Ein verlorenes Jahr für Anleger? Der andere Jahres-Rückblick – die Chancen

    Quick Intro:
  • Wie stark hat Ihr Portfolio im Jahr 2022 gelitten?
  • War die Verlustbegrenzung während Marktturbulenzen ein Thema? Timing für eine Absicherung, sog. Hedge, wäre entscheidend. Hürden für Privatanleger sind gross, weshalb eine Absicherung oftmals nur von wenigen professionellen Anlegern richtig genutzt wird.
  • Etliche Chancen im Jahr 2022 an den Börsen Geld zu verdienen und insgesamt eine positive Rendite zu erzielen, auch wenn das eigentliche «Grundportfolio» und Aktien mit einem langfristigen Anlagehorizont z.T. deutlich Federn liessen.
  • 5 Beispiele der wichtigsten Investment Calls, die in meinem Portfolio für ein positives Anlageergebnis im Jahresverlauf gesorgt haben:
    – Technologietitel: Stimmungsbarometer für Kauf- und Verkaufssignal
    – Energie
    – Dividendentitel
    – China
    – US Dollar
  • Der Schlüssel zum Erfolg: aktives Verfolgen der Märkte und Handeln, gerade in Zeiten volatiler Märkte entscheidend. Somit war das Timing der Umsetzung sowohl beim Kauf wie auch beim Verkauf massgebend (vgl. dazu die untenstehenden Beispiele und ihre Performance-Charts).
  • In naher Zukunft sind solche Investment-Calls über einen separaten Kanal per Echtzeit zugänglich. Damit lässt sich von meinem Know-how und langjährigen Erfahrungen profitieren. Mit einer Registrierung des kostenlosen Newsletters werden schon bald weitere Details über das Angebot bekannt.


Das Jahr 2022, ein Verlustreiches Jahr für viele Anleger

Ein äusserst bewegtes Jahr ging für Anleger zu Ende. Der bis zum Tag des Ausbruchs hin noch für unmöglich gehaltene Beginn eines Ukraine-Krieges sowie unzählig weitere News, Ereignisse und Einflussfaktoren wie der rasche Anstieg der Inflation welche dann für ein starkes Drehen der Zentralbanken an der Zinsschraube sorgten, führte an den Finanzmärkten immer wieder zu heftigen Schwankungen. Schlussendlich resultierten bis ende Jahr starke Kursrückschläge sowohl bei Aktien wie auch bei Obligationen. Dass beide Anlagekategorien gleichzeitig derart stark Federn lassen ist ein äusserst seltenes Phänomen. Sowohl globale Aktien- wie Bondindizes verloren im Schnitt mehr als 15%, die Technologiewerte, sprich der Nasdaq Index in den USA korrigierte sogar um über 33% im Jahresverlauf.

Kurz nach Jahreswechsel erhielten nun die Anleger ihre Auszüge und Reportings zu ihren Depots bzw. ihren Investment Mandaten. Die darin gedruckte Performancezahl wird bei den meisten von ihnen kaum grosse Freude bereiten. Nach etlichen erfolgreichen Jahren für die Anleger, fielen die Ergebnisse für das Jahr 2022 wohl mehrheitlich tiefrot, sprich mit einem negativen Vorzeichen im zweistelligen Bereich, im Schnitt zwischen -10 bis -20%, aus.
Dies gilt nicht nur für Aktienanleger. Selbst konservative Anleger mit einem gewissen Fokus auf Anleihen, mussten wohl höhere Einbussen auf ihren Depotwerten verzeichnen. Stark steigende Zinsen sorgten nämlich für schon lang nicht mehr gesehene grössere Kurskorrekturen bei den Zinspapieren, eine normale Folge der steigenden Zinsen.

