Crash Kurs – der richtige Zeitpunkt ab- bzw. aufzuspringen

Betrachten die Anleger die Performance Zahlen vom Januar ’22, reiben sich wohl viele verwundert die Augen. Der Monat gehört im langjährigen Schnitt doch meist zur Kategorie der besseren und positiven Börsenmonate. Insbesondere die US-Technologie-Börse Nasdaq brach diesen Monat ein, riss die Weltbörsen mit sich, und beendete den Januar auf weit tieferen Levels, eine Korrektur zwischenzeitlich von rund 17%. Einzelne Aktien, wie zum Beispiel Netflix, verloren innerhalb von wenigen Tagen 40% oder sogar noch mehr an Wert.

Nachdem der Index am ersten Handelstag des Jahres noch zulegte und nahe seines Allzeithochs schloss, setzten bereits am zweiten Handelstag Verkäufe ein. Befürchtungen über eine rasche Zinswende brachten die, für ein solches Ereignis notwendige Unsicherheit hervor. Mit den aktuell hohen Inflationszahlen, welche doch eher als vorübergehend einzustufen sind, war plötzlich die Angst einer raschen Zinswende bzw. sogar die Gefahr eines potenziellen Zinsschocks allgegenwärtig. Die Veröffentlichung des Sitzungs-Protokolls der US-Notenbank Fed, liess erahnen, dass der Markt mit 3 bis 4 Zinserhöhungen in den USA für dieses Jahr rechnen kann. Ein Zeichen für institutionelle Anleger, sich zumindest von einem Teil der doch langsam hoch bewerteten Technologie Aktien zu trennen.

Und als nach einigen Tagen mit negativen Vorzeichen die 200-Tage Linie vom Nasdaq durchbrochen wurde, gab es für die Verkäufer fast schon kein Halten mehr. Die Durschnitts-Linie gilt als starkes Support-Level, ein technischer Indikator für den längerfristigen Verlauf des Marktes. Befindet sich der Index über dem Level, gehen Investoren von einem erfreulichen, positiven Trend aus. Durchbricht der Index diese Marke, kann dies als Zeichen einer Korrektur und für weitere potenzielle Kursverluste gewertet werden.

Dass die Zins-Thematik zwar für gewisse Unruhe und Nervosität sorgen könnte war absehbar, dass dies kurzfristig eine so heftige Abwärtsspirale einläuten könnte, war doch eher überraschend.

 

Chronologie der Korrektur

Beobachtete man genau an den einzelnen Handelstage den Verlauf der Indizes, insbesondere jenen der Technologie-Börse Nasdaq, las und interpretierte die z.T. heftigen Bewegungen, liessen sich jeweils die Schlüsse ziehen, in welchem Korrekturstadium sich der Markt gerade befindet.

Der Januar ’22 lässt sich schon fast für ein lehrbuchmässiges Korrektur-Prozedere verwenden. Dies möchte ich anhand der folgenden 10 Punkten erläutern:

Damit sich jedoch überhaupt ein solches Szenario entwickeln kann, brauch es gewisse Voraussetzungen:

Viele Anleger setzen über eine länger anhaltende Zeitspanne auf das gleiche Pferd, investieren im selben Sektor, kaufen dieselben Aktien, und schaffen somit über eine längere Zeitperiode den sog. Crowded Trade bzw. eine hohe Bewertung der Unternehmen im Vergleich zu ihren Unternehmensergebnissen.

Die Aktien der Technologie Giganten waren seit Jahren gefragt und wurden durch die seit 2020 vorherrschende Corona-Pandemie in der Nachfrage noch weiter befeuert. Fast schon garantierte positive Performance Zahlen lockten immer noch mehr Investoren und dann auch Kleinanleger an, in diese Werte zu investieren. Daraus resultiert eine vergleichsweise hohe (Über-)Bewertung.

  1. Unsicherheit

Aufkommende Unsicherheit ist grundsätzlich keine gute Voraussetzung für positive Aktienkurse.

Die Inflationsängste und eine angeblich markante Zinswende in den USA schreckten die Investoren auf. Die wachstumsorientierten Titel leiden bei steigenden Zinsen am stärksten. Die projizierten Gewinne der Unternehmen werden mit einem höheren Zins abdiskontiert, womit sie vergleichsweise weniger wert sind. Auf die Bewertungs-Modelle der wachstumsstarken Technologie-Unternehmen trifft dieser Effekt besonders zu.

  1. Institutionelle Anleger

Es sind meist die institutionellen Anleger die in einer solchen Phase beginnen, wenige Prozente ihrer Portfolios umzuschichten. Es sind kleine Anteile des Portfolios, welche jedoch grössere Beträge bzw. Volumen ausmachen.

