben aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten weiterhin an der Seitenlinie und parkieren das Geld auf ihren Konti. Würden sich diese Anzeichen ändern, wäre dann mit weiter steigenden Notierungen zu rechnen.

Das Thema der Schuldenkrise in den USA könnte diesem kurzfristigen Trend und Optimismus schon sehr bald jäh eine Ende bereiten und eine Korrektur hervorrufen. Eine Lösung und Einigung zwischen Republikanern und Demokraten für die Umsetzung von Sparmassnahmen und die Anhebung des Schuldendachs wird eine grössere Herausforderung zu sein als zuvor die Fiscal Cliff.

Die Volatilität war kurz vor Jahresende wie oben erwähnt sprunghaft angestiegen. Seither ist sie auf einen Tiefpunkt gesunken. Dies ist stets als Anzeichen zu werten, dass an den Märkten eine Korrektur bevorstehen könnte.

Das Thema der Europäischen Schuldenkrise gelangte etwas in den Hintergrund. Zu bedenken ist, das weiterhin keine Lösung erarbeitet wurde. Die Unterstützung der EZB die Zinsen für die betroffenen Länder mit Hilfe der Bondkäufe runter zu drücken sorgt nur für kurzfristige Entspannung und Zeitgewinn. Für weitere Unsicherheiten können die bald anstehenden Neuwahlen in Italien sorgen.

Die angelaufene Berichtsaison der Unternehmen lässt noch zu wenig erahnen, wie insgesamt das vierte Quartal bei den Unternehmensergebnissen ausfiel. Positive wie negative Ergebnisse können die Märkte tagsüber nach der Veröffentlichung in die eine oder andere Richtung bewegen.

Die Korrektur auf Gold bleibt wohl vorübergehend und konnte noch im Dezember für eine Aufstockung genutzt werden. Sollte sich die Wirtschaft widererwarten positiv entwickeln geht dies mit einer erhöhten Inflation und einer steigenden Nachfrage nach Gold einher. Gleichzeitig bleibt das Metall auch bei Unsicherheiten gefragt.

Der Anstieg des Euro war zu stark in der kurzen Zeit, um auch nachhaltig zu sein. Durch Gewinnmitnahmen und mit der Rückkehr von Unsicherheiten wird auch der Euro eher wieder unter Druck geraten.

Bei den  Haupt-Aktienmärkten sind bereits erste Gewinnmitnahmen zu verzeichnen. Wie bereits erwähnt, ist bei hohen Aktienquoten der Zeitpunkt da, sich von gewissen Titeln Schritt für Schritt zu trennen. Für die restlichen Positionen lohnt es sich stets in Bereitschaft zu sein, Aktienpositionen rasch reduzieren zu können. Es empfiehlt sich mit Limiten zu arbeiten und bei steigenden Kursen diese Kurslimiten nachzuziehen.

Risikobereitschaft wächst – wie lange?

Die Risikobereitschaft der Anleger ist kurzfristig markant gestiegen. Seit dem zwischenzeitlichen Tiefpunkt der Märkte Mitte November nach der ca. 5% Korrektur, steigen die Märkte fast täglich. Das Endjahresrallye wurde somit eingeläutet.

Hauptverantwortlich sind mangelnden Alternativen an Rendite-Chancen. Nur aus diesem Grund ist ein Teil der Investoren derzeit bereit höhere Risiken einzugehen, obwohl weiterhin einige Unsicherheitsfaktoren im Raum stehen (u.a. Fiscal Cliff). Viele institutionelle Anleger warten weiterhin an der Seitenlinie mit Aktieninvestments. Diese haben das Jahr der guten Performance verpasst. Sollten die Märkte auch zu Beginn des Jahres 2013 weiter anziehen, würde dies die Chancen eines Eintritts dieser Investorengruppen erhöhen und die Märkte weiter antreiben.

Zwischenzeitlich wurden sowohl positive wie negative Wirtschaftszahlen und Nachrichten veröffentlicht, wobei in der jetzigen Phase die letzteren vorübergehend ausgeblendet werden:

Die Konsumentenstimmung bleibt sowohl in Eurape wie in den USA weiterhin eingetrübt. Eine Erholung diesbezüglich wäre gerade für das Weihnachtsgeschäft sehr hilfreich, entsprechen in dieser Periode die Verkäufe bei den Retailern zwischen 15-30% ihres Jahresumsatzes.

Griechenland konnte scheinbar einen von der EU finanzierten Bondrückkauf in der Höhe von EUR 10Mrd. erfolgreich abschliessen. Somit wurden die griechischen Schulden um EUR 30Mrd. reduziert. Für Halter von griechischen Anleihen vielleicht eine letzte Möglichkeit, sich mit einem Preis zwischen 30-40 von diesen Wertpapier zu trennen, bevor ein weiterer Schuldenschnitt im Jahr 2013 ff. anfallen könnte.

Zuversichtlich stimmten die Anleger bessere Zahlen aus China. Obwohl der PMI mit 50.6 nun im Dezember etwas hinter den Erwartungen lag (50.8) wurde dies als ein positives Zeichen gewertet, da sich der Wert über 50 befindet und gleichbedeutend mit Wachstum ist. Überraschend war zudem die Industrieproduktion mit +10.1% (e 9.6%) bzw. auch das Wachstum bei den Retail Sales mit 14.9% (vs.e 14.6% ) und gegenüber 14.5% im Vormonat.

Die neuesten Investoren Umfragen in Deutschland bzw. Europa sind zuversichtlicher. Der ZEW Economic Sentiment Index, am 11. Dezember veröffentlicht, lag erstmals seit 7 Monaten wieder im Plus (für Deutschland 6.9 gegenüber -15.7 im November). Investoren sehen die Aussichten für die nächsten 6 Monate besser als noch vor kurzem die befragten Unternehmer. Eine Diskrepanz, die sich noch auf die eine oder andere Seite schliessen muss.

Es bleibt abzuwarten und klar zu beobachten, in welcher Richtung sich die Wirtschaft tatsächlich bewegen wird. Der Grat ist definitiv sehr schmal. Auch die sich anbahnende Regierungskrise in Italien könnte das Pendel sofort wieder zum Umschwenken bringen.

EZB – nahe an Zinssenkung

Die EZB beliess gestern die Zinsen unverändert auf dem Niveau von 0.75%.

Heute erfahren wir, dass ein Grossteil der Mitglieder bereits einer Zinssenkung im Dezember zugestimmt hätte. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung zu Beginn des nächsten Jahres 2013.
Die Schwierigkeit für EZB Präsident Mario Draghi liegt im Spannungsfeld von Wirtschaft, Währung und Inflation. Eine Zinssenkung kann zudem eine falsche Signalwirkung auslösen. Die Aussicht auf eine weiterhin sich abschwächende Wirtschaft und ein schwacher EUR ist kein positives Zeichen im Zusammenhang mit der weiterhin ungelösten EUR-Schuldenkrise. Zugleich rückt die Inflation kurz- bzw. mittelfristig weiter in den Fokus.

Auswirkungen auf den EUR:
Der EUR sinkt in kürzester Zeit von 1.31 auf 1.29. Weitere Verluste mit dem Ausblick auf eine Zinssenkung sind zu erwarten.

Aus Sicht CHF Investor:
Unterstützt das derzeitige Übergewicht in USD (Allokation ca. 42%)
Positiv für den USD/CHF Kurs, da der EUR/CHF spätestens bei 1.20 gestützt wird und somit der USD Kurs den Verlauf des EUR annimmt.

Dieses Szenario stützt auch das Goldinvestment in CHF (unhedged) (s. 06.12.2012)