Verlustbegrenzung mittels Absicherung sog. Hedge?
Die Verlustbegrenzung bzw. negative Performance des langfristig ausgerichteten Grundportfolios aus Aktien hätte nur mit der zeitlich optimal abgestimmten totalen Absicherung, einem sog. Hedge, vermieden werden können, oder durch zusätzliche Wetten auf weitere Kurskorrekturen anhand von Leerverkäufen, sog. Short-Positionen oder mit dem Kauf von Put-Optionen. Diese Möglichkeiten werden jedoch nur von einer geringen Anzahl von professionellen Anlegern genutzt. Dies erfordert grosses Know-how und auch die Voraussetzung überhaupt, Short-Positionen eingehen zu können. Dies wird privaten Anlegern kaum über ihre normalen Banklösungen angeboten.
Aspekte wie, dass sich Short ETFs (ETFs die auf fallende Kurse setzen) nur bedingt eignen, oder weshalb die vorübergehende totale Liquidation eines Portfolios sich in solchen Momenten nie lohnt, werden bestimmt in späteren Beiträgen auf ETFMandate noch ausführlich thematisiert.

Die Chancen im Jahr 2022 an der Börse Geld zu verdienen
Wer nun hier einen Jahresrückblick mit Auflistung der wichtigsten Ereignisse erwartet, möchte ich an dieser Stelle an die unzähligen Artikel in der Presse und Reports von Banken verweisen.
Vielmehr möchte ich anhand einiger Beispiele aufzeigen, dass der Markt, insbesondere bei Aktien, über diesen herausfordernden Zeitraum verteilt, auch Chancen geboten hat. Die einen über eine gewisse Zeitperiode hinweg, die anderen eher von kurzfristig Natur, welche ein aktives Verfolgen, Erkennen der temporären Opportunität und die entsprechend zeitnahe Reaktion und Umsetzung mit den richtigen Anlagebausteinen erforderten. Anhand dieser positiven Performance-Beiträge, liess sich für das Jahr 2022 eine zu fest negative Performance über das Gesamtportfolio vermeiden oder sogar bis hin zu einer positiven Rendite erzielen.
Mit den richtigen Schlüssen und Umsetzung der sich bietenden Investment-Chancen lohnt sich somit insbesondere in volatilen Märkten eine aktivere Bewirtschaftung des Portfolios.

 

Beispiel 1: Stimmungsbarometer bietet Kauf- und Verkaufssignale
Mit den Börsenturbulenzen begann ein in den letzten Jahren eher weniger beachtete Indikator an Bedeutung zu gewinnen. Es ist dies der sog. Sentiment Index, welcher die Stimmung der Anleger misst. In einem früheren Blog-Beitrag auf ETFMandate (Stimmungsbarometer mit Kaufsignal – Zeit für die Rückkehr aufs Börsenparkett im grossen Stil?) wurde dies bereits ausführlicher thematisiert.

In Schwankungsanfälligem Umfeld, wie dies über das Jahr 2022 der Fall war, gibt dieser Index oftmals gute Signale für kurzfristige Investmententscheide. Kaufgelegenheiten entstehen, wenn die Stimmung am Markt in Panik Modus verfällt. Der Index befindet sich auf einem Tiefpunkt (Feb/Mrz, Mai/Jun und Sep/Okt)Es gilt dann meist einen Tag mit immensen Kursverlusten abzuwarten. Dagegen lohnen sich meist Gewinnmitnahmen bei absoluter Euphorie, welche der Index bei seinen Höchstständen markiert (vgl. Indexverlauf Fear & Greed Mrz/Apr, Aug).
Um solche kurzfristigen Chancen am besten zu nutzen, lohnt es sich auf schwankungsanfällige Sektoren und Titel zu fokussieren, wie dies bei sog. Wachstums-Titeln bzw. Technologiewerten der Fall ist. Gleichzeitig besteht natürlich das Risiko von proportional grösseren Verlusten, sollte man bei seinem Investment Entscheid falsch liegen.
Bei einem kurzfristigen Zeithorizont lohnt es sich die Transaktion über ein diversifiziertes Investment-Produkt wie dies u.a. ETFs auf den Technologie Index bieten, effizient und kostengünstig umzusetzen.