Gleich nach Jahresbeginn haben mit diesen Aussichten die institutionellen Anleger begonnen, sich zumindest von einem Teil ihrer Tech-Aktien zu verabschieden. Dies geschieht meist über aktiv gemanagte Fonds oder passive Investment-Bausteine wie die ETFs.

Zu beobachten war diese Aktivität am Nasdaq im Abfallen der Kurse über die letzten 1 bis 1 ½ Handelsstunden. Ein Zeichen, dass diese Vehikel Positionen reduzieren müssen, veranlasst durch Rücknahmen/Verkäufen von Fondsanteilen.

  1. Short Seller

Leerverkäufer, sog. Short Seller, entwickeln ebenfalls ein solches Szenario in ihrer Anlagestrategie, wittern ihre Chance und beginnen mit Wetten auf fallende Kurse abzuschliessen. Sie verkaufen Aktien, welche sie gar nicht besitzen, um sie dann später zu einem tieferen Kurs wieder zurück zu kaufen. Durch deren Verkauf geht der Trend von fallenden Aktienpreisen weiter.

  1. Volatilität

Mit den fallenden Kursen beginnen Investoren ihre noch bestehenden Positionen auf weiter fallende Kurse mit Hilfe von Options-Strategien abzusichern. Dies beeinflusst den Volatilitätsindex, ein Grad für die Schwankungsintensität für einen gewissen Zeitraum, welcher in einem solchen Szenario rasch nach oben schnellt. In einem normalen Umfeld befindet sich der sog. VIX Index zwischen 10 und 15. Mit der Korrektur schnellte der VIX in wenigen Tagen von einem normalen Level auf knapp 39 hoch. Letztmals hatte der Volatilitätsindex ein solches Level während der Korrektur in der Corona Pandemie im März 2020 erreicht.

  1. Technische Support-Levels

Die Thematik von technischen Indikatoren, welche Investoren für ihre Investment-Entscheide beiziehen, habe ich bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 aufgegriffen.

In einem Korrektur-Szenario ist die 200-Tage Durchschnittslinie von immenser Bedeutung, da sie bei Investoren so viel Beachtung findet. Fällt der Index bzw. Kurs darunter, gilt der Aufwärtstrend als gebrochen. Ein weiterer Abverkauf setzt höchstwahrscheinlich ein, durch all jene Investoren, die anhand dieser technischen Indikatoren ihre Portfolios aufsetzen und Investment-Entscheide fällen.

Der Abverkauf wird sodann durch einen weiteren Faktor grundlegend verstärkt. In den USA wird je nach Markt-Segment an der Börse zwischen 70 bis 80% der Handelsvolumen durch Hochfrequenz-Handel oder sog. High Frequency Trading ausgelöst. Es sind somit Computer, die anhand von programmierten Algorithmen innerhalb von Millisekunden entscheiden Positionen zu kaufen oder abzustossen. Während eines solchen Szenarios wie nun im Januar, kann der Markt über Stunden oder Tage mit weiteren sowie einer ansteigenden Anzahl an Verkaufsorders geflutet werden. Daraus resultierten in Vergangenheit auch schon sog. Flash-Crashes, ein heftiger Markteinbruch innert wenigen Minuten, wie zum Beispiel am 6. Mai 2010, als die US-Leitindizes innert 6 Minuten fast 6% einbrachen und der Dow Jones Index zeitweise sogar mehr als 9% verlor.

  1. Margin Calls

Sind diese technischen Levels durchbrochen, bedeutet dies sehr oft einen weiteren Druck und zumindest kurzzeitig den Fortgang der negativen Kursentwicklung. Der nächste heftige Abschlag wird durch sog. Margin Calls ausgelöst. Nach einer Korrektur von 10-15% werden Anleger gezwungen, welche mit Fremdkapital spekulieren, ihre Positionen zu reduzieren, koste es was es wolle. Ein sog. Forced Selling setzt ein. Der Index sinkt in einem solchen Fall kurz nach der Eröffnung ins schier Bodenlose, so wohl geschehen und zu beobachten am Montag, den 24. Januar. Der Nasdaq Index verlor im Tagesverlauf zeitweise fast 6%, was bisher auch den Tiefpunkt innerhalb der bisherigen Korrektur markierte. Nachdem die Transaktionen der Margin Calls abgeschlossen sind, ist eine Gegenbewegung zu beobachten. Noch gleichentags setzte eine enorme Gegenbewegung ein. Der Nasdaq 100 Index bewegte sich an diesem Tag in einem Spektrum von -5.8%, nach einer kräftigen Erholung zwischenzeitlich sogar leicht Plus, bevor dieser dann knapp ein halbes Prozent tiefer aus dem Handel ging.

  1. Staunen / irrational

An solchen Tagen mit solchen heftigen Bewegungen sitzt selbst manch Börsianer vor dem Bildschirm und schaut sich fast ungläubig die Kursentwicklungen und die Farben von tief rot bis hin zu grün, an. Worte wie, «das kann doch gar nicht sein», «völlig irrational» gehen durch die Köpfe. Die Kursbewegungen gleichen über die nächsten Tage einer Achterbahn, aufspringen oder abspringen?

  1. Spekulanten / Day Trader

Mit den hohen Ausschlägen der Kurse innerhalb eines Tagesverlaufs, wittern die Trader, sog. Day Trader, die Gelegenheit für kurzfristige Spekulationen und betreten das Parkett für eine gewisse Zeit. Ein Auf und Ab folgt über die nächsten Tage, abrupte Kurswechsel sind zu beobachten, oft verbunden mit dem Erreichen von Levels, vorgegeben durch technische Indikatoren.

  1. Prüfen der sog. Lows

Die Trader versuchen den Markt in der einen oder anderen Richtung zu testen, ob ein Ausbruch nach oben oder weiter nach unten erfolgt. Sehr oft ist dann zu beobachten, dass die während Vortagen erreichten Tiefststände nochmals getestet werden. Die Schwankungsanfälligkeit und die Volatilität beginnen abzunehmen resp. zu sinken. Darauf verlassen die Day Trader nach und nach das Spielfeld, bleiben jedoch auf der Hut im weiteren Verlauf.

  1. Technischer Rebound

Am Freitag, den 28. Januar schien der Markt den am 24. Januar erreichte Tiefstwert nochmals zu testen. Da der Index beim Test der Lows kein noch tieferer Wert erzielte, d.h. Käufer dagegen hielten, wurde dies durch die Investoren positiv gewertet. Daraus resultierte und setzte schlussendlich der sog. Technische Rebound ein, welcher bis heute Dienstag, den 1. Februar, anhält.

 

„Mein“ Portfolio

In gewissen Stadien der Korrektur ergeben sich jeweils neue Chancen sich für mittel- bis längerfristige Anlagemöglichkeiten zu positionieren. Genau DEN richtigen Zeitpunkt, das sog. Low, erwischt selbst ein professioneller Anleger äusserst selten bis kaum.

Abhängig von der Allokation und Risikoneigung lassen sich genau solche Szenarien gezielt nutzen, schrittweise bzw. über mehrere Transaktionen, verteilt über mehrere Tage hinweg, sein Exposure aufzubauen oder zu erhöhen. Voraussetzung ist natürlich eine gewisse Cash Reserve zu haben, welche investiert werden kann. Kennt man die einzelnen Phasen einer Korrektur und lassen sich diese konkret beobachten, ist ein gutes Timing möglich. Damit lässt sich ein besseres Einstiegslevel erzielen.

Innerhalb der Korrekturphase gibt es aber auch Momente, die man einfach von der Seitenlinie beobachten sollte und das Spielfeld den kurzfristig agierenden Trader überlassen bis wieder Klarheit herrscht über die Richtung und der Markt wieder beginnt in rationalen Bahnen zu verlaufen.

Eine gewisse Korrektur bei den Technologiewerten ist nachvollziehbar, der Zeitpunkt einer solchen Korrektur kaum voraussehbar, die Dimension dieser Korrektur eher irrational und schlussendlich technisch getrieben.

Wie bereits im Artikel vom 10. Januar 2022 hingewiesen, bleibt das Potenzial bei den Technologiewerten intakt, insbesondere nach der jüngsten Korrektur. Die während den letzten Tagen publizierten Unternehmens-Ergebnisse von Microsoft, Apple, Google etc. waren stark und sind positiv zu werten.

Die Inflationsängste scheinen mir übertrieben. Die Inflationszahlen könnten nun ihren Höhepunkt erreicht haben. Sollten es trotzdem noch 4 Zinserhöhungen in den USA innerhalb von diesem Jahr geben, bewegen wir uns weiterhin auf einem längerfristig sehr tiefen Niveau. Es ist noch ein weiter Weg bis zur sog. Zinsnormalisierung in den USA geschweige denn in Europa, der Schweiz und Japan. Somit dürfte sich ein Potenzial auf steigende Kurse bei Technologie Aktien trotz steigender Zinsen ergeben.

 

Newsletter – Informationen in Zukunft

Mit meinem Artikel möchte ich u.a. aufzeigen, dass eine solche ausserordentliche Markt-Situation auch viele Chancen bietet. Ziel von ETFMandate ist es u.a. Sie in Zukunft äusserst zeitnah über solche Anlagechancen zu informieren.