Fear & Greed Index im Zeitverlauf (1 Jahr)
Quelle: CNN Business, 9. Januar 2023 
Chart Nasdaq Comp Index (Periode: 1 Jahr)
Quelle: Yahoo Finance, 9. Januar 2023

Investment Call:
Positiv: Timing der Käufe optimal, in 3 Perioden an Tagen mit stark fallenden Kursen (Feb/Mrz, Jun, Okt); Gewinnmitnahmen nach positiver Performance (Mrz-Apr, Jul-Aug);
Negativ: Nur Teilverkauf im August 2022, Rebound Oktober kleiner ausgefallen als erwartet;
Aktuell: im Oktober eingegangenes Exposure kaum verändert; kleine Zukäufe ende Dezember und Januar 2023 im Technologiesektor;
Risiko: mittel bis hoch, da volatiler Sektor; sollten die Zinsen weiter steigen sofern die Zentralbanken weiter an der Zinsschraube drehen, leidet dieser Sektor überproportional, im Gegenzug bei stagnierenden bzw. sogar fallenden Zinsen bietet dieser ein grösseres Erholungspotenzial;

 

Beispiel 2: Übertreibungen bieten Anlagechancen – der negative Ölpreis
Die Übertreibungen im Energiesektor nach unten erzielten ihren Höhepunkt im Jahre 2020 als die Kontrakte für Öl nach Ausbruch der Corona-Pandemie plötzlich ein negatives Vorzeichen aufwiesen. Hiess, der Verkäufer von Öl bot dem Käufer eines Öl-Kontrakts Geld dafür, ihm sein Öl abzunehmen.

Der Energie-Sektor hat bereits im Vorfeld im Zusammenhang der sinkenden Ölpreise gelitten. Zudem haben sich Investoren aufgrund der Aspekte über die Diskussionen um die Nachhaltigkeit und die allgemeine Strategie weg von den fossilen Brennstoffen aus diesem Sektor verabschiedet. Gewisses Potenzial aufgrund dessen, dass der Ausstieg nicht von heute auf morgen geschehen kann, dass an diesem Markt eine gewisse Übertreibung vorherrscht und dass die Bewertungen einzelner Ölfirmen unterdessen sehr günstig geworden sind, erkannte auch Star Investor Warren Buffet und baute über seine Investment Gesellschaft Berkshire Hathaway u.a. mit der Beteiligung an Occidental Petroleum seinen Anteil im Energie Sektor weiter aus. Dabei war nicht voraussehbar, dass fast 2 Jahre später, mit dem tragischen Beginn des Ukraine-Krieges, dieser Investment-Call derart an Bedeutung gewinnt.

Mit diesen öffentlich zugänglichen Informationen über diese Beteiligung, hatten Investoren damals die Möglichkeit zu entscheiden, selbst auch diesen Aktientitel in der Phase der Übertreibung innerhalb des Energie-Sektors zu kaufen.
Wollten Anleger die Titel-spezifischen Risiken jedoch vermeiden und wollen sie trotzdem gleichzeitig an diesem Thema partizipieren, liesse sich in einem solchen Fall auch ein ETF auf den Energie Sektor kaufen, welcher mit einer globalen oder regionalen Allokation entsprechend den Energie-Sektor abbildet. Dass nun in diesem Fall die einzelne Aktie von Occidental Petroleum viel besser abgeschnitten hat als der globale Energie-Sektor, zeigt die folgende Abbildung.