Abonnieren Sie deshalb am besten sogleich den Newsletter und Sie werden zu gegebenem Zeitpunkt über weitere Neuerungen und Erweiterungen sowie die Möglichkeit solche Informationen zu Anlage-Themen in Zukunft zu erhalten, erfahren.

Zeit sich von Apple, Amazon & Co’s zu trennen vs. «Buy the Dip»

Nach der ersten Handelswoche im neuen Jahr rieben sich die Marktakteure die Augen. Anstatt wie üblich während dieser Phase des Jahres auf Grün, standen die Indexvorzeichen am Ende der Woche überraschenderweise auf negativ. Der kurzfristige Trend scheint sich nun in die zweite Handelswoche hinein fortzusetzen.
Bei den Leitindizes hat der Technologie schwergewichtige Nasdaq Composite mit einem Minus von 3.6% innerhalb der ersten Woche am stärksten nachgegeben. Dies, nachdem an den ersten beiden Handelstagen in den USA noch Levels auf neuen Allzeithochs erzielt wurden.

Apple – wertvollstes Unternehmen

Gleich am zweiten Handelstag liess die Meldung aus New York aufhorchen, dass Apple im vorbörslichen Handel mit dem Kurs pro Aktie von über USD 182.88 als erstes Unternehmen weltweit einen Wert von über USD 3 Billionen Marktkapitalisierung erreicht hat. Erst im August 2020 hat der iPhone-Riese die 2 Billionen Dollar Grenze geknackt. Zwei Jahre vorher gelang es Apple als ersten Konzern eine 13-stellige Bewertung zu erreichen. Alleine im vergangenen Jahr legten Apples Aktien um knapp 34% zu. Nach einem solch raschen und markanten Anstieg, stuft auf den ersten Blick manch einer die Bewertung als doch eher hoch ein.

Obwohl die letzten Quartale unter Chipmangel und weltweiten Lieferkettenproblemen standen, verdiente Apple im Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr enorme USD 94.7 Milliarden und steigerte das Ergebnis damit zum Vorjahr um rund 65%. Alleine im vierten Quartal meldete Apple einen Nettoumsatz von USD 83.4 Milliarden, ein Plus von 30% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn fiel im selben Zeitraum satte 62% höher im Vergleich zum Vorjahr aus.

Das Unternehmen sitzt aktuell auf einem Cash-Bestand von über USD 100 Milliarden. Strategisch stehen dem Konzern somit sämtliche Optionen offen. Sei es mit neuen Wachstumsinitiativen, strategischen Zukäufen oder Aktienrückkaufprogrammen und Dividenden um für Aktionäre neue Werte zu schaffen.

Inflations- und Zinssorgen

Es gibt Investoren, die mit grösseren Summen kurzfristig Wetten auf bestimmte Kursziele eingehen, um dann sogleich beim Erreichen dieser Werte ihre Positionen zu schliessen und die Gewinne einzufahren. So geschehen beim Erreichen der 3 Billionen Marke von Apple, worauf noch am selben Tag Gewinnmitnahmen beim Titel einsetzten. Ende der Woche schloss die Aktie knapp 6% unter diesem Wert.

Gleichzeitig sorgten die veröffentlichten Protokolle der zuletzt im Dezember stattgefunden Fed Sitzung für aufkommend Inflations- und Zinssorgen und damit für weiteren allgemeinen Abgabedruck bei den Technologiewerten. Die wachstumsorientierten Titel leiden in einem solchen Umfeld am stärksten. Die projizierten Gewinne der Unternehmen werden mit einem höheren Zins abdiskontiert, womit sie vergleichsweise weniger wert sind. Auf die Bewertungs-Modelle der wachstumsstarken Technologie-Unternehmen trifft dieser Effekt besonders zu. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe, der sog. Treasury, schoss innert Wochenfrist von 1.51% auf vorübergehende 1.8% hoch.

Es darf angenommen werden, dass beide Effekte, sowohl die erhöhte Inflation sowie die Zinssorgen eher von kurzfristiger Natur sein werden. Die amerikanische Zentralbank Fed kauft weiterhin Anleihen, auch wenn in reduziertem Tempo bzw. Menge. Trotz Beginn dieses sog. Taperings, fliesst in dieser Phase weiterhin Liquidität in den Markt. Und auch wenn der Markt derzeit noch von 3 Zinserhöhungen innerhalb des Jahres 2022 ausgeht, und das Fed diese tatsächlich vollziehen sollte, werden sich die Zinsen weiterhin in einem historischen tiefen Rahmen bewegen und die Liquidität im System weiterhin massiv bleiben.