Chart Performance Occidental Petroleum vs. Globaler Energie ETF vs. MSCI World Index
(Periode: 31. März 2020 bis 31. Dezember 2022)
Quelle: Yahoo Finance, 9. Januar 2023

Investment Call:
Positiv: Zukäufe Herbst 2020 (September-Oktober) sowie Aufstockung im Herbst 2021; Gewinnmitnahmen und optimaler Verkaufszeitpunkt sämtlicher Positionen im Energie Sektor (Öl und Gas) im August 2021;
Negativ: Aufbau Position im April 2020 etwas früh; erste Gewinnmitnahmen ab März 2022 etwas früh (Grund: grosses Portfolio Gewicht welches durch den starken Preisanstieg bzw. durch die fallenden Kurse der weiteren Anlagen resultierte;
Aktuell: Keine Positionen im Energie Sektor (Öl & Gas);
Risiko: – (Verpassen eines Ölpreisschocks, aktuell eher unwahrscheinlich);

 

Beispiel 3: Übertreibungen bieten Anlagechancen – Kauf von Dividenden Titeln
Aktienkurse wiesen eine starke Sommerperiode auf. Die positive Bewegung mündete in einer regelrechten Euphorie welche im August abrupt ihr Ende fand (vgl. Sentiment Indikator oben).
Grundsätzlich bringen Aktien mit hoher Dividendenrendite eher Stabilität ins Portfolio, da sie weniger Schwankungsanfällig sind. Der Ausverkauf von Aktien im Herbst erfasste nun auch diese Titel welche sonst defensiven Charakter aufweisen und somit weniger anfällig auf starke Kurskorrekturen sind. Bevor Investoren sich von Aktien mit hohen Dividendenrenditen trennen, reduzieren sie lieber Positionen, die starken Schwankungen unterliegen, um sie dann womöglich zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurück zu kaufen.

Auch Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen wiesen plötzlich neue, für lange Zeit nicht mehr gesehene Tiefstmarken in ihrer Bewertung auf. Die Faktoren wie, die innerhalb eines Tagesverlaufes stark fallenden Kurse ebenso dieser defensiven Aktien, kombiniert mit dem Sentiment Indikator auf Panik Modus, wiesen ende September und zu Beginn des Oktobers auf eine weitere Übertreibung und somit auf eine Kaufgelegenheit hin.
In dem am 27. September 2022 publizierten Beitrag, Stimmungsbarometer mit Kaufsignal – Zeit für die Rückkehr aufs Börsenparkett im grossen Stil? habe ich auch auf ein mögliches solches Szenario hingewiesen (s. langfristig orientierte Anleger).
Zu diesem Zeitpunkt bestand das Risiko, dass die Kurse und damit die Indizes die technischen Support-Levels durchbrechen und somit gegen unten ausbrechen würden. Weshalb sich die Strategie, die Zukäufe über mehrere Tage hinweg zu verteilen, lohnte.

Aufgrund der Verteilung der Transaktionen über mehrere Tage hinweg sowie des längeren Anlagehorizontes bot sich dem Anleger hier die Möglichkeit für den Erwerb von Einzeltiteln wie zum Beispiel in der Schweiz Holcim, Swiss Re, Novartis, in Europa: u.a. Basf, Bayer, BNP Paribas, Credit Agricole, AXA, Orange, Carrefour, Aviva, BHP Group, Vodafone, Husqvarna und in den USA: Dow Inc, Verizon Communications, AT&T, JPMorgan, KraftHeinz, Paramount, CVS Health, Intel, Gap zu investieren.

Natürlich bietet sich auch die Möglichkeit einen ETF ins Portfolio aufzunehmen, welcher sich auf Dividendentitel konzentriert um von den Vorteilen dieses Investment-Produkts zu profitieren.

Chart Europa Dividenden ETF (Periode: 1 Jahr)
Quelle: Yahoo Finance, 9. Januar 2023

Investment Call:
Positiv: optimales Timing Zukäufe von Dividendentiteln (ende September anfangs Oktober); starke Performance sämtlicher oben aufgeführten Einzeltitel (ausser Vodafone);
Negativ: Vodafone
Aktuell: trotz zum Teil sehr guter Performance in kurzer Zeit (20-40%) sind sämtliche Zukäufe noch im Portfolio da es sich grundsätzlich um Positionen mit langfristigem Anlagehorizont handelt (buy & hold);
Risiko: gering bis mittel; attraktive Bewertungen und Dividendenrenditen reduzieren die Volatilität und somit Anfälligkeit auf starke Kursrückschläge;

 

Beispiel 4: Übertreibungen bieten Anlagechancen – China
Mit der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Null-Covid Politik der Regierung hat die chinesische Wirtschaft stark gelitten. Die totale Abschottung einzelner Städte führte zur totalen Schliessung von Fabriken und zu den bekannten Lieferengpässen. Dazu kommen die Unsicherheiten, wie der mit den USA bereits über längere Zeit ausgetragene Handelskonflikt, die politischen Spannung in Bezug auf die Positionierung Chinas gegenüber Russland und in Bezug auf Chinas Verhalten gegenüber Taiwan. Dies veranlasste die Investoren sich eher aus einem Engagement in chinesischen Aktien zurückzuhalten. Kam hinzu, dass die chinesische Regierung Druck auf starke Wirtschaftspersönlichkeiten ausübte, wie dies zum Beispiel dem Gründer von Alibaba, Jack Ma, widerfuhr.

Gerüchte über sogenannte De-Listings, Rückzug von chinesischen Unternehmen, die an den amerikanischen Börsen kotiert sind, insbesondere im Internet Bereich (Alibaba, Pinduoduo, Jd.com, Baidu etc.) heizten spekulative Verkäufe zusätzlich an und sorgten mehrmals für eine Übertreibung bei den Kurskorrekturen und somit für Kaufgelegenheiten über einen ETF auf chinesische Titel oder aber auch einen ETF mit chinesischen Internet Unternehmen.

Chart China Internet ETF (Periode: 1 Jahr)
Quelle: Yahoo Finance, 9. Januar 2023

Investment Call:
Positiv: optimaler Zukauf Oktober am Tiefpunkt, Gewinnmitnahmen Januar 2023
Negativ: Kauf im März zu früh, Zukauf ende September zu früh
Aktuell: Position nach starker Bewegung im Januar 2023 leicht reduziert (Gewinnmitnahme), mittel- bis längerfristiges Investment;
Risiko: mittel bis hoch, da Schwankungs-anfällig aufgrund der weiterhin vorherrschenden Unsicherheiten auch bzgl. der Auswirkung der Aufhebung der Null-Covid Politik.

 

Beispiel 5: Starker Zinsanstieg in den USA – Starker USD
Nach der Bank of England begann auch die amerikanische Zentralbank Fed 2022 aufgrund der hohen Inflationszahlen die Zinsen markant zu erhöhen. Die Europäische Zentralbank EZB und die Schweizerische Nationalbank folgten erst im Herbst mit ihren ersten Zinsschritten. Die stärker laufende Wirtschaft sowie der Umstand höherer Zinsen beflügelte die Nachfrage nach USD und sorgte somit für einen steigenden Greenback (USD). Kam hinzu, dass in Zeiten von Unsicherheiten und Unruhen der USD als stabile Währung angesehen und deshalb als Zufluchtswährung genutzt wird.

Schweizer und Europäische Investoren konnten mit dem Investment in amerikanische Wertschriften mit dem Anstieg des USD im Jahresverlauf sowohl gegenüber dem Schweizer Franke und wie auch gegenüber dem Euro profitieren und damit ihre Verluste auf den Positionen, entstanden durch sinkende Aktienkurse, vielleicht etwas eingrenzen. Eine aktive Währungsstrategie war erst mit dem Überschiessen des US-Dollars ende Herbst notwendig mit einer vorübergehenden Absicherung.

Aktuell hat das USD Exposure quasi die Funktion einer Art Absicherung des gesamten Portfolio Bestandes: Fallen die Zinsen, sinkt der USD, steigen im Gegenzug die Aktienpreise der Wachstumstitel überproportional und umgekehrt.