«Mein» Portfolio

Das genaue Ende eines solch kurzfristigen Trends der zugespitzten Inflations- und Zinssorgen, der die Anleger aus den vermeintlich teuren sog. Wachstumswerten treibt, ist schwierig zu prognostizieren. Je extremer die Vorgaben von negativer Performance, wie dies heute nach der Eröffnung der Fall ist, desto eher eröffnet dies kurzfristig auch Chancen für den Einstieg. Der sog. Buy the Dip kann für den Aufbau von weiterem Exposure in Technologiewerte genutzt werden, um dann von einer möglichen Gegenbewegung, sog. Rebound zu profitieren. Bietet sich dem Anleger genügend Cash-Reserve und belaufen sich die Transaktionskosten im Rahmen, kann der Aufbau auch über zwei drei Schritt erfolgen, sollten die Kurse noch weiter nachgeben.

Das Beispiel von Apple zeigt, wie gut der Innovationszyklus und die Cash-Maschinerie der grossen Technologiekonzerne funktioniert. Wie bei Apple besteht bei den weiteren grossen US-Technologiekonzernen eine rege Nachfrage nach ihren Leistungen, weshalb auch weiterhin ein, für Unternehmen dieser Grösse, überraschend starkes Wachstum ausweisen dürften. Damit lässt sich schlussendlich im Vergleich auch eine höhere Bewertung rechtfertigen.

Ziehen wir nebst der Bewertung die Chart-technischen Faktoren hinzu. Der Nasdaq befindet sich seit geraumer Zeit in einem positiven Trend. Solange der Index über der 200-Tage-Durchschnittslinie bleibt, sollte dies für weitere Unterstützung sorgen. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass wir im heutigen Umfeld diese Marke aktuell noch testen werden. Hält der Index diese Marke am Schluss des Tages, ist dies als Zeichen der Stärke und als Möglichkeit für einen weiteren positiven Verlauf zu deuten. Umgekehrt könnte vorübergehend noch weiterer Abgabedruck folgen, ausgelöst durch die Trader, deren Anlagestrategie sich auf die technischen Signale stützen.

Das Umfeld mit erhöhter Volatilität und somit mit grösseren Ausschlägen sowohl nach unten wie auch nach oben kann durchaus für einen gewissen Zeitraum fortbestehen. Insbesondere da der Technologie-Sektor zu den sog. Crowded Trades gehört, bleibt er kurzfristig anfällig für grössere, negative Ausschläge, welche Anleger für sich jedoch als Chance nutzen können.

ETF auf Nasdaq

Der Aktienverlauf von Amazon über die letzten eineinhalb Jahre zeigt, dass nicht alle Big Techs im Gleichschritt über denselben Zeitraum zulegen konnten. Die Aktie des Online-Giganten tendierte in dieser Periode eher seitwärts. Als Anleger kann es effizienter sein, statt einzelne Technologiewerte zu kaufen, in den ETF auf den entsprechenden Index, Nasdaq, zu investieren und somit einem Klumpenrisiko im Portfolio vorzubeugen. Ist ein Anleger bereits in einzelnen Werten investiert, kann sich ein Switch in einen diversifizierten Index lohnen, um so die Risiken zu reduzieren.

Apple zählt zu den grossen Tech-Giganten in den USA, welche im Nasdaq 100 Index enthalten sind. Die 7 grössten Werte, dazu zählen nebst Apple, Amazon, Microsoft Netflix, Alphabet (Google), Tesla auch Nvidia, und vereinen knapp 50% der Indexgewichtung auf sich. Mit einer einzigen Transaktion gewinnt der Anleger Zugang, sog. Exposure, zum weiterhin attraktiv einzustufenden Technologie-Sektor mit einer bedeutenden Beteiligung an den grossen Technologiekonzernen. Gleichzeitig profitiert er von sämtlichen Vorteilen eines solchen Investmentvehikels.

Die bedeutenden Vorteile von ETFs und viele weitere Themen innerhalb der Anlagethematik werde ich auf ETFMandate im Laufe der Zeit aufzeigen.

„Don’t catch a falling knife“?

Nach mehrmaligem Testen brach Gold durch das technische Supportlevel zwischen 1500/25 und löste dadurch eine starke Welle von Verkaufaufträgen, sog. Stop Loss Orders aus. Innert kürzester Zeit wollten damit viele Investoren ihre Positionen reduzieren, was zu einem bisherigen Absinken des Goldpreises auf das Level von USD 1356 führte und damit nahe in die Zone des nächst grösseren technischen Supportlevels  zwischen 1300/50.

Hat sich in den letzten Tagen fundamental wirklich derart vieles geändert, dass eine derart starke Reduktion gerechtfertigt ist? Einzig Stimmen aus dem letzten Fed Meeting liessen uns wissen, dass die Geldschwemme auch einmal ein Ende haben könnte, was kurzfristig Aktien aber auch Gold belasten würde. Die letzten Konjunkturdaten aus den USA und auch global zeichnen eher ein sich eintrübendes Bild, was die Anstrengungen des Fed und somit den Goldpreis eher stützen sollte. Zudem sind Realwerte wie Gold bei einem sich in später Zukunft abzeichnende Inflationsszenario ebenso gefragt.

Ein bekanntes Börsen-Sprichwort lautet, dass ein fallendes Messer nicht aufgefangen werden soll. Gilt dies nach dem Kursrutsch nun auch für Gold?
Nach dem unerwarteten starken Börsenstart in den ersten drei Monaten ist generell eine höhere Nervosität an den Märkten spürbar, was die höheren Ausschläge der Kurse während den letzten Tagen verdeutlichen. Gold bleibt ein Rohstoff mit knappen Angebot und weiterhin einer Nachfrage aus Konsum und ebenso bedeutender Nachfrage von Zentralbanken, was schlussendlich den Preis stützen sollte.
Nach der technischen Korrektur ist nun auch in den nächsten Stunden/Tagen mit einer technischen Gegenbewegung zu rechnen. In Portfolios mit einer kleinen Goldposition kann mit einem Zukauf evtl. der Einstandspreis reduziert werden, um von dieser Gegenbewegung profitieren zu können. Wobei nach einer ersten Verkaufswelle normalerweise mit einer zweiten  gerechnet werden muss. Wie gross diese Bewegungen ausfallen wird sich zeigen. Ein aktives Trading inkl. Stop Loss ist demnach vorausgesetzt.

Strukturiertes Produkt in CHF als Ergänzung fürs Portfolio

Obligationen von Unternehmen mit Top-Bonität bieten derzeit kaum Renditen. Gerade Anlagen in CHF und reduziertem Risiko erzeugen aufgrund des tiefen Zinsumfelds keine realen Renditen mehr u.a. mit der Berücksichtigung von Transaktionskosten und anfallenden Steuern auf den Kapitalertrag. Deshalb wird hier eine konservative Anlage-Idee in Form eines Strukturierten Produktes auf einen Aktien-Basiswert mit einer attraktiven Rendite und verhältnismässig tieferem Risiko in der Anlagewährung CHF vorgestellt.

Low Strike Reverse Convertible

Der Low Strike Reverse Convertible weist gewisse Ähnlichkeiten zum bekannten Barrier Reverse Convertible auf, mit entscheidenden wichtigen Unterschieden. Diese Form des Strukturierten Produkts ist eine defensivere Struktur und als Ersatz von nicht investierter Liquidität (kein Zins auf Konto) oder einer kurzläufigen Obligation (tiefe Rendite) zu verstehen. Der zugrunde liegende Basiswert ist in diesem Beispiel der EuroStoxx 50 Index. Obwohl der Index in EUR geführt wird, ist das Produkt in CHF aufgelegt und damit frei von Währungsrisiken (als CHF Anleger). Die Laufzeit wurde auf max. drei Jahre begrenzt, da das Produkt einen sog. Autocall Trigger besitzt. Liegt der Basiswert über dem Anfangslevel (100%) so wird das Produkt bei einer jährlichen Betrachtung vorzeitig zurückbezahlt inkl. Couponzahlung. Liegt der Basiswert unterhalb des zu Beginn fixierten Levels, läuft es bis zum Endverfall (max. 3 Jahre) weiter. Sollte der Index innerhalb der Laufzeit unter das sog. Strike Level (55%) fallen, demnach mehr als 45% verlieren, ist dies nicht von Bedeutung. Erst am letzten Tag bei Verfall spielt der Indexstand eine Rolle. Liegt der Basiswert über 55% wird das Produkt zu 100% zurück bezahlt inkl. dem jährlichen garantierten Coupon. Erst im Moment, bei dem der Index per Endverfall unter dem Level von 55% liegt, beträgt die Rückzahlung weniger als das investierte Anfangsvolumen. Für jedes Prozent unter dem Strike Level ist der Verlust bei einem Produkt mit den unten aufgeführten Parametern knapp 2%. Angenommen, der EuroStoxx 50 Index liegt in 3 Jahren 50% tiefer und somit 5%-Punkte unter dem Strike Level, so wird das Produkt noch knapp zu 91% zurückbezahlt (Endlevel (50)/Strike Level (55)). Mit den drei garantierten Coupons von 2.4% p.a. (indikativ), total 7.2% auf die gesamte Laufzeit, würde dann der Verlust im Total lediglich 1.9% betragen.