Chart: USD/CHF Kurs (Periode: 1 Jahr)
Quelle: Yahoo Finance, 9. Januar 2023

Investment Call:
Positiv: long USD bis anfang November; Timing für Verkauf USD Position auf Höchst anfang November, gleichzeitig Eröffnung short USD Position;
Negativ: Short USD Position bereits im November in 2 Schritten geschlossen (0.9430 bzw. 0.9340);
Aktuell: seit ende November sämtliche USD Positionen ohne Absicherung;
Risiko: Mittel, da Abwärtsrisiken auf heutigem Kurs gering; Kosten für eine mittel- bis längerfristige Absicherung sind hoch (Zinsdifferenz USD vs. CHF)

 

Fazit:
Unter anderem die 5 Beispiele der oben aufgeführten Investment Calls haben es ermöglicht, auch in Zeiten von starken Kurskorrekturen an den weltweiten Finanzmärkten, insgesamt eine positive Rendite im Portfolio zu generieren.
Voraussetzung hierzu sind: fortlaufendes Verfolgen und Analysieren der News und Märkte; Verstehen der Märkte in Bezug auf Ereignisse und der daraus resultierenden Bewegungen; Know-how über die Mechanismen, gegenseitigen Einflussfaktoren und Abhängigkeiten verschiedenster Parameter; Wissen über die beste und effizienteste Umsetzung einer Investment-Strategie; vertiefte Produkt-Kenntnisse; Erkennen von Marktchancen; Erkennen von Marktübertreibungen; rechtzeitige Reaktion und rasche Implementierung auf sich bietende Chancen; Absicherungsstrategie erzielter Gewinne; Mut und Überzeugung sich anders zu positionieren als der Grossteil an Investoren in besagtem Augenblick uvm.

Dies ist selbst für interessierte und aktive Anleger nicht gerade einfach, selbst wenn sie das Marktgeschehen mal mehr, mal weniger mitverfolgen. Deshalb freue ich mich in einem zukünftigen Format interessierte Abonnenten genau auf solche Investment Möglichkeiten zu gegebenem Zeitpunkt hinzuweisen und über einen separaten Kanal zu informieren.

Tabubruch beim Rettungsversuch Zyperns

Seit letztem Wochenende ringen die Euro-Länder um eine Lösung zur Rettung des Pleite bedrohten Inselstaats Zypern. Insgesamt sind Mittel in der Höhe von EUR 15.8 Mrd. notwendig um die knappe Liquidität kurzfristig zu überbrücken. Ein auf den ersten Blick ‚harmloser‘ Betrag im Vergleich zu den bisherigen Summen, die für die Rettung von Irland, Portugal, Griechenland und die Banken in Spanien aufgewendet wurden. Jedoch steigt mit jedem neuen, noch so kleinen Betrag der in die Krisenbewältigung investiert werden muss, von Seiten der Bevölkerung der Druck auf die Politik. Die Ungewissheit, ob die eingesetzten Steuergelder jemals wieder zurückfliessen, nimmt besonders in den stark beteiligten Ländern wie Deutschland zu.

Es scheint, als wollten die Finanzminister der Eurogruppe nun ein Zeichen setzen und beschlossen in der Nacht auf letzten Samstag beim Entwurf des Rettungspakets die zyprischen Bankkunden an der Rettung des wirtschaftlich angeschlagenen Landes zu beteiligen. Sie sollten eine Sonderabgabe von 6.75% auf Guthaben bis EUR 100’000 und 9.9% auf höhere Beträge zahlen. Damit sollte Zypern geschätzte EUR 5.8 Mrd. beitragen, dies als Bedingung damit das Land die Rettungshilfe von EUR 10 Mrd. von der Eurozone und vom IWF erhält.