Übersicht der wichtigsten Parameter (Coupon Indikation zur Verfügung gestellt von EFG Financial Products, 5. April 2013)
Währung: CHF
Basiswert: EuroStoxx 50 Index
Laufzeit: max. 3 Jahre
Autocall Trigger: 100%
Autocall Frequenz: jährlich
Strike: 55%
Coupon: 2.4% p.a. (indikativ, über die Produktlaufzeit garantiert, max. 7.2%)

Die beiden wichtigsten Risiken bei diesem Strukturierten Produkt sind das Marktrisiko und Emittentenrisiko. Das Währungsrisiko ist mit dem Hedge (Absicherung) wie bereits oben erwähnt ausgeschlossen. Die Höhe des Coupons variiert je nach Abschlusstag von den herrschenden Marktbedingungen. Insbesondere die Volatilität beeinflusst den Coupon für das Produkt, der danach fix ist. Sollte sich der Trend der letzten Woche an den Aktienmärkten in den folgenden Tagen fortsetzen, ist ein höherer Coupon um die 3% bei sonst gleichbleibenden Parametern durchaus möglich. Eine Zeichnung eines neuen, individuellen Produkts ist zu empfehlen, da damit die Transaktionskosten wegfallen und wenn überhaupt nur kleine Zeichnungsgebühren anfallen.

Im Gegensatz zum klassischen und allgemein gängigen Strukturierten Produkt Barrier Reverse Convertible bietet der Low Strike Reverse Convertible bei einer grösseren negativen Entwicklung des Basiswertes bis zu einem gewissen Punkt ein tieferes Verlustpotenzial. Auch die Preisentwicklung des Produkts selbst während der Laufzeit bietet Vorteile. In der Vergangenheit zeigten bereits laufende Produkte derselben Struktur während der starken Korrektur der Aktienmärkte im August/September 2011 verhältnismässig nur kleine negative Preisentwicklungen, während Barrier Reverse Convertibles viel stärker im Preis korrigierten. Deshalb ist ein Low Strike Reverse Convertible trotz indirektem Aktienexposure eine sehr defensive Anlage, gedacht als Ergänzung im Portfolio und zur Optimierung und Steigerung der Performance.

SMI technisch überschossen

Der Schweizer Aktien-Index SMI hat sich seit Jahresbeginn von sämtlichen anderen Aktienindizes abgekoppelt. Die Performance liegt nach heutigem Börsenschluss bei fast 9% YTD (year to date). Die Gründe sind vielseitig:

  • Defensiver Index:
    Im Vergleich zu anderen Indizes hat der SMI mit seinen Schwergewichten Nestlé, Roche, Novartis etc. defensiven Charakter. Entscheiden sich Investoren derzeit für ein Aktieninvestment, fällt die Wahl auf eher solche Titel, um bei allfällig ansteigender Volatilität die Verluste zu minimieren;
  • Hoher Anteil an Finanztiteln:
    Nebst den oben genannten Schwergewichten enthält der SMI ein grosses Gewicht an Banken und Versicherungen. Dieser Sektor hat nach dem Entscheid über die Verlängerung zur Aufstockung der Kapitalreserven (s. Bericht vom 16.01.) zuletzt stärker zugelegt;
  • Globale Unternehmen:
    Fast alle im Index enthaltenen Unternehmen agieren global und sind somit in unsicheren Zeiten, in verschiedenen Wirtschaftsregionen agierend, breit abgestützt;
  • Dividenden:
    Der Index bietet einige Titel mit weiterhin attraktiven Dividendenrenditen, weshalb diese Titel derzeit mehr nachgefragt werden;
  • Steuerbefreite Dividendenausschüttungen:
    Schweizer Unternehmen bietet sich die Möglichkeit der Herabsetzung von Kapitalreserven mit der Ausschüttung in Form einer steuerbefreiten Dividende. In der Hoffnung, die Unternehmen wählen diese Form der Kapitalausschüttung, greifen die Investoren vermehrt nach solchen Titeln;
  • CHF:
    Der Schweizer Franken ist und bleibt als Währung der sichere Hafen. Sollte es zu neuen Turbulenzen führen, sei es durch die schlechte Entwicklung der Wirtschaft oder sollte in den USA keine Einigung bzgl. des Schuldenproblems erzielt werden, können auswärtige Investoren mit einer erneuten Erstarkung des CHFs rechnen;
  • Fehlende Alternativen:
    In den fast sämtlichen Industrieländer kommt die Wirtschaft nicht in den gewünschten (Auf)schwung. Bleiben noch wenige Länder, die davon nicht oder weniger betroffen sind (z.B. Schweiz, Neuseeland, Australien)

Die technische Analyse zeigt, dass der SMI mit dem heutigen Tag definitiv überschossen hat. Wir befinden uns mit einem RSI (Relative Strengh Index) von knapp 87 in einem sehr deutlich überkauften und fast nie erreichtenLevel. Die überkaufte Zone beginnt bei  einem Wert ab 70. Eine technische Korrektur noch diese Woche oder spätestens zu Beginn der nächsten Woche ist nun unausweichlich.

Trading Idee:
Mit einem kurzfristigen Trade kann dieses klare Verkaufssignal genutzt werden. Dazu dient ein geeigneter Put Knock-out Warrant. Allerdings wird dies nur erfahrenen Anlegern empfohlen, da die Volatilität und somit das Verlustrisiko grösser sind.

Eine andere Möglichkeit bietet sich mit einem short ETF auf den SMI. Der verfügbare Titel ist doppelt geshortet (2x short): Lyxor ETF daily 2x short on SMI (LYSSL)
Wird nur die Hälfte des im Voraus festgelegten Exposures investiert, verhält sich das Investment wieder wie ein einfacher Short.

Gold (XAU)

Gold gerät aufs Jahresende hin wie im Jahr zuvor etwas unter Druck:

  • Kurzfristig sind Investoren etwas optimistischer:
    1. Für die Lösung der EUR-Schuldenkrise wurde wieder etwas mehr Zeit gewonnen, indem Griechenland die Auflagen für die nächste Hilfstranche erfüllt hat. Darauf folgte auch der Rating-Upgrade von Standard & Poors mit einem stabilen Ausblick.
    2. Investoren gehen von einer Lösung der „Fiscal Cliff“ aus. Dies ist auch so im Markt eingepreist. Sollte vor Jahresende keine Lösung gefunden werden, birgt dies die Gefahr von Rückschlägen.
    3. Etwas bessere Zahlen aus der Wirtschaft (China & USA) stützten den positiven Trend bei den Aktien und dem Sentiment generell während den letzten Wochen.
  • Investoren reduzieren etwas an ihren Goldbeständen auf das Jahresende hin (vgl. letztes Jahr).
  • Die Volumen sind in dieser Jahreszeit normal etwas geringer, was zu stärkeren Bewegungen führen kann.

Der Rückfall im Goldpreis auf ca. USD 1650 kann als Kaufgelegenheit wahrgenommen werden. Auch technisch gesehen bietet sich eine gute Chance für den Einstieg/ Erhöhung (s. Chart).

Vgl. hierzu auch Trading Idee vom 6. Dezember 2012

Chart Gold in USD 121221

Gold (XAU)

Gute Gelegenheit Gold aufzustocken bzw. neu ins Portfolio zu nehmen:

  • Zentralbanken fluten den Markt mit enorme Geldmengen
  • Inflation wird deshalb  in Zukunft auch im Umfeld mit schwachem Wirtschaftswachstum anziehen
  • Schuldenkrise: weiterhin nicht gelöst (auch jüngstes Rückkaufprogramm von griechischen Anleihen durch Griechenland selbst bringt längerfristig keine Entlastung für den griechischen Haushalt – Schuldenschnitt ist zu erwarten
  • Unsicherheiten:
    – Potenzial zu weiteren Konflikten im arabischen Raum
    – Wirtschaftswachstum im 1. Halbjahr 2013 sehr ungewiss
  • Technisch befindet sich Gold bei einem starken Support von USD 1675
  • Underperformance in den letzten Wochen trotz schwächerem USD

Anleger mit höherer Risikobereitschaft können auch in Silber investieren. Silber ist jedoch deutlich volatiler als Gold, da das Metall auch für industrielle Zwecke eingesetzt wird und deshalb auch stärker auf konjunkturelle Daten reagiert.

Umsetzung im CHF Portfolio:
ETF on Gold (physical) in CHF (unhedged) (ZGLD)
ETF on Silver (physical) in CHF (unhedged) (ZSIL)
Gewicht von Gold im Portfolio ca. 10-15%
Gewicht von Silber im Portfolio ca. 5-7%

Crude Oil (WTI)

Mein erster Post ist auch gleich eine Trading Idee auf Crude Oil (WTI).

Ist Zeit Öl zu shorten bei USD 89.05:

  • Wirtschaft: Weiterhin schwacher Ausblick global ebenso in China
  • Schuldenkrise: Die Situation in Europa und den USA (Schuldendach & „Fiscal cliff“) sorgt weiter für Unsicherheiten und Zurückhaltung bei Firmen zu investieren
  • Nahostkonflikt: erste Anzeichen, dass der derzeitige Konflikt nicht eskaliert und sich in der Region ausweiten wird
  • Preis: zu starke Erholung in den letzten Tagen (USD 85 -> USD 89)
  • Der Ölpreis repräsentiert derzeit am besten die wirtschaftliche Entwicklung, im Vgl. zu Aktien und Bonds, die wiederum künstlich durch die Geldmengenausweitung der Zentralbanken (FED, EZB) hoch sind

Umsetzung (CHF Portfolio): ETC short on WTI Crude Oil in USD (SOIL)