Mit diesem Vorschlag wurde ein Tabu gebrochen. Erstmals seit Ausbruch der Euro-Krise sollen Bankkunden und Kleinsparer sich mit ihren Guthaben an der Krise beteiligen. Noch beim Ausbruch der Euro-Krise wurde der Einlegerschutz für Bankkunden entschieden verschärft, mit dem Ziel die Kundengelder bei Banken bis zu einem gewissen Betrag zu schützen, das nötige Vertrauen zu schaffen und die Sicherheit zurückzugewinnen.
Mit dem am letzten Wochenende entworfenen Rettungsplan für Zypern wird einerseits der Einlegerschutz bei den zyprischen Banken aufgehoben. Sehr gut nachvollziehbar, dass eine solche Bestimmung jeden einzelnen Sparer veranlasst, sofort sein Geld vom Bankkonto abzuziehen und somit die Gefahr eines sog. Bank Runs abrupt ansteigt. Dies kann für eine Bank in der Situation eines Liquiditätsengpasses den sofortigen Todesstoss bedeuten.
Andererseits sendet diese Bestimmung der EU-Minister ein Signal für die Zukunft. Der Einlegerschutz kann in sämtlichen Euro-Ländern in Frage gestellt werden, könnten doch die politischen Gremien bei Ausbruch eines weiteren Krisenherds über bisher unvorstellbar ähnliche Bestimmungen verfügen. Damit kann sich Europaweit rasch eine angespannte Liquiditätssituation einstellen und das Finanzsystem wie beim Ausbruch der Euro-Schuldenkrise an den Rand des Abgrundes führen. Ein rascher Eingriff der Zentralbank, die den Markt uneingeschränkt mit Liquidität versorgt, ist dann Voraussetzung zur Stützung des Systems.

Der europäischen Notenbank EZB kann bei der Unterstützung von Zypern keinen Vorwurf gemacht werden. Sie handelt nun in der Krise sofort und versucht mit kommunikativen Massnahmen die Märkte zu beruhigen. So liess sie verlauten die zyprischen Banken mit der notwenigen Liquidität zu versorgen, damit das Finanzsystem weiterhin liquide bleibt. Diesen Zustand kann allerdings nur vorübergehend aufrecht erhalten werden, um Zeit für die Lösungsfindung zu schaffen.

Bei der Zypern-Rettung kommt nun noch ein weiterer erschwerender Faktor hinzu. Es sind dies die Interessen und die indirekte Beteiligung eines Nicht-Euro-Landes, Russland. Das Land hatte vor einigen Jahren bereits einen Milliarden-Kredit gesprochen. Zudem haben viele russische Privatpersonen und Unternehmen ihre Barmittel auf der Insel parkiert und sind deswegen an einer Lösung ohne Abschreiber interessiert.

Es lässt sich vermuten, dass die Entscheidungsträger aus der Politik keine Erkenntnisse aus der bisherigen Bewältigung der Euro-Schuldenkrise mitgenommen haben. Deren bisheriger Verlauf hat klar aufgezeigt, dass die wichtigste Aufgabe beim Ausbruch einer Krise wie jene von Zypern ist, rasch zu reagieren, Zeit zu gewinnen eine vernünftige Lösung zu präsentieren und damit die Sicherheit und das Vertrauen an den Märkten zu schaffen bzw. zurückzugewinnen.
Das Rettungspaket für Zypern in der Form schaffte kein Vertrauen. Im Gegenteil, es sorgte bisher für weitere Anspannung und Unsicherheiten an den Finanzmärkten. Die Aktienkurse und der Euro reagierten prompt mit grösseren Ausschlägen.

Es ist nicht der Umstand, dass Zypern in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen könnte und somit die Märkte massiv belastet. Die Wirtschaft von Zypern ist nahezu unbedeutend im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften des Euro-Raums. Es ist erneut die Art und Weise wie die Bewältigung der Krise durch die politischen Gremien angegangen wird. Kein einheitliches Auftreten, keine langfristige von der Bevölkerung getragene Lösung, kein Schaffen von Vertrauen und Sicherheit. Damit werden alte Wunden aufgerissen und die Euro-Krise ist wieder präsenter denn